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Mit Koffern zum Erfolg

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Bergedorf (stri). Sie messen, sägen, hämmern und polstern - egal, was in die Kiste kommt. "Machbar ist eigentlich alles", sagen die Geschäftsführer Michael Benkmann und Oleg von Cube und trösten zugleich ihre Kunden: "don't panic". So lautet der Firmenname der Koffermacher von der Kurt-A.-Körber-Chaussee 73.

Sie haben sich 1994 vom Eventservice "laut & leise - casebau" abgespalten, widmen sich seitdem der Fertigung von stabilen, zugleich möglichst leichten Koffern für so ziemlich jeden Einsatzzweck. Der bislang größte hatte ein Volumen von 2000 Litern.

Die Werkstatt ist nur 200 Quadratmeter groß. Erstaunlich, was hier alles entsteht. Zumeist sind es Kisten aus Hohlkammerplatten, die mit einer bunten, stabilen Resopal-Schicht bezogen und mit Alu-Kanten versehen werden. "Jährlich fertigen wir bis zu 3000 Cases", sagt von Cube, der vor einer Wand mit Aktenordnern voller Schneidepläne sitzt. In der Regel bringen die Kunden mit, was sie später im Koffer transportieren wollen: Ein wertvolles Saxofon, die empfindliche Harfe, Werkzeuge für Schiffstechnik, medizinische Laborgeräte, Pferdesattel oder das edle Fahrrad eines Triathleten. Sogar Beatmungsgeräte für Erdölplattformen werden in Bergedorfer Koffern transportiert.

"Wichtig ist nicht nur, dass nichts klappert, sondern auch der Aufbau der Cases. Wenn die Techniker von Lufthansa zum Beispiel die Achsvermessung von Flugzeugen machen, muss das Werkzeug in der richtigen Reihenfolge griffbereit sein", erläutert Oleg von Cube (47). Ähnliches gilt für einen Messestand, der schnell zusammengebaut werden muss, oder für die 250 Kilogramm schwere, mobile Kirchenorgel, deren Verpackung noch durch jede Tür passen muss.

"Wir suchen individuelle Lösungen für Einzelstücke", sagen die Koffer-Macher, die zum Beispiel für die MAN-Technologie Schubladen entwickelt haben, die hinter kleinen Rolltoren verschwinden. Oder einen mobilen Schneideplatz für einen Fernsehsender und ein "Jonglier-Case", auf dem der Akrobat gleichzeitig vor seinem Publikum stehen kann.

"Ein Kunde wollte drei Kisten für seine Sterngucker-Instrumente. Der wollte seine Teleskope stoßsicher mit nach Namibia nehmen", erzählt von Cube. Auch Bogenschützen, Maskenbildner (Koffer mit Licht und Spiegeln) und die Musikgruppe "Deichkind" zählen zu seinen Kunden: Die Musiker brauchten gepolsterte Koffer mit Plexiglas und Stromzufuhr - für die Steuerung ihrer Lichtshow.

Und weil es zunächst die Musiker waren, die ihre Instrumente oder wertvollen Mischpulte in "cases" verpackten, bleiben die sechs fest angestellten "don't panic"-Leute ihrem Klientel treu: "Nach drei Jahren Vorarbeit haben wir gerade ein Patent für unser Lautsprecher-System angemeldet. Ein Boxengehäuse bietet einer Klanghalbkugel Platz, mit der eine 360-Grad-Beschallung möglich ist", sagt von Cube. Damit nichts den Sound stört, kann das Lautsprechersystem unter die Decke geschraubt werden. Und: Selbstverständlich wird das System in einem stabilen Koffer geliefert.

Übrigens: Kofferbauer ist nicht wirklich ein Lehrberuf. Bei "don't panic" arbeiten ein Historiker, ein Schlosser, ein Kfz-Mechaniker und Tischler. Die Auftragslage ist erquicklich, sagt Geschäftsführer Michael Benkmann: "Wir werden uns vergrößern, wollen 2009 innerhalb Bergedorfs umziehen."

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