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Jedes Jahr eine turbulente Feier

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Bergedorf (stri). Familie Eggers wohnt am Brookdeich 24 und feiert hier heute mit 16 Menschen das Weihnachtsfest. Bevor aber die fünf Kilogramm schwere Gans samt weiteren Keulen, 25 Klößen und fünf Kilogramm Kartoffeln verschmaust werden, muss das Wohnzimmer voller Geschenkpapier liegen.

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Die Bescherung fällt üppig aus, denn allein Tochter Laura (12) hat einen langen Wunschzettel. Sie würde sich zum Beispiel über einen "Shoppingtag mit Mama" und die "Hackenschuhe von Karstadt" freuen. Doch das wichtigste Sehnen des Mädchens können die Eltern nicht erfüllen: "Jamie zurückbekommen". Der geliebte Hamster ist vor zwei Wochen gestorben.

Das mit den Geschenken ist ohnehin immer so eine Sache. "Ich hatte mal alle Geschenke auf dem Schrank entdeckt und aufgemacht. Deshalb gab es Weihnachten nur eine Rute für mich. Erst drei Stunden nach der Bescherung durfte ich meine Marionette auspacken", erinnert sich Tochter Nicole (35). Ähnlich erging es Mutter Petra, als sie sechs Jahre alt war: "Weil ich in meinem Kinderzimmer gezündelt hatte, bekam ich zu Weihnachten bloß eine große Kiste mit Streichhölzern." Stunden später habe der Vater sie auf den Dachboden geschickt. "Da oben stand dann das Kinderfahrrad, das ich mir so sehr gewünscht hatte."

Er kann sich kaum etwas vorstellen, was im Laufe der Jahre noch nicht unter dem Baum lag, meint Bauunternehmer Bernhard Eggers: "Es gab ein Schaukelpferd, rosa Barbiepuppen und Legosteine", sagt der Vater von vier Töchtern, der sich selbst einen neuen Schaal oder Rasierwasser wünscht. "Einmal hat Papa sich als Weihnachtsmann verkleidet, aber ich habe ihn an den Schuhen erkannt. Und weil kein Rentierschlitten vor der Tür stand", berichtet Laura (12).

Auch Katastrophen gibt es von fast jedem Heiligabend zu berichten: "Seitdem einmal der Baum brannte, haben wir nur noch elektrische Lichterketten", erzählt Bernhard Eggers. An das dreckigste Weihnachtsfest erinnert sich der 55-Jährige auch: "Da hatten wir zwei Ferienwohnungen in Dänemark gemietet, sogar den Tannenbaum aus Bergedorf mitgenommen. Und auf einmal gab es einen riesigen Knall in der Küche und meine Mutter flog rückwärts durch die Luft, weil das Gas im Ofen verpufft war." Darüber kann heute sogar Erika Ramm (81), die sich damals die Wimpern verbrannte, lachen.

Heute beschenkt sie die Enkel, früher bekam die Seniorin als Nesthäkchen selbst viele Päckchen. "Meine Brüder waren elf und zwölf Jahre älter". Mutter stand Heiligabend meist in der Küche, Vater war auch viel beschäftigt: Er musste Briketts nachlegen "und kurbeln, denn wir hatten ein Grammophon zum Aufnudeln".

Auch Oma Hannelore Rasmussen (78) hat musische Weihnachtserinnerungen. Sie wuchs in Hinterpommern auf. "Nach der Bescherung haben wir gesungen, meine Mutter spielte dazu Mandoline." Ihr Ehemann, Maurerpolier Uwe Rasmussen (71), lebte damals im Hamburger Stadtteil Horn. Er erinnert sich an Weihnachten 1947: "Da bekam ich eine Dampfmaschine geschenkt, die mit Spiritus betrieben wurde. Leider hatten wir nichts, was wir an das Schwungrad anschließen konnten." Das gab es erst vergangenes Jahr: "Nun habe ich eine Dampfmaschine, die einen Generator, eine Windmühle und einen Sägebock betreibt", freut sich der Rentner und ist wieder ein bisschen Kind.

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