Firma Burgdorf

Die Tradition währte 204 Jahre

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Anne K. Strickstrock

Bergedorf. In sechster Generation führte Urte Buls das Familienunternehmen, das sich auf den Verkauf hochwertiger Messer sowie Näh- und Schneiderscheren spezialisiert hatte.

Jetzt hängen große Rabatt-Schilder im Schaufenster am Sachsentor 5: "Selbst wenn ich Nachwuchs hätte, würde ich das Geschäft nicht guten Gewissens abgeben können. Wir haben eine kleine Verdienstspanne und einen hohen Kapitaleinsatz. Zudem gab es 15 Jahre lang keinen gemeinsamen Urlaub", sagen Urte (65) und Peter (67) Buls. Künftig wollen sie ihre Zeit als Rentner genießen, sich dem eigenen Pferd und der Zucht von Kanarienvögeln widmen.

Dass der Laden dicht macht, liege also keineswegs daran, dass ein gutes Steakmesser bis zu 200 Euro, eine kleine Nagelschere 70 Euro kostet. "Unsere Stammkundschaft reicht von Büchen bis Blankenese, an guten Tagen ging die Tür 50mal auf und zu", sagt Inhaberin Urte Buls. Nicht nur Reiche, die edles Silberbesteck kaufen, sondern auch Köche, Tierärzte, Jäger und Hufschmiede zählten zur Kundschaft: "Die brauchen ordentliche Solinger Messer und zum Beispiel einen Taschen-Wetzstahl", sagt Peter Buls.

1805, als der Messerschmied und chirurgische Instrumentenmacher Johann Gottfried Haase das Geschäft am Bergedorfer Markt eröffnete, zählten auch Knochensägen zum Sortiment - ein gefragter Artikel bei Hausschlachtern. Haases Sohn Jürgen Heinrich gab das Unternehmen an seine Tochter Franziska weiter, die den Instrumentenmacher Heinrich Carl Christian Burgdorf heiratete. Er gab der Firma den heutigen Namen und kaufte 1876 das Haus an der Großen Straße 8, jetzt Sachsentor 5. Damals wurden in Bergedorf noch aus Rohlingen Rasiermesser geschliffen - und sogar nach England exportiert.

1906 übernahm Sohn Karl-Heinrich Burgdorf das Geschäft, gab es später an seine Tochter Charlotte Uenzelmann weiter. "Ich habe schon als Kind oft meiner Mutter beim Auspacken der Ware geholfen", erzählt Urte Buls, die 1968 - nach einer Lehre im Stahlhandel - ans Ruder kam.

Mit Blick auf die Entwicklung im Sachsentor ist sich die 65-Jährige sicher: "Wenn uns das Haus nicht gehören würde, wäre das Geschäft längst nicht mehr hier - bei den Mieten!" Und so will sie auch einen vergleichsweise günstigen Mietvertrag für die 20 Quadratmeter große Ladenfläche verlangen, "damit es keinen so häufigen Wechsel gibt". Vier Anfragen lägen bereits vor, doch Eheleute Buls macht klar: "Billig-Textilien oder etwa einen Handy-Laden wollen wir als Nachfolger vermeiden."

"Billig-Textilien oder etwa einen Handy-Laden wollen wir als Nachfolger vermeiden." Eheleute Buls

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