Schmöker leihen auch am Sonntag

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Anne K. Strickstrock

CDU und GAL wollen Öffnungszeiten der Bücherhallen am Wochenende ausweiten.

Von Anne K. Strickstrock

Bergedorf. Gerade an verregneten Sonntagen sind Konzerthallen, Museen und Kinos gut besucht. Nicht aber die öffentlichen Bücherhallen, ihre Türen sind verschlossen. Das wollen CDU und GAL nun ändern. Heute legen sie in der Bürgerschaft einen Antrag vor, nach dem der Senat sich für die Sonntagsöffnung einsetzen soll. Dazu ist Bundesratsinitiative notwendig, damit Bibliothekare auch an Sonntagen arbeiten dürfen. Zum Ausgleich sollen die Öffnungszeiten an Werktagen geprüft werden.

In einem Hamburger Modellversuch sollen zunächst die Zentralbibliothek und "größere Stadtteilbibliotheken" sonntags öffnen. "Wir sind eine der acht großen. Schließlich zählen wir jährlich 148 000 Besucher, darunter fast täglich Schulklassen und Kita-Gruppen", sagt Dietrich Becker von der Bergedorfer Bücherhalle im Kupferhof. Hier war jüngst Reinhard Stuth zu Gast. Der Staatsrat der Kulturbehörde informierte sich über die Arbeit vor Ort, staunte über die jährlich 253 000 Medien-Ausleihen.

"Die Idee der Sonntagsöffnung findet bei uns allerdings nur mäßige Begeisterung. Dafür bräuchten wir statt 2,5 mindestens 3,5 Bibliothekarsstellen, zudem mehr als 5,2 Assistentenstellen", bekräftigt Becker, der jetzt schon personell an Grenzen stößt: "Selbst mittwochs, wenn geschlossen ist, arbeiten wir. Mit Publikumsverkehr wäre es kaum möglich, etwa die Kinderbücher zu ordnen."

Derzeit ist die Bücherhalle an vier Werktagen zwischen 11 und 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Mit ausreichend Personal würde Becker vor allem am Sonnabend gern zwei Stunden länger öffnen. An diesem Tag käme auch anderes Klientel, etwa Väter mit ihren Kindern.

Auch der geöffnete Sonntag hätte seinen Reiz: "Dann könnten sich die Leute bei uns Filme leihen und müssten nicht in die teureren Videotheken gehen", meint Becker, der von der schottischen Stadt Glasgow weiß, dass Bibliotheken dort sonntags sogar bis 22 Uhr öffnen.

Dass die Nutzungsfrequenz an Sonntagen sogar verdoppelt werden kann, berichtet Brigitta Martens. Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion schwärmt: "In den Niederlanden und in Skandinavien sind die sonntäglichen Besucherzahlen beeindruckend." Sie hofft, dass auch hier bald Berufstätige mit ihren Familien von einer Sonntagsöffnung profitieren können.

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