Kirche

Viel Arbeit mit dem Projekt Weihnachten

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Bergedorf (cr). Wenn es draußen noch so richtig schön warm ist, die Menschen in T-Shirts durch die Straßen laufen und Eis schlecken, wird es in den Gemeinderäumen der Kirchen meist das erste Mal weihnachtlich: Dann nämlich beginnen hinter den Kulissen die Vorbereitungen für das Fest. Alle Jahre wieder ist insbesondere der Heiligabend die größte logistische Herausforderung in den Kirchengemeinden Deutschlands.

"Allein an Heiligabend haben wir in unseren fünf Gottesdiensten etwa 2600 Besucher", sagt Andreas Baldenius, Pastor der St.-Petri-und-Pauli-Kirche im Herzen Bergedorfs. Das heißt 2600 Besucher wollen ein Liederheft oder wenigstens einen Liederzettel in der Hand haben, wollen ein Krippenspiel sehen, eine Predigt hören und Lieder zu stimmiger Orgelmusik singen. 2600 Menschen, die schließlich auch erst mal in die Kirche hinein- und wieder hinausgeführt werden müssen, ohne dass es zu Gedrängel oder Tumulten kommt. "Pro Gottesdienst brauchen wir sechs bis zehn Ehrenamtliche, die für den Ablauf sorgen", sagt Pastor Baldenius. Die Helfer sorgen nicht nur für den Einlass, sie verteilen auch Liederzettel, sammeln die Kollekte ein oder nehmen Kinderwagen in Empfang.

Diese Ehrenamtlichen zu gewinnen, ist im Spätsommer eine der ersten Aufgaben. Direkt nach den Sommerferien beginnen in St. Petri und Pauli auch die Proben für das Krippenspiel (14 und 15 Uhr). Dieses Jahr sind wieder 15 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren daran beteiligt. Zehn Ehrenamtliche sorgen für Kostüme, Kulissen und Technik.

Im Herbst teilen die Pastoren die Gottesdienste (an Heiligabend sind sie um 14, 15, 16.30, 18 und 23 Uhr) auf, legen erste Ablaufpläne fest. Liederhefte (1200 Stück) werden bestellt, spezielle Liederzettel (1000 Stück) für die Krippenspiel-Gottesdienste entworfen. Auch das Programm zum "Bergedorfer Advent"- tägliche Veranstaltungen in der Kirche - muss zeitig skizziert werden. "Und alle Gruppen wollen natürlich einmal in der Kirche proben", so Andreas Baldenius. Also müssen Podeste rein- und rausgetragen werden, Chorleiter und Posaunengruppen geben sich die Klinke in die Hand.

Geschmückt wird die Kirche bereits in der Adventszeit, erst jetzt am Montag wird jedoch der große Tannenbaum aufgestellt. Dann naht der große Tag: Heiligabend. "Das ist der Großkampftag des Organisten", sagt Andreas Baldenius. Denn während sich die Pastoren wenigstens abwechseln können, muss er jeden einzelnen Gottesdienst bestreiten.

Nach den Gottesdiensten heißt es für den Küster und die Ehrenamtlichen dann aufräumen, liegen gebliebene Blätter einsammeln und frische Luft reinlassen - während draußen bereits die nächsten Besucher warten.

Für die Bergedorfer Pastoren, die beide Familien mit kleinen Kindern haben, geht der Stress auch nach Heiligabend weiter - schließlich währt Weihnachten länger als nur einen Tag. Und das nächste, eigentlich viel bedeutendere christliche Fest steht auch schon in den Startlöchern. Baldenius: "Die erste Sitzung zur Osterplanung haben wir schon hinter uns."

Trotz der Hektik auch für die Pastoren schätzt Andreas Baldenius das Weihnachtsfest "mit seiner Stimmung und den Liedern". Dass viele der Heiligabendbesucher das ganze Jahr über nicht in der Kirche waren, stört den 46-Jährigen nicht. Im Gegenteil: "Der Punkt ist ja nicht, dass sie das ganze Jahr über nicht da waren, sondern dass sie jetzt gekommen sind."

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