Kultur

Kabarettwochen: Guter Start mit Schroeder und Staub

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Holmer Stahncke

Foto: Stahncke

Bergedorf. Ein Auslaufmodell lief zum Auftakt der Kabarettwochen des Lichtwark-Ausschusses im Theater Haus im Park seine letzten Meter. Dann ging es ohne Abwrackprämie in den verdienten Ruhestand.

Die Rede ist vom "Jahresrückblick 2008" der beiden Kabarettisten Florian Schroeder und Volkmar Staub. Auch wenn Ende Januar die natürliche Verfallsgrenze eines Jahresrückblicks erreicht war, hatte das Programm noch genug Saft in den Knochen, um problemlos noch weitere Runden drehen zu können.

Routiniert warfen sich die beiden geborenen Baden-Württemberger und Wahl-Berliner die Bälle zu. Kurt Beck musste noch einmal dran glauben. " Diesen Witz über Kurt Beck habe ich früher über Helmut Kohl gemacht ", verriet Schroeder. "Was damals auf dem Schulhof funktioniert hat, funktioniert auch im Theater." Es funktionierte - so wie auch alles andere, was sie anpackten. Immer wieder gelangen ihnen schöne Wortspiele wie das vom "Bahnditen Mehdorn". Schön waren auch ihre Solo-Einlagen, bei denen sie ihre individuellen Stärken als Parodisten und Analytiker - nicht zu verwechseln mit Analysten - unter Beweis stellten.

Staub, Jahrgang 1952 und damit zu jung, um 68er der ersten Stunde zu sein, aber alt genug, um sich im universitären politischen Debattierlabyrinth der 1970er verloren zu haben, gab der SPD aus der Fülle seines Wissens Ratschläge, wie sie die Fünf-Prozent-Hürde nehmen könnte. Vor die Wahl zwischen Horst Köhler und Peter Sodann als künftige Bundespräsidenten gestellt, entschieden sich beide für Gesine Schwan. "Köhler hat sich zur Wahl gestellt, weil der dem Land etwas zurückgeben will", so Schroeder. Das habe er sonst nur in Kreuzberg gehört. "Was hast du gemacht? Warte, das gebe ich dir zurück!" Was haben wir Horst Köhler getan, fragte Schroeder sich.

Gefressen haben die beiden auch die Weltversteher in den Medien. Schroeder textete als Reinhold Beckmann den Obama-der-SPD Frank-Walter Steinmeier zu und diagnostizierte als Jürgen Domian Michel Glos ("Ich fühle mich inkompetent") als impotent. Dann bekamen auch noch die schöngeistigen "Ritter der Schwafelrunde" im mitternächtlichen TV-Programm ihr Fett weg. Moderator Staub ("Ich möchte an dieser Stelle einen Gedanken von Claude Levis Strauss ventilieren") kam gegen Schroeder als pragmatischer Medienmacher nicht an.

Ein toller Kabarettabend, der so zum letzten Mal zu sehen war. Ein gelungener Auftakt der Bergedorfer Kabarettwochen.

Gelungene Wortspiele wie das vom "Bahnditen Mehdorn"

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