Klinik-Träger

150 Jahre Stiftung Bethesda

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André Herbst

Bergedorf. Sein 150-jähriges Bestehen hat das Bethesda AK Bergedorf im April 2006 gefeiert, erst jetzt folgt der Krankenhaus-Träger, die "Evangelische Stiftung Bethesda".

Das ist kein Widerspruch: "Die Rechtsfähigkeit wurde der Stiftung im Februar 1859 bestätigt, zu der Zeit hatte Gründerin Elise Averdieck aber bereits drei Jahre Krankenpflege im eigenen Haus in Hamburg betrieben", erläutert Prof. Eberhard Meincke schmunzelnd. Der Jurist ist bereits seit 20 Jahren im Stiftungsvorstand tätig, seit 2003 Vorsitzender, zudem Aufsichtsratsvorsitzender des BAKB.

Mit der von Hamburg erzwungenen Fusion von Bethesda und AK Bergedorf im Jahr 2000 war zwar Bergedorf als Krankenhausstandort gesichert, schien aber die damals schon gut 140-jährige Geschichte der Stiftung vor einer ungewissen Zukunft. Bis dahin alleiniger Träger des Bethesda-Krankenhauses musste man sich nun mit dem Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) über die Klinikleitung verständigen. "Die 50 zu 50 Regelung war keine praktikable Lösung, bei Problemen hätte sich doch sofort die Frage gestellt, wer hat die unternehmerische Führung", erinnert sich Meincke.

Der fünfköpfige Stiftungsvorstand suchte nach einer Lösung. Als Hamburg den LBK teilprivatisierte, war 2006 die Stunde der Stiftung gekommen: "Es gab auch andere Interessenten, die den 50-Prozent-Anteil des LBK erwerben wollten, wir mussten handeln", erinnert sich Meincke. Die folgenden Monate seien noch schwieriger als die langjährigen Fusionsverhandlungen gewesen. Die seit jeher nur von Ehrenamtlichen geführte Stiftung zeigte sich durchsetzungsstark, konnte den LBK-Anteil schließlich für einen einstelligen Millionen-Betrag erwerben. Meincke: "Eine Erbschaft, die uns eine ehemalige Patientin gemacht hat, verbesserte unseren Spielraum."

Wer heute das moderne BAKB am Glindersweg besucht, ahnt in der Regel nicht, dass die Keimzelle in Hamburg war. 1856 gab Elise Averdieck, die spätere Stiftungsgründerin, ihren Beruf als Lehrerin auf, um sich der Pflege zu widmen. Zuerst betreute sie in der Wohnung einer Freundin einen schwindsüchtigen Weber. Bald mietete sie ein Haus, das sie bereits Bethesda nannte. Der Name steht für einen Teich in Jerusalem, dem heilende Wirkung zugesprochen wurde.

1857 betreute die spätere Diakonissin schon 22 Menschen in ihrer Krankenanstalt. 1859 wird zum Erwerb eines Grundstücks in St. Georg die Stiftung "Diakonissen- und Heilanstalt Bethesda" gegründet. Elise Averdieck wird erste Vorsteherin. 1887 zieht das Haus an die Burgstraße um. Hamm bleibt für 56 Jahre Standort des Bethesda-Krankenhauses. Nach Umbauten beträgt die Bettenzahl schließlich 130.

In den Bombennächten des Jahres 1943 wird das Haus zerstört. In gemieteten Räumen an der Horner Landstraße und in Mölln wird der Betrieb notdürftig wieder aufgenommen.

Die Entscheidung, das Haus nach Bergedorf zu verlegen, bescherte dem Bezirk ein zweites Krankenhaus neben dem 1912 eröffneten AK auf dem Gojenberg. 1953 wird am Glindersweg einer der ersten Krankenhausneubauten in Nachkriegsdeutschland eröffnet.

* Nach der Fusion hat das BAKB 342 Betten und 35 Tagesklinik-Plätze, beschäftigt heute gut 600 Mitarbeiter. Eines ist geblieben: Das Klinikum bietet 80 Ausbildungsplätze für Pflegekräfte. "Gemeinsam mit dem Diakonie-Klinikum, dem Marien- und dem Israelitischen Krankenhaus sowie Großhansdorf betreiben wir heute eine Krankenpflegeschule, um den modernsten Standard bieten zu können", sagt BAKB-Geschäftsführerin Margret von Borstel.

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