Verbraucher

EU-Politik knipst die Glühbirnen aus

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Anne K. Strickstrock

Bergedorf. Weil das Europa-Parlament Glühbirnen mit mehr als 100 Watt ab September 2009 aus dem Handel nehmen will, hat Heiko Könecke viel zu tun: "Immer mehr Kunden fragen nach den Energiesparlampen, die bis zu 80 Prozent weniger Stromverbrauch garantieren", sagt der Elektro-Fachberater vom Bauhaus am Curslacker Neuen Deich.

Umweltschutz scheint zunächst teuer: Wo die alte 100-Watt-Glühbirne nur 1,45 Euro kostete, zahlen die Kunden nun 4,79 Euro für 100 Watt Leuchtkraft mit nur 21 Watt Energieverbrauch - das soll sechs Jahre so bleiben, also etwa 10 000 erhellende Stunden lang. Und: Mit der Umstellung spart ein Haushalt nach EU-Angaben jährlich bis zu 50 Euro.

Dennoch kommen viele Kunden mit Vorurteilen in den Laden: Die Birnen seien zu weiß oder zu dunkel, ungemütlich und groß. Dabei gibt es schon seit mehr als einem Jahr das "Warm-Weiß" mit getöntem Leuchtstoffgas. Außerdem können die als hässlich empfundenen Röhren zusätzlich von runden Kolben ummantelt werden. "Die sind allerdings nicht mehr aus Glas, sondern aus Plastik - falls Gas austritt. Aber daran würde keiner sterben, dafür haben die Hersteller schon gesorgt", meint Könecke. Er macht aber auch Nachteile bei den Energiesparlampen aus: "Je höher die Wattzahl, desto größer das Leuchtmittel." Das heißt: Bei manch kleiner Leselampe schaut die Birne heraus. Zudem: "In einem Kronleuchter machen sich die Plasikfassungen nicht schön. Solche Kunden kaufen schon mal gern auf Vorrat", verrät Könecke.

Die Energiesparlampe in ihrem Zimmer leuchte nicht hell genug, sagt Julia Kopanski (17) aus Ochsenwerder: "Ich benutze eigentlich lieber normale Glühbirnen." Die wird es aber - auf Wunsch der EU-Politiker - ab 2012 überhaupt nicht mehr geben. Was Umweltschützer begrüßen, kann lästig sein: "Die Entsorgung ist sehr aufwendig. Wegen einer kaputten Birne musste ich gleich zum Recyclinghof", berichtet Renate Wulf (64) aus Nettelnburg.

"Energiesparlampen schonen langfristig den Geldbeutel, aber sie sind Sonderabfall", betont Bergedorfs Umweltberater Dieter Klincke. Am Recyclinghof am Kampweg werden jährlich bis zu 300 Energiesparlampen und etwa 900 Leuchtstoffröhren abgegeben, bestätigt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung. Diese bietet bis Jahresende an: Wer seinen Sperrmüll anmeldet (Telefon: 040/25 76 25 76), kann zugleich kostenfrei Energiesparlampen und elektronische Kleingeräte vor seiner Tür abholen lassen.

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