Medizin

Kräutermischung als Droge

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Kim Nadine Meyer

Unwind your mind - entspanne deinen Geist. So lautet die Botschaft auf dem grün-orangen Werbeflyer. Ein blitzendes Auge blickt beschwörend und darunter steht das Wort "Spice". Spice - das heißt Gewürz und klingt harmlos. Ist es bei offizieller Verwendung auch.

Spice heißt eine neue mysteriöse Biodroge. Zusammensetzung und Gefahren sind unklar.

Geräuchert verbreitet die Kräutermischung einen Geruchsmix aus Vanille-, Honig- und Marshmallow-Aroma im Raum. Brenzlig: Geraucht hat Spice eine ähnliche Wirkung wie Marihuana, weshalb die wie Salbei aussehenden Krümel binnen kurzem zur neuen Modedroge avancierten.

Lena Müller (Name geändert) treffen wir gestern in einem Geschäft für Rauchutensilien. Sie will die legale Droge einmal testen, die vielerorts ausverkauft ist. "Freunde haben mir erzählt, dass Spice eine vergleichbare Wirkung haben soll wie THC", sagt die Biotechnologie-Studentin. Tetrahydrocannabinol, ist der Hauptwirkstoff der Hanfpflanze und unterliegt den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes.

Was tatsächlich in der Spice-Mischung enthalten ist, bleibt indes unklar. Zwar nennt der Flyer acht verschiedene Kräuter, darunter "Pink Lotus", von dem ein Händler berichtet, dass es sehr selten und kaum zu bekommen sei. Toxikologe Thomas Daldrup von der Uniklinik Düsseldorf erforscht die Mischung derzeit, konnte aber bisher weder die genaue Zusammensetzung noch die halluzinogene Wirkung erklären. "Ich habe keine der Alkaloide gefunden, die sonst in berauschenden Mitteln vorkommen", sagte der Professor gegenüber Spiegel Online. Welche Gefahren und Langzeitfolgen das Rauchen der Mischung hat, ist unklar.

Dennoch, Bedenken bekommt Lena Müller erst, als sie den Preis hört. Mit 26 Euro für drei Gramm ist das vermeintliche Rauschmittel inzwischen kein Schnäppchen mehr. Doch seitdem in Internetforen die Kräutermischung propagiert wird und auch ein Fernsehsender darüber berichtete, ist der Ansturm groß. Dass Spice legal erhältlich und anders als Marihuana bislang im Blut nicht nachweisbar ist, spielt dabei eine große Rolle.

Das bestätigt ein Händler, der Spice zunächst nur sporadisch im Sortiment hatte - bis vor etwa zwei Monaten. "Als ein großer Beitrag im Fernsehen kam, haben laufend Kunden danach gefragt." Er selbst steht der Mischung skeptisch gegenüber, würde sie nicht rauchen. "Ich weise stets darauf hin, dass sie nur zum Räuchern ist."

Problematisch findet Lena Müller, dass auch Minderjährige leicht an Spice herankommen können. "Selbst wenn Händler offiziell nicht an Minderjährige verkaufen, Alkohol kriegt doch auch jeder."

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