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Sie arbeiten sogar für Scheichs und NASA

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Kim Nadine Meyer

Ohne diese Arbeit liefe kein Computer, kein Flugzeug würde fliegen und kein Auto fahren. Noch nicht einmal der Reißverschluss an einem Durchschnittsanorak ließe sich öffnen und schließen. Bei der Bergedorfer Firma Gebrüder Böge werden Metallteile veredelt.

Ohne Behandlung würden sie rosten, schnell korrodieren oder einfach nicht gut aussehen. Heute feiert das Unternehmen seinen 80. Geburtstag.

Vom Torpedo-Aufsatz bis zum Fahrradlenker, vom Mundstück für das Saxofon bis zum Airbrusher - was hier die Werkbank passiert, könnte unterschiedlicher nicht sein. Grund dafür ist, dass die Metallveredelung in den verschiedensten Branchen gebraucht wird. "Angefangen hat mein Großvater Johannes Matthias Böge im Jahr 1928 in einem Innenhof in Lohbrügge am Höperfeld", sagt Martina Böge. Die 44-Jährige leitet das Familienunternehmen heute zusammen mit ihrem Cousin Manfred Böge (59). Eigentlich war der Urahn Kolonialwarenhändler. Doch nebenan arbeitete ein Galvaniseur. Das fand Böge spannender, stieg bei der kleinen Firma des Nachbarn ein und führte sie später allein weiter.

Beim Umzug an den Brüdtweg im Jahr 1950 hatte das Unternehmen bereits acht Mitarbeiter, heute an der Kurt-A.-Körber-Chaussee sind es 42, überwiegend Galvaniseure und Metallschleifer. 1969 zog das Unternehmen gegenüber der Hauni ein und eröffnet jetzt sogar eine weitere, 400 Quadratmeter große Produktionshalle. "Hier wollen wir vor allem chemisch vernickeln", sagt Manfred Böge. Der Galvaniseur und Metallschleifermeister weiß, dass diese Technik gefragt ist. Sie bietet außergewöhnlich hohen Korrosionsschutz und Verschleißfestigkeit. Zudem ist mit diesem Verfahren eine sehr gleichmäßige Schichtdicke zu erreichen. Das ist zum Beispiel wichtig für Maschinenteile, die hochgenau gearbeitet werden müssen.Eine weitere Metallveredelungstechnik, die Böges anbieten, ist das elektrolytische Polieren und Beizen von Edelstahl. "Dieses Verfahren wird zum Beispiel bei Lebensmittelpumpen verwendet", erläutert Böge. Durch eine Glättung der Oberfläche wird die Durchflussgeschwindigkeit erhöht, zudem können sich Keime schlechter ablagern.

Nicht immer jedoch ist eine technische Optimierung der Grund für einen Kundenauftrag: Für einen Scheich haben Böges auch schon mal Feuerlöscher und Teile der Flugzeuginnenausstattung vergoldet.

"Wir produzieren nicht wie in China billige Teile in großen Mengen. Wir haben uns spezialisiert, liefern höchste Fertigungsqualität", sagt Martina Böge. Sie hat den Beruf ebenfalls von der Pike auf gelernt. "Ich wollte einfach keinen Bürojob machen." Dort hätte sie wohl auch nicht die Chance bekommen, so Außergewöhnliches wie das Armaturenbrett der US-Raumfähre "Endeavour" in den Händen zu halten. Das wurde für die NASA nämlich auch in Bergedorf veredelt.

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