Mobiltelefone

Wenn das Handy den ADAC anruft. . .

Bergedorf (knm). Wenn das Auto plötzlich liegen bleibt, ist die in vielen Handys automatisch gespeicherte Kurzwahl zur ADAC-Pannenhilfe ein Segen.

Bei zahlreichen Bekannten, die mit dem Buchstaben A beginnen, ist die Voreinstellung vielleicht eher nervig. Doch auch für Mitarbeiter der Pannenhilfe war die automatische Speicherung der Nummer - stets an prominenter erster Stelle im Handy-Adressbuch - anfangs ein Fluch. Denn wann immer die Telefontasten nicht gesperrt sind und das Handy zwischen Lippenstift und Geldbörse in der Tasche liegt, ist die Anwahl der Pannenhilfe nur zwei Knopfdrucke entfernt.

"Wir haben fünf bis sechs Millionen Junk-Anrufe im Jahr", sagt Brigitte Brand, Telekommunikationsexpertin beim Automobil-Club in München. Das sind etwa genauso viele "Schrott"-Anrufe wie Aufträge. Zweidrittel der Anrufe von Mobiltelefonen seien unecht, passierten also versehentlich. "Deshalb ist eine automatische Ansage geschaltet, bei der zunächst jeder Anrufer landet", erläutert Brand. Nur wer die Eins drückt, kommt weiter. "Wir haben mal probehalber in einem Callcenter diese Ansage abgestellt. Nach nur einer Stunde bekamen wir verzweifelte Anrufe aus dem Center mit der Bitte, die Zwischenschaltung wieder zu aktivieren."

Kein Wunder, allein bei der Pannenhilfe-Zentrale in Bergedorf klingelt an stressigen Tagen bis zu 5000-mal das Telefon. Die Disponenten müssen etwa 360 Fahrer sinnvoll durch Norddeutschland zu den Einsatzorten schicken. Da ist keine Zeit für unnütze Anrufe.

"Viele Mobiltelefone haben die Servicenummer mittlerweile nicht mehr automatisch gespeichert", sagt Helmut Hartig von der Regionalleitung in Bergedorf. Etwa 1996 sei die Kurzwahl vom Handy aus in Absprache mit den Providern eingerichtet worden. "Der Gedanke dabei war: Viele Handynutzer werden unsere Kunden sein und die Nummer mal brauchen", so Hartig. Heute hängt es auch von den Herstellern ab, ob die ADAC-Kurzwahl voreingestellt ist.