Arbeitsmarkt

Große Angst um die Ein-Euro-Jobber

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Ulf-Peter Busse

Bergedorf. Bei zahlreichen Vereinen und Institutionen wird mit Schrecken auf den 31. März geblickt. Denn in fünf Wochen müssen sie den Großteil ihrer Ein-Euro-Kräfte auf die Straße setzen.

Dann greift, was der schwarz-grüne Senat im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat: Die Reduzierung dieser "Arbeitsgelegenheiten" um gut ein Drittel auf nur noch 7500.

"Ohne unsere Ein-Euro-Jobber wird die Sauberkeit in den Umkleidekabinen leiden, kleinere Reparaturen bleiben aus und die Sportanlagen werden schlechter gewartet", sagt Horst Kriegsmann vom Sportverein Nettelnburg/Allermöhe, der drei Langzeitarbeitslosen einen "Job" bietet. Fritz Manke von der Arbeitsgemeinschaft Bergedorf-West sorgt sich um die Zukunft verschiedener sozialer Projekte in seinem Stadtteil, die über Ein-Euro-Jobber erst möglich wurden.

Wie groß das Drama ist, zeigte sich im jüngsten Wirtschaftsausschuss der Bezirksversammlung. Dort referierte mit Rosemarie Hören vom team.arbeit Hamburg eine der Verantwortlichen für das dem Koalitionsvertrag jetzt folgende Chaos. Ihre Aussagen waren eindeutig: "Es gibt keinen Bestandsschutz für die Träger der Ein-Euro-Jobs. Die Bewilligungszusagen sind zum 31. Dezember 2008 ausgelaufen." Schon die jetzige dreimonatige Übergangsregelung sei eigentlich nicht finanzierbar, denn "der Haushaltstitel ist um etwa elf Millionen Euro zurückgefahren worden".

Doch der Irrsinn wird vor allem von der Systematik des neuen Vergabeverfahrens ausgelöst: Das team.arbeit bewilligt nicht mehr einzelne Anträge, sondern fasst seine Genehmigungen zu Kontingenten von etwa 20 gleichartigen Jobs (z. B. 20 Küchenhilfen) zusammen. Die werden dann als Einheit einem Träger zuerkannt. Das Ergebnis zeigt sich an Bergedorfs größtem Beschäftigungsträger Sprungbrett. Geschäftsführer Uwe Emmenthal: "Noch haben wir 97 Plätze, die genau auf die Anforderungen im Bezirk zugeschnitten und oft bei Vereinen und Institutionen angesiedelt sind. In fünf Wochen fehlen 77 davon. Als Ersatz sitzen wir auf 40 Plätzen, die ausschließlich in Büro und Verwaltungsbereich liegen."

Allein dem Bürgerhaus Allermöhe werden sieben Kräfte fehlen. "Wir verlieren alle Küchen- und Hauswirtschaftshilfen. Bleibt es dabei, können wir unsere gerade für 50 000 Euro renovierte Küche samt Mittagstisch-Angebot dicht machen", sagt Geschäftsführer Uwe Jensen. Er muss nun darauf hoffen, dass andere Beschäftigungsträger, die den Zuschlag für die benötigten Kräfte bekamen, die Sprungbrett-Verträge seiner Ein-Euro-Kräfte übernehmen.

Auch Rosemarie Hören scheinen solche Folgen nicht ganz verborgen geblieben zu sein. Sie gelobte Besserung - aber erst für das Jahr 2010: "Die Bewerbungsfrist dafür beginnt am 1. April", machte sie im Wirtschaftsausschuss Mut.

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