Verbraucherschutz

Gas-Streit: E.on bucht illegal ab

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Ulf-Peter Busse

Lohbrügge. E.on Hanse geht mit immer härteren Bandagen gegen die Gaspreisrebellen vor. Das stellten die Rentner Peter und Marianne Behrends fest, als sie jetzt einen Auszug ihres Kontos bei der Volksbank Stormarn holten.

Ohne Einzugsermächtigung hat sich der Konzern auf dem Konto des Ehepaars Behrends bedient.

"E.on hat einfach 140 Euro bei uns abgebucht - ohne Einzugsermächtigung", sagt der Lohbrügger, der dem Konzern eine solche Verfügung über sein Konto noch nie gegeben hatte.

Die Behrends' gehören zu den Standhaften, die den Preisgalopp der Energiekonzerne schon seit Jahren nicht mehr mitgemacht haben. Sie folgten dem Rat der Verbraucherzentralen und froren die Zahlungen für ihr Gas auf dem Stand von 2004 ein. Bis Ende 2007 hielten sie durch, trotz regem und nicht gerade freundlichem Briefwechsel mit dem Energieriesen. Dann wechselten sie entnervt zu den Stadtwerken Wedel.

Nach Rechnung von E.on sind damit Schulden in Höhe von 1400 Euro aufgelaufen. Über diesen Betrag erwirkte der Konzern vor vier Wochen ein amtliches Mahnverfahren beim Amtsgericht Schleswig - wie bei mindestens 5000 anderen Gaspreisrebellen. Wie berichtet, lag drei Tage nach der Gerichtspost überraschend ein Angebot von E.on bei den Behrends' im Briefkasten: Das Angebot einer Ratenzahlung von zehn mal 140 Euro.

Peter Behrends gab seiner Verwunderung in einer E-Mail an E.on Ausdruck: "Ich bitte Sie, mir mitzuteilen, warum Sie ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet haben, wenn Sie mir jetzt diesen Vorschlag unterbreiten? Wurde das Mahnverfahren zwischenzeitlich zurückgenommen?" Eine Antwort blieb E.on schuldig. Stattdessen wurde kommentarlos die erste Rate abgebucht.

Behrends ließ das Geld von der Volksbank sofort zurückbuchen. "Ihre Vorgehensweise erinnert an moderne Piraterie. Wie kommen Sie an unsere Bankdaten?", machte er seinem Ärger bei E.on in einer neuen E-Mail Luft. Eine Antwort blieb der Konzern auch auf Nachfrage unserer Zeitung gestern schuldig. Zu sehr, so die Worte einer eiligen Sprecherin am Telefon, war man mit der Verkündigung der gerade zum zweiten Mal fallenden Gaspreise beschäftigt.

Dr. Günter Hörmann, Chef der Verbraucherzentrale Hamburg, macht der Vorgang wütend: "Was E.on hier macht, ist eindeutig illegal und grenzt an Einschüchterung." Diese Schärfe sei eine neue Qualität im Umgang mit widerspenstigen Zahlern. "Bisher wurden 'nur' Mahnungen geschickt, Inkassobüros beauftragt oder Telefonmassage betrieben." Der Experte stellt klar: "Für die Betroffenen gibt es keinen Grund zu zahlen, denn im Verfahren zur Rechtmäßigkeit der Gaspreiserhöhungen vor dem Landgericht Hamburg gibt es noch keine Entscheidung."

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