Handpuppen

Lohbrügger Knuddelkerle erobern die Welt

| Lesedauer: 4 Minuten
Christine Stanke

Lohbrügge. Bodo, Bine, Mette und Max haben eine große Klappe. Die können sie aber nur öffnen, wenn zappelige Hände sie zum Leben erwecken. Dafür sorgt der Lohbrügger Olaf Matthies: Er entwirft und entwickelt nicht nur die lebensgroßen Handpuppen, sondern vertreibt sie auch als "Living Puppets" an Spielzeughändler in der ganzen Welt.

Kasperle war gestern: Die lebensgroßen "Living Puppets" sind Handpuppen der neuen Generation und weltweit beliebt.

Im Besprechungsraum des Lohbrügger Firmensitzes blicken zahllose Knopfaugenpaare aus den Regalen. Auch aus Pappkartons, die auf dem Dielenboden stehen, quellen Plüschhaare, hier und da eine Stoffhand oder ein bunter Turnschuh. Der Diplomkaufmann, der sich mit Jeans und dunklem Hemd von der knallbunten Puppenmasse abhebt, hat jede einzelne Figur im Raum selbst erdacht. Zur Seite stehen ihm dabei ein Puppenbauer, seine Familie und ein kleines Team in Hamburg sowie auf Mauritius. "Dort lassen wir die Puppen nähen, natürlich nur von Erwachsenen", versichert Matthies die unproblematische Geburt seiner Puppenkinder in fernen Ländern.

Unproblematisch, aber langwierig: Denn bis die letzte Naht gesteppt, jede Haarsträhne geordnet und der Mund der Knuddelpuppe zu einem Lachen verzogen ist, hat der Hamburger immer wieder eine neue Idee, einen weiteren Änderungswunsch. "Diese Maus zum Beispiel, da mussten wir noch einiges tun", sagt er und setzt den Prototyp für "Hank, die Maus" neben ihren fertig produzierten Kollegen auf den Tisch. Hank hat noch keine Hose an und guckt etwas verstört. "Seine Blickrichtung stimmt nicht, er schaut sein Gegenüber nicht an", kritisiert Matthies und studiert Grafiken zum Thema "So müssen Mäuse gucken". Auch die dunkelbraune Nasenfarbe sei beim Prototyp "zu dominant" gewesen, und dem blassen Fell habe ein Hauch Rouge gefehlt, der in die Ohrmuschel ein zartes Rosa zaubert.

"Wichtig sind die kleinen Details", erklärt der Experte. So blitzt in Sängerin Sophies Hand ein silbernes Mikro. Der kleine Rabe schlüpft aus einem Stoffei, und der schneeweiße Plüsch-Backenzahn hält seine Zahnbürste höchstpersönlich in der Hand. Selbst für die "Quasselwürmer", eine Design-Variante der sprechenden Socke, gibt es eine eigene Kollektion vom Sommerkleid bis hin zum Frack mit weißem Hemd.

In ganz Europa stöbern Matthies und seine Frau in Kinderboutiquen - nicht etwa nur um Sohn (7) oder Tochter (2) auszustaffieren, sondern auch um modische Ideen für die Kleidung ihrer Plüschkinder zu sammeln. Für die rund 68 Zentimeter großen und etwa 80 Euro teuren Puppen gibt aus der hauseigenen Kollektion Kapuzenpullis und Jeans, Badehose und Bikini. Wer weitere Klamotten zum Wechseln braucht, findet diese auch in jeder Kinderabteilung.

Sogar die Sesamstraße ist in Lohbrügge zu Hause. "Wir haben gemeinsam mit den amerikanischen Lizenzgebern die Puppen gestaltet, sie sollten genauso aussehen, wie die Originale im Fernsehen", erklärt Matthies und legt die Entwürfe auf den Tisch. Mit Pergamentpapier haben die kritischen Profis aus Übersee die Zeichnungen abgedeckt und mit Skizzen und Anmerkungen versehen. Das Krümelmonsterfell hatte demnach noch nicht den richtigen Farbton, Ernies Zunge musste neu abgesteppt werden, und Grobis Schultern waren zu breit. Inzwischen sind die Sesamstraßenbewohner produziert, wuseln durch Spielzeugkataloge und rekrutieren neue Freunde an Weihnachtsmarkständen.

Mehrere Tausend "Living Puppets" warten noch im 400 Quadratmeter großen Lager an der Osterrade auf ihren Einsatz in Kinderzimmern, aber auch als Helfer von Pädagogen und Therapeuten. Durch seinen Vater, der als Kinderpsychologe arbeitete, hat auch Matthies die Handpuppen kennengelernt und schließlich vor über 15 Jahren als Marktlücke in Deutschland entdeckt. Was als Studentenjob begann, ist inzwischen ein weltweit tätiges Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen bis Australien und Japan.

Olaf Matthies hat nur ein Problem: Er muss laufend Namen für den häufigen Nachwuchs finden. Zwei Neulinge - Junge und Mädchen - sitzen derzeit in seinem Büro. "Ich würde mich freuen, wenn die Leser die beiden taufen", sagt Matthies. Jene Leser, die die zwei besten Vorschläge machen, haben sich als Puppeneltern qualifiziert und bekommen die von ihnen benannte "Living Puppet" geschenkt.

* Vorschläge bitte mit dem Stichwort "Handpuppe" per E-Mail an bergedorf@bergedorfer-zeitung.de oder per Post, an die Bergedorfer Zeitung, 21027 Hamburg.

Für modebewusste Puppen gibt es Jeans und Pullis in jeder Kinderabteilung.

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