Theater

Hesses "Steppenwolf" irrt durchs Haus im Park

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Holmer Stahncke

Vor gut einen Jahr feierte das Altonaer Theater mit Hermann Hesses "Steppenwolf" in der Bühnenfassung von Joachim Lux Premiere.

Seit März vergangenen Jahres tourt das Ensemble mit Jochen Horst in der Titelrolle des Harry Haller erfolgreich durch Deutschland. Jetzt stand das Bergedorfer Theater Haus im Park auf dem Tourneeplan. Hier konnte sich der Lichtwark-Ausschuss über ein ausverkauftes Haus freuen. 400 Zuschauer waren an den Gräpelweg gekommen.

In der Inszenierung von Regisseur Gil Mehmert agierte Jochen Horst als Steppenwolf inmitten eines ständigen Klangteppichs, den das Ensemble, unterstützt von zwei Musikern, auf einer Vielzahl von Instrumenten erzeugte.

Der Getriebene, der sich aus seiner bürgerlichen Existenz in die des einsamen, mit der Welt hadernden Steppenwolfs verloren hat und ohne Orientierung auf der Suche nach einer neuen Identität ist, kommt nicht zur Ruhe. Die Stimmen und Einflüsse, die ihn in ihren Bann ziehen wollen, werden sämtlich von Schauspielern personifiziert, die in neutralem Weiß gekleidet sind. Schwer für Harry, sich inmitten dieser kontrastlosen Welt zu entscheiden.

In seinem Trenchcoat und mit der Flasche in der Hand, wirkte Jochen Horst als Harry Haller auf der Bühne mitunter wie ein weinerlicher Bildungsbürger in der Midlife-Krise, der sich nur in einem sicher ist: Egal was er macht, es hat alles keinen Sinn mehr. Nicht einmal tanzen kann er, lamentiert er bockig. Wie ein pubertierender Sechzehnjähriger muss er sich von der rot gekleideten Hermine (Jaqueline Zebisch) an die Hand nehmen lassen, um zu neuen Ufern aufbrechen zu können.

Weltekel und die Suche nach dem Ich ergeben eine brisante Mischung. Was liegt da näher, als sich einem Joint und dem Magischen Theater anzuvertrauen, um den bürgerlichen Menschen und den einsamen Steppenwolf miteinander zu versöhnen und dem ganzen Leben so einen wirklich neuen Sinn zu geben?

Auf seiner Suche nach dem wahren Leben konnten die vielen jugendlichen Steppenwolf-Leser der Flower-Power Ära Harry Haller folgen. Das Bergedorfer Publikum tat es ihnen nach und bedankte sich beim Altonaer Theater mit lang anhaltenden, freundlichen Applaus.

Auf der Suche nach dem wahren Leben folgten die vielen jugendlichen Steppenwolf-Leser der Flower-Power Ära Jochen Horst in der Rolle des Harry Haller

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