Bühne

Puppenspiel mit Botschaft

Lohbrügge. Der Höhlenwächter klaut und lügt - bis ihn das Geistervolk endlich zur Einsicht bringt. "Man muss nicht so bleiben, wie man gerade ist.

Jürgen Behnk (74) bietet den kleinen Zuschauern mit seinen Stücken Perspektiven.

Man kann sich verändern", lautet die Botschaft dieses Puppenspiels für Vier- bis Zehnjährige. Eine Botschaft ist immer dabei und ein gutes Ende: Selbst die faule Pechmarie ("Frau Holle") verliert ihr Pech wieder, wenn sie ein Jahr auf dem Schloss stramm arbeitet.

Mit Bedacht und Leidenschaft steht Jürgen Behnk konzentriert hinter seiner Galgenbühne und vermittelt über verschiedene Spielebenen, was es heißt, mit gutem Charakter aufrecht durchs Leben zu marschieren. Jahrzehntelang lehrte der Lohbrügger an der Fachschule für Erzieher. Jetzt sind es die Kinder selbst, die von seinem Wissen und seiner Fantasie profitieren. "Als ich in Rente ging, wollte ich keine Briefmarken sammeln, sondern kreativ sein", sagt der heute 74-Jährige, der das "Bergedorfer Puppentheater" gründete. Und so baute er sich zunächst eine 2,50 mal 1,50 Meter große Bühne, die so ausgetüftelt ist, dass sie zusammengeklappt in einen Auto-Anhänger passt. Ehefrau Ursel nähte dazu die passenden Vor- und Umhänge.

Zu Hause am Harnackring lagern mehr als Hundert Handspielpuppen, die böse oder trottelig sind - und als Ventil oder Spiegelbild dienen: "Eine Puppe kann man anschreien und in die Ecke feuern, die nimmt das nicht übel", sagt Behnk, der auch für psychisch kranke Kinder spielt und für Kinder in der Rheumaklinik Bad Bramstedt. Zuletzt wurde er sogar von einem Altersheim angefragt. "In meinen Stücken kriegen die Zuschauer eine Perspektive geboten. Ich zeige, was geht", sagt der Puppenspieler, der auf viele Details achtet: "Wenn Kinder sehr verschlossen sind oder die deutsche Sprache nicht gut verstehen, dann muss mehr Action her. Sind die Zuschauer schon zehn Jahre alt, müssen sie stets etwas vorahnen können", verrät der versierte Pädagoge.

15 Stücke, auch Schattenspiele, hat der 74-Jährige im Repertoire. Mal sind es 200 Kinder einer Kirchengemeinde, mal nur zehn Gäste eines Kindergeburtstags, die angespannt lauschen, wenn es heißt: "Tiefes Wasser, klarer Quell, goldener Fisch, erscheine schnell". Im Spielhaus am Kurt-Adams-Platz war beim jüngsten Auftritt kein Laut zu hören: Die Kurzen hielten alle gemeinsam beim Tauchen im Zaubersee die Luft an und wussten zu schätzen, "dass nur ein Kind den verzauberten Königssohn retten kann". Und dann lachten sie wiederum vor Erleichterung, als der lustige Hase entsetzt rief: "Die Zauberblume riecht wie die Seife meiner Oma!"

Jürgen Behnk, der zwei Kinder und drei große Enkel hat, tritt in den Wintermonaten bis zu dreimal pro Woche auf. "Es macht Spaß, aber leben könnte ich davon nicht", sagt er. Klar, denn im feinen Pöseldorf nimmt er andere Preise als in Neuallermöhe. Und schließlich handelt es sich um eine kleine Amateurbühne. Doch diesen Anfängerfehler wird der 74-Jährige nie mehr machen: "Einmal erzählte der Kasper, was er zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Da musste ich mir natürlich auch von 30 Kindern anhören, was sie alles bekommen hatten. Danach hatte ich wirklich lahme Arme."

* Das "Bergedorfer Puppentheater" ist Mitglied im Arbeitskreis Hamburger Puppen- und Figurentheater. Im Internet sind die einzelnen Stücke zu finden: www.puppentheater.net