Reise

In einem fernen Land

| Lesedauer: 4 Minuten

1. Tag: Accra

Ghana se'w Akwaaba! - Willkommen in Ghana! Und willkommen sind wir wirklich. Jeder grüßt und winkt mir zu. Ob sie wissen, dass wir die Entwicklung des Landes erkunden wollen? Aber mit der Hitze habe ich zu kämpfen. 32 Grad fühlen sich an wie 50. Die Luft ist schwül und drückend. Deshalb ist die Fahrt vom Flughafen zu unserer Unterkunft eine Tortur. Enge nur teilweise geteerte, vollgestopfte Straßen mit tiefen Schlaglöchern sind wir 18 Europäer nicht gewohnt, werden mitsamt dem Gepäck regelmäßig von den Sitzen gerissen. Immer wieder weicht unser Fahrer auf die Gegenspur aus, wenn es nicht voran geht. Ampeln und Verkehrszeichen gibt es kaum - wenn doch, werden sie weitestgehend ignoriert. Wir brauchen zwei Stunden durch die ZweiMillionen-Stadt.

3. Tag: Accra

Unsere Unterkunft in Accra wiegt die Schaukel-Fahrten in unserem kleinen Sprinter auf. Wir haben zwei Häuser für uns allein, zahlen jeder umgerechnet 25 Euro die Nacht, inklusive Essen. Für uns günstig, für Ghana ganz schön teuer, wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Ghanaer 100 Cedi im Monat verdient. Ein Cedi - so heißt die Währung des Landes - entspricht 70 Cent. Direkt neben unserem Haus türmt sich ein Müllberg auf. Überhaupt liegt überall viel Abfall rum. Öffentliche Mülleimer habe ich noch nicht gesehen. Ein Umweltbewusstsein, wie wir es kennen, gibt es nicht.

5. Tag: Akosombo

Heute steht ein Tagesausflug an zum Akosombo-Damm, der den Volta-Fluss staut. Der Volta-Stausee ist der größte von Menschen künstlich geschaffene See der Welt. Das Wasserkraftwerk hier liefert Energie für die Aluminiumproduktion. Ghana hat viele Bauxit-Vorkommen. 100 Dörfer mussten für den See weichen.

7. Tag: Accra

"Oburoni" - so nennen uns die Ghanaer. Das Wort bedeutet in der Landessprache Twi "Weißer", und davon gibt es hier nur wenige, deshalb sind wir eine Attraktion. Accra ist eine Stadt, trotzdem gibt es viele Tiere. Ziegen und Hühner tapern einfach über die Straße. Geckos leben sogar in meinem Zimmer. Meine Kommilitonin hatte gestern eine Spinne im Bett. Ich wäre durchgedreht.

9. Tag: Cape Coast

Die weiße Burg in der Küstenstadt Cape Coast westlich von Accra sieht erst mal imposant aus. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf die schönen Strände Ghanas. Dann betrete ich die Zellen, in denen Sklaven bis zur Verschiffung gefangen gehalten wurden. Der Fremdenführer erzählt, dass es keine sanitären Anlagen gab. Die Zellen waren so voll, dass sich die Menschen nicht zum Schlafen hinlegen konnten. Furchtbar!

11. Tag: Kumasi

Auf dem Weg nach Kumasi werden wir grundlos von der Polizei angehalten. Unser Fahrer legt einen Cedi in die Fahrzeugpapiere. Bei der Kontrolle lässt ihn der Polizist in seiner Hosentasche verschwinden, dann dürfen wir weiterfahren. Unglaublich!

14. Tag: Tema

Den Gestank im Slum in Tema werde ich nicht mehr vergessen. Die Menschen dort müssen es in ärmlichen Hütten direkt neben einer toten Lagune aushalten: In ihr landen sämtliche Abwasser aus Accra.

18. Tag: Accra

Heute fragte ich unseren Fahrer Joe, warum alle so ehrlich und freundlich zu uns sind. Nie hat ein Händler mehr verlangt, als den Preis, den Joe uns zur Sicherheit vorher sagte. Joe antwortete: "Wir möchten, dass ihr Euch willkommen fühlt. So würde man mit mir in Deutschland doch auch umgehen." Ich habe den Blick gesenkt: "Die Wochen hier sind viel zu schnell vergangen."

Mehr Bilder im Internet

www.bergedorfer-zeitung.de/ghana

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf