Sozialen Projekten droht das Aus

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Anne K. Strickstrock

Das Förderprogramm "Lebenswerte Stadt" läuft zum Jahresende aus. Nun fehlt es vielerorts an Geld.

Im Januar 2007 wurde der Geldhahn aufgedreht: Über das Senatsprogramm "Lebenswerte Stadt" sollten zwei Millionen Euro nach Lohbrügge-Ost fließen, womit vor allem die "Integration durch Bildung" gefördert werden sollte: Unter knapp 14 000 Einwohnern finden sich 9,6 Prozent Ausländer und eine doppelt so hohe Aussiedlerquote. Neben großen Projekten wie das Bürgerhaus "brügge" an der Leuschnerstraße oder der neu gestaltete Bolzplatz am Gewerkschaftsweg konnten auch kleinere Ideen umgesetzt werden, etwa die Einführung von Schülercoaches und Bildungslotsen.

Die Finanzierung dieser Projekte läuft jedoch zum Jahresende 2008 aus. Das angepriesene Schlüsselwort der "Verstetigung" scheint in Hamburg ungehört zu verhallen. "Die Projekte sind ausfinanziert, können aber von den Bezirken übernommen werden", heißt es in der federführenden Stadtentwicklungsbehörde.

Und nun muss sich das Bezirksamt strecken, doch "derzeit hängt alles in der Luft", sagt Stadtteilentwicklerin Dr. Ingrid Stöckl, die darauf hofft, aus Geldern für die Quartiersentwicklung Lohbrügge-Ost noch einige Ideen zu verwirklichen. Dazu zählt etwa ein Kinder-Kulturhaus oder ein Fitness-Cafe für Jugendliche am Billebogen.

Derzeit bangen vor allem die beiden Kinderrestaurants, die an den Spielhäusern am Friedrich-Frank-Bogen und am Kurt-Adams-Platz angesiedelt sind, um ihre Existenz: "Es wäre sehr schade, wenn dieses Nest für die Kinder wegfallen müsste. Es kommen täglich zwölf bis 15 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren zu uns, die fühlen sich wohl", sagt Bärbel Granzow vom Restaurant am KAP. "Wir sind noch auf der Suche nach Geld", verspricht Wolfgang Westerhoff, der im Jugendamt mit der Planung beauftragt wurde. Er könne sich ein gemeinsames Finanzmodell für beide Kinderrestaurants vorstellen, "dann bräuchten wir jährlich etwa 15 000 Euro", so Westerhoff. Und das könnte nur eine sehr abgespeckte Variante sein, denn ursprünglich waren für das Restaurant am KAP 20 000 Euro vorgesehen, für die Einrichtung in Bergedorf-West 17 000 Euro.

Und so zeigt sich, dass besonderes Geschick vonnöten sein wird, um auch die Politiker im Jugendhilfe-Ausschuss bei der nächsten Sitzung am 25. November davon zu überzeugen, die Finanzierung der Kinderrestaurants zu genehmigen. Zuletzt hatten die Politiker einem Zuwendungsantrag über 1200 Euro nur zögerlich zugestimmt. Soviel Geld braucht der Lohbrügger Elterntreff, um bis Jahresende die Türen öffnen zu können. SPD und CDU hatten eigentlich den Topf für Jugendarbeit nicht antasten wollen, jedenfalls nicht für Elternarbeit.

* Der Stadtteilbeirat Lohbrügge tagt am Mittwoch, 12. November, im Haus "brügge", Leuschnerstraße 86. Zu Gast ist Burkhard Ahnfeldt von der Bildungsbehörde, Er wird über das Projekt "Bilden-Beraten-Betreuen" sprechen. Zudem stellt Peter Marquardt den neuen "Business Improvement District", also das BID Alte Holstenstraße vor. Beginn ist um 18 Uhr.

"Ein gemeinsames Finanzierungsmodell für beide Kinderrestaurants ist vorstellbar."

Wolfgang Westerhoff, Jugendamt

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