Glosse

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Der Job als Redakteur birgt zuweilen knifflige Recherchen. Wer jetzt an die Watergate-Affäre in den USA denkt, greift zu hoch.

Manchmal ist schon die simple Frage: "Warum steht an der Bergedorfer Straße - mitten in Hamburg - plötzlich eine Ortstafel?", mit hartnäckigen Nachforschungen verbunden. Hier das Protokoll:

Donnerstag, 19. März, Anruf bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU): "Für die Aufstellung von solchen Schildern sind wir nicht zuständig. Versuchen sie es bei der Innenbehörde." Anruf bei der Innenbehörde: "Rufen sie doch die BSU an." - "Mit denen habe ich gerade telefoniert." - "Ach so?" - "Die empfahlen mir ihre Behörde." - "Oh!" - "Ja!" - "Es könnte sein, dass die Polizei mehr weiß."

Anruf bei der Polizeipressestelle. "Damit haben wir überhaupt nichts zu tun." Genug Abfuhren für einen Tag.

Freitag, 20. März, Anruf beim Bezirksamtssprecher, mit der Bitte um einen Tipp: "Vielleicht haben sie bei der Autobahnmeisterei Glück, das Schild steht ja nahe der Ausfahrt Billstedt". Und tatsächlich, die Spur verdichtet sich: "Mein Kollege könnte das Schild aufgestellt haben. Er ist aber selten im Büro." - "Dann erreiche ich ihn nicht?" - "Wahrscheinlich nicht." - "Könnten sie ihm ausrichten, dass er mich anrufen soll?" - Widerwillig: "Na gut." Zehn Minuten später klingelt das Telefon: "Sie wollten mich sprechen, ich habe das Schild nicht aufgestellt, weiß aber wer." - "Wer denn?" - "Die Straßenverkehrsdirektion der Polizei." Anruf bei der Verkehrsdirektion: Der zuständige Mitarbeiter ist im Urlaub.

Erneuter Anruf später. "Vor etwa einem Jahr wurde das Schild umgefahren. Nun haben wir ein neues aufgestellt. Das Schild soll Verkehrsregeln deutlich machen, die innerorts nach dem Ende der Kraftfahrtsstraße wieder gelten, zum Beispiel das Verbot des Überholens mit Lichthupe." Na, wenn das keine Recherche wert war.

( knm )

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