Gerichtsurteil

Kinderlärm ist kein Kündigungsgrund

Harry Grunwald

Kinderlärm ist "sozial adäquat", Mieter in Mehrfamilienhäusern müssen das Füßegetrappel ihrer hin- und herlaufenden kleinen Mitbewohner, die Geräusche beim Spielen und auch das nächtliche Schreien eines erkrankten Kleinkindes hinnehmen.

Zu diesem Urteil kam gestern das Amtsgericht Bergedorf in einem Rechtsstreit, bei dem es um Kinderlärm in einem Bergedorfer Mietshaus ging. Ein Mieter hatte den Mietvertrag fristlos gekündigt und die Weiterzahlung der Miete verweigert, weil er den Lärm zweier Kleinkinder aus der Nachbarwohnung für unzumutbar hielt. Der Wohnungseigentümer verklagte ihn und bekam Recht, die fristlose Kündigung des Mietvertrags war unberechtigt. Der Mieter hätte wegen des Kinderlärms noch nicht einmal die Miete kürzen dürfen, erklärte Amtsrichter Dr. Schröder.

Mit nüchternen Worten ergriff der Richter in seiner Urteilsbegründung Partei für die Kinder. "Insbesondere kleine Kinder müssen die Möglichkeit behalten, sich entsprechend ihrer natürlichen Entwicklung bewegen und äußern zu können", sagte er. Kleine Kinder könnten noch nicht verantwortungsbewusst handeln, bei ihrem Bewegungsdrang könnten sie noch keine Rücksicht auf Nachbarn nehmen. Diese Fähigkeit sei erst von älteren Kindern zu erwarten.

Der geräuschempfindliche Mieter hatte sich über Kinderlärm vor 22 Uhr beschwert, dies war nach Auffassung des Gerichts völlig realitätsfern. "Wohnen ist nun einmal mit Geräuschen verbunden, kein Mieter hat Anspruch darauf, aus Nachbarwohnungen nichts hören zu können", so der Richter. Mehr noch: Auch nächtliches Schreien kleiner Kinder müsse von den Nachbarn als unvermeidlich hingenommen werden. "Es wäre menschlich schrecklich, wollte man kleinen Kindern verbieten, nachts zu schreien, wenn sie Schmerzen haben", heißt es in dem Urteil.

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