Bankenkrise

Sie wollen ihr Geld zurück

| Lesedauer: 2 Minuten
Kim Nadine Meyer

Bergedorf. Sie wollten eine "sichere Geldanlage", Rücklagen bilden für die Kinder, Reserven für das Alter. Also gingen sie zur Citibank, ließen sich beraten und gaben ihr Geld hin. Einige Monate später war es futsch, nicht ein Cent mehr da. Der Bergedorfer Lars Matthiessen verlor 8 000 Euro, Dr. Thomas Walde aus Curslack ist um 15 000 Euro ärmer.

Bergedorfer protestieren: Citibank hatte Lehman-Zertifikate als "sichere Geldanlage" verkauft.

Beide hatten Lehman-Zertifikate gekauft - auf Anraten der Bankberater.

"Hier wurde ich falsch informiert, falsch beraten, um 15 000 Euro abgezockt", steht auf dem Plakat von Walde. Gestern protestierte der Rentner zusammen mit Matthiessen vor der Citibank in der Alten Holstenstraße. Von vielen Passanten gab es Zuspruch.

"Ich will mein Geld wiederhaben - mit Zinsen. Sonst nehme ich mir im Januar einen Anwalt und werde die Citibank verklagen", sagt Walde. "Regelrecht aufgeschwatzt" habe man ihm die Zertifikate. Und als der Kurs gesunken sei und er verkaufen wollte, hieß es: "Halten, halten, halten." Einige Wochen später war Lehman Brothers insolvent. Bei ihm sei es ganz ähnlich gewesen, erzählt Matthiessen. Vor allem fühlt er sich falsch beraten. "Wie kann es sein, dass man die Zertifikate als 'konservative Geldanlage' verkauft hat?", fragt der 40-Jährige aufgebracht. Auch er stand bei der Bank auf der Matte, als die Kurse fielen. "Bloß nicht verkaufen, hieß es da." Beide fühlen sich abgezockt, können nicht glauben, dass die Citibank nichts von den Problemen bei Lehman gewusst habe. "Wir sind ins offene Messer gelaufen", meint Matthiessen.

Diesen Vorwurf weist Ingo Stader, Pressesprecher der Citibank, zurück: "Ich habe Verständnis für die Wut der Kunden, aber zu behaupten, die Bankberater seien schuld - das ist zu einfach." Die Pleite der über 150 Jahre alten Lehman-Bank sei eine absolut außergewöhnliche Situation, mit der kein Mensch gerechnet habe. So erklärt Stader auch, dass die Zertifikate weiter verkauft wurden: "Sie galten als sicher." Ob Kunden eine Chance auf die Rückerstattung des Geldes haben, kann der Sprecher momentan noch nicht sagen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf