Neuallermöhe

Harte Zeiten für Westensee-Kiosk

Neuallermöhe. Erst stand das Blockhaus am Neuallermöher Westensee Monate leer - dann fand der Bezirk endlich den ersehnten Pächter.

Vandalismus, geplatzte Abwasserleitung und wenig Laufkundschaft: Pächter geben nicht auf.

Doch trotz Unterstützung hat sich das Engagement für Hans-Peter Lausen und seine Lebensgefährtin Heidemarie Hansen zu einem existenzgefährdenden Abenteuer entwickelt. Vandalismusschäden schon vor der Eröffnung, Zwangspausen aufgrund einer notwendigen Modifizierung der Abluftanlage und der Beseitigung von Schäden nach einer geplatzte Abwasserleitung - trotz diverser Rückschläge geben die Pächter nicht auf. "Ohne die Einnahmen aus einem Imbisswagen in Reinbek wären wir aber längst pleite", sagt Lausen.

Und das war noch nicht alles: Das Konzept des Bezirks Bergdorf - eine Kopplung von Restauration und öffentlichen Toiletten - funktioniert zwar mitten in Bergedorf, etwa an der Alten Holstenstraße, erweist sich am Westensee aber als Fehlplanung: Einige Kunden, die sich außerhalb der Sommer-Saison zum Blockhaus verlaufen, reichen nicht, den Betrieb zu finanzieren.

Gut 400 000 Euro hat Bergedorf in das Projekt gesteckt, den Löwenanteil kosteten die Toiletten und ihr Anschluss an das bis dahin nicht vorhandene Siel. Für den Bezirk bleibt das Blockhaus ein Zuschussgeschäft, Lausen zahlt 1400 Euro Jahrespacht.

Trotz des günstigen Zinses geht für ihn die Rechnung bislang nicht auf. Auch der Bezirk musste zurückstecken: Die WCs blieben nicht, wie ursprünglich gefordert, durchgängig geöffnet, sondern lediglich während der Geschäftszeiten des Kiosks.

Im Herbst blieb dann die Laufkundschaft weg. Die wenigen Stammkunden, die die Betreiber in der kurzen Saison gewinnen konnten, lassen sich jetzt an den Wochenenden zwischen 11 und 19 Uhr Curry- und Bratwurst, Schnitzel mit Beilagen und hausgemachte Frikadellen schmecken. "Alle zwei Wochen gibt es frisch Geräuchertes", berichtet Heidemarie Hansen. Forelle, Heilbutt, Lachs, Makrele, Bückling und Aal stehen zur Auswahl. Auf Wunsch werden auch Stör, Karpfen oder Geflügel geräuchert. Lausen: "Damit haben wir uns einen kleinen Stammkundenkreis geschaffen."

Auf neue Kunden können die beiden jedoch kaum hoffen: Von Lausen aufgestellte Hinweisschilder auf das Blockhaus entfernte der Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD), drohte mit einer Anzeige. Auch eine Anfrage beim Bezirksamt nach einer Beschilderung am Adolf-Köster-Damm wurde abgelehnt. Begründung: Werbung in öffentlichen Raum sei nicht zulässig. Zudem hält das Bezirksamt einen Wegweiser zum Westensee für nicht angebracht. Der gilt aufgrund seiner Trübung nicht als öffentliches Badegewässer sondern als Naherholungsgebiet für die Neuallermöher, sagt Joachim Bruschke, Leiter des Fachamts Management im Öffentlichen Raum.

Das Gesetz könne und wolle man nicht beugen, auch wenn dem Bezirk sehr daran liege, Lausen als Kiosk-Pächter zu halten, betont Bruschke. Deshalb sei er für Umsatzausfälle in den ersten Wochen entschädigt worden, beim Bau der Terrasse sei das Bezirksamt dem Pächter entgegen gekommen, die Abluftanlage habe das Bezirksamt finanziert. Zudem sei die Pacht im Vergleich sehr moderat.