Sozialarbeit

Die letzten Streetworker

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André Herbst

Bergedorf. Das Unbehagen war fast mit Händen greifbar, über alle Parteigrenzen in der Bezirksversammlung hinweg. Der SPD-Vorstoß für die weitere Beschäftigung von Ein-Euro-Kräften zur Verstärkung der Straßensozialarbeit in Neuallermöhe fand zwar eine breite Mehrheit - aber alle Redner äußerten Vorbehalte.

Es geht um zwei Ein-Euro-Kräfte, die nachts und an Wochenenden einen Betreuungs- container des IB offen halten. Die Anlaufstelle für junge Männer wäre akut gefährdet, "wenn die Einsatzmöglichkeiten für Ein-Euro-Kräfte abgeschafft werden, wie vom Senat angekündigt", begründete SPD-Fraktionschef Werner Omniczynski den Vorstoß. Angesichts breiter Bedenken sah er sich genötigt klarzustellen, dass es der SPD-Fraktion nicht vordringlich darum gehe,"Ein-Euro-Jobber zu beschäftigen. Wir wollen aber sicher stellen, dass dies sinnvolle Angebot nicht gerade zum Beginn der warmen Jahreszeit ausläuft, wenn auch die weniger winterfesten Wodka-Konsumenten wieder ins Freie drängen".

Sie tue sich mit dem Antrag schwer, bekannte Ute Becker-Ewe für die GAL. "Wir brauchen aber diesen Container, um Jugendliche und junge Männer vom Alkohol wegzuholen, sie zumindest von den Bahnhöfen fernzuhalten."

Allein die Ankündigung, über die Ein-Euro-Stellen müsse im März gesprochen werden, reichte Georg Schumacher (CDU) nicht aus: "Für mich ist die Kombination von Ein-Euro-Jobs und Hartz IV eine schwer zu schluckende Kröte", befand der engagierte CDU-Jugendpolitiker mit Blick auf die Billig-Streetworker: "Wir hatten in Bergedorf vor nicht allzu langer Zeit sechs Straßensozialarbeiter, von Lohbrügge über Bergedorf-West bis nach Neuallermöhe." Dass heute nur noch Alexander Gaal in Neuallermöhe übrig sei, sei absolut unzureichend.

"Wir brauchen schleunigst eine grundsätzliche Diskussion", forderte Schumacher: "Dürfen wir Straßensozialarbeit auf Null fahren, angesichts wachsender Probleme mit trinkenden Jugendlichen, die wir über die Jugendeinrichtungen nicht mehr erreichen?"

Schumacher "schluckte die Kröte", stimmte mit der CDU-Fraktion dem SPD-Antrag zu. Zwei GAL-Vertreter und die Linke stimmten gegen den Antrag. Michael Mirbachs Begründung für das Nein lag in Teilen dicht bei den Äußerungen der Befürworter: Straßensozialarbeit sei wichtig, der Einsatz professioneller Kräfte unabdingbar, so der Linke. Und weiter: "Das Projekte muss fortgesetzt werden. Wir sollten aber das Bezirksamt auffordern zu prüfen, wie es mit sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern fortgesetzt werden kann." Erfolgsaussichten für einen derartigen Vorstoß mochte die breite Mehrheit jedoch nicht sehen.

"Für mich ist die Kombination von 1-Euro-Jobs und Hartz IV eine schwer zu schluckende Kröte."

Georg Schumacher (CDU)

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