Lohbrügger Markt

Ein Klo-Häuschen mit Café

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Anne K. Strickstrock

Foto: BGZ / Anne Strickstrock / Anne Strickstrock

Lohbrügge. Die Kneipe "LoMa 1" steht schon lange leer, und das benachbarte Klo-Häuschen kann nur an den Lohbrügger Markttagen dienstags und sonnabends benutzt werden. "Das sieht alt und schäddrig aus", dachte Dr. Annette Hülsmeyer, als sie das Gebäude vor gut einem Jahr erwarb.

Wentorfs ehemalige Gleichstellungsbeauftragte nahm sich vor, dass hier ein neues Schätzchen entstehen sollte. Und tatsächlich: In diesen Tagen haben die Bauarbeiten begonnen. Im Mai soll hier auf etwa 50 Quadratmetern ein Cafe einziehen, dessen Betreiber - der noch gesucht wird - dafür sorgt, dass die öffentliche Toilette am Marktplatz sauber und täglich zugänglich ist: Benutzer zahlen 50 Cent.

Bauleiter Peter Rittner (79) aus Barsbüttel ist begeistert von der " bezaubernden Architektur" des Klo-Häuschens, das um die Jahrhundertwende gebaut wurde und dennoch nicht unter Denkmalschutz steht. Die Fassade soll nicht verändert werden - bloß eine der Türen wird weggenommen: Künftig treffen sich alle, die mal müssen, in einem kleinen Vorflur, und erst von dort aus trennen sich Männlein und Weiblein. Außerdem wird es einen direkten Zugang zum Cafe geben. Noch ist Geduld gefragt: Während der Bauarbeiten wird es einen an Markttagen betreuten WC-Container geben.

An der Rückseite des alten Hauses wird zudem eine Außentreppe gebaut, um in die obere Wohnung zu gelangen: "Dort wohnt eine über 80-jährige Dame, die früher die LoMa-Kneipe betrieben hat. Die abenteuerliche Stiege ist ihr aber nicht mehr zuzumuten", sagt Dr. Annette Hülsmeyer.

Sie hat sich bei ihrer Mutter Maria Busch über die Geschichte des Klo-Häuschens informiert: "Nach dem Krieg war nebenan eine Kaffeerösterei, deren herrlicher Duft über den ganzen Platz zog. Im Klo-Häuschen saß die 'Wärterin' Frau Heinze. Es heißt, dass sie manchmal auf ihrem kleinen Kocher Kartoffelpuffer gbacken hat und ab und zu an ihre Kunden verschenkte." Bei schönem Wetter soll sich die Toiletten-Frau einen Stuhl vors Häuschen gestellt und alle Leute auf dem Vorplatz begrüßt haben.

Zu dem kleinen Vorplatz wünscht sich Dr. Hülsmeyer noch eine Diskussionsrunde mit Raumplanern der Lawaetz-Stiftung, mit den Marktbeschickern und der benachbarten Feuerwehr: "Vielleicht lässt sich hier etwas mit Arkaden oder Bäumen verschönern."

Darüber würde sich auch ihre Mieterin Marlies Gröbner freuen, die die 110 Jahre alte Elefanten-Apotheke betreibt: "Die Ecke hier ist oft dreckig. Flachmänner und sogar noch Luftschlangen von Silvester liegen in den Büschen. Und leider hat das Gartenbauamt den Mülleimer abmontiert, den die Jugendlichen aus der Lola gern benutzt hatten."

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