Das Thema der Kirche

Du bist Kirche

"Du bist Kirche": Mit diesem Slogan warb eine deutsche Landeskirche um Mitarbeit. Der Satz ist richtig und gleichzeitig falsch. Natürlich ist keiner alleine Kirche. Es will auch nicht jeder zur Kirche dazugerechnet werden. Eine gute Provokation ist der Satz trotzdem.

Wird nicht oft über "die Kirche" geschimpft? Fühlt sich nicht mancher vom "Bodenpersonal Gottes" enttäuscht? Die Erwartungen an kirchliche Arbeit sind hoch. Glaubwürdigkeit, Wertschätzung, Solidarität und vieles mehr möchte man bei der Kirche finden. Oft Dinge, an denen es einem selbst mangelt.

Die Reformatoren der Kirche haben hier angesetzt. Sie haben allerdings nicht nur angeklagt, sondern Alternativen gesucht. So auch Philipp Jakob Spener (*1705). 150 Jahre nach der Reformation Martin Luthers meldete er sich in Frankfurt mit seinen "Frommen Wünschen". Von überbordenden kirchlichen Ordnungen in der Evangelischen Kirchenlandschaft wollte er zurück zu biblischen Grundlehren. Die persönliche Glaubenserfahrung war für ihn oberstes Gebot. Frommes, nicht frömmelndes Leben mache einen Menschen zum wahren Christen. Neben dem Besuch des Gottesdienstes sei persönliches Lesen in der Bibel in sog. "collegia pietatis", kleinen Gesprächsgruppen, wichtig. Die Teilnehmer fragten sich gegenseitig: Welche guten Früchte trägt mein Glaube an Gott? Eine Frage, die von innen nach außen blickt.

Inzwischen sind überschaubare Kleingruppen festes Element in fast jeder Gemeinde. In Bibelgesprächskreisen oder Hauskreisen gibt es Begegnung beim Bibellesen und Beten. Manche Gemeinden bieten Selbsthilfegruppen zu vielen Problemen an.

Es ist das Zusammenspiel von Empfangen und Einsatz, von Gottesdienst und Dienst für die Menschen, von Gebet und Gemeinschaft, das zur Erneuerung der Kirche beiträgt. Spener ging sogar soweit, dass er diese Beteiligung als "Priestertum aller Gläubigen" bezeichnete. "Du bist Kirche" - zumindest ein Teil, ohne den der Gemeinde Jesu Entscheidendes fehlt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf