Schulsport

Kunstrasenplatz: Politik macht Druck

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André Herbst

Bergedorf. Anfragen, Antworten und Berichte zum ehemaligen Kunstrasenplatz hinter den Gewerbeschulen füllen längst einen Aktenordner: Seit der schadhafte Belag 2006 entfernt wurde, nur ein Asphaltfeld zurückblieb, kämpft der Vorsitzende des SPD-Distrikts Bergedorf-West, Fritz Manke, um die Wiederherstellung.

Im jüngsten Sport- und Kulturausschuss ist deutlich geworden, wie die Schulbehörde seit Jahren derartige Forderungen ins Leere laufen lässt. Heute befasst sich die Bezirksversammlung erneut mit dem Thema.

Ab 18 Uhr geht es im Rathaussaal zudem um die umstrittene Wohnbebauung in Nachbarschaft des Boberger Dorfangers, die "Bummelbaustelle" am alten ZOB und die Frage, ob tatsächlich große Teile des Bezirks Gefahrengebiet sind, wie von der Innenbehörde eingestuft. Die Linke macht schwerwiegende Bedenken geltend: Es sei im Rechtstaat nicht hinnehmbar, dass die Verwaltung statt des Gesetzgebers darüber befindet, die Freiheit der Bürger einzuschränken und der Polizei Sonderbefugnisse zuzubilligen. Dass in Bergedorf die Unschuldsvermutung ins Gegenteil verkehrt wird, werten Stefan Jersch und Fraktion als Verstoß gegen die Verfassung.

Wie Verwaltungen sich Wahrheiten zurechtbiegen, wissen die Mitglieder des Bergedorfer Sport- und Kulturausschusses seit der jüngsten Sitzung. Immer wieder hat Hamburgs Schulbehörde Vorstöße zur Wiederherrichtung des Kunstrasenplatzes an der G 19 zurückgewiesen. Wahlweise mit dem Argument zu hoher Kosten, der Entgegnung, sie sei der falsche Ansprechpartner, oder der Behauptung, die Fläche werde für Schulsport gar nicht benötigt. Nun ist der Sport zwar tatsächlich von den Stundenplänen der Berufsschüler verschwunden. Die Gewerbeschulen haben sich dennoch für die Wiederherstellung der Bespielbarkeit ausgesprochen - für ihre anderen Schüler.

"Wir wurden von der Behörde nicht gefragt", hat zudem Peter Puhle, stellvertretender Leiter der benachbarten Gesamtschule Bergedorf, kürzlich den verblüfften Sportpolitikern bestätigt. "Dabei waren wir es, die frühzeitig drauf verwiesen haben, dass der Platz von uns und anderen benötigt wird."

Hatte die CDU-Fraktion zuerst noch zurückhaltend auf die Forderung nach Wiederherstellung eines Kunstrasenplatzes reagiert, trägt sie inzwischen Vorstöße mit, den Platz zumindest wieder in einen bespielbaren Zustand zu versetzen. Jetzt soll zunächst ein Referent der Behörde für Schule und Berufsbildung im Fachausschuss Rede und Antwort stehen.

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