Finanzkrise

"Islands Regierung wird die Banken-Krise meistern"

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Ulf-Peter Busse

Die internationale Finanzkrise hat Island zu zweifelhafter Prominenz verholfen. Die Insel im Nordatlantik, mit 313 000 Menschen gerade so bevölkert wie Altona, schrammt seit vier Wochen am Rand des Staatsbankrotts entlang.

Konsul Norbert Deiters: Deutsche Kunden der Kaupthing-Bank bekommen Anfang 2009 Geld.

Seither kommen auch 30 000 Deutsche nicht mehr an ihre zusammen gut 300 Millionen Euro schweren Guthaben bei der isländischen Kaupthing-Bank. Die Stimmung ist gereizt.

Von der Krise besonders betroffen, ist ein prominenter Bergedorfer: Norbert Deiters (60), langjähriger Chef der hiesigen Wirtschaftsinitiative WSB ist isländischer Honorarkonsul. "Die Lage ist schwierig. Aber Island hat eine seriöse Regierung, die besonnen agiert. Ihre Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds um einen Milliarden-Kredit stehen kurz vor dem Abschluss. Ich erwarte, dass die Geschäftstätigkeit der Banken kurzfristig wieder in Gang kommt", sagt Deiters. Und an die Adresse der Kaupthing-Kunden: "Sofern sie einen Antrag stellen, können sie damit rechnen, ihr Geld Anfang 2009 ausgezahlt zu bekommen - garantiert bis zur Obergrenze des isländischen Einlagensicherungsfonds von 20 887 Euro."

Heftiger als die Deutschen betreffe die Krise die Isländer selbst. "Sie sind in den vergangenen 15 Jahren zu großem Wohlstand gekommen, gehören nach ihrem Pro-Kopf-Einkommen zu den fünf reichsten Nationen der Welt", sagt der Konsul. "Dieses Niveau werden sie nicht halten können. Die guten Jahre sind vorbei, erste Jobs verloren gegangen. Aber die Furcht vor einer Massenarbeitslosigkeit teile ich nicht."

So schlimm, wie in den vergangenen Wochen werde es nicht bleiben: Mancher Isländer im Ausland bekam mit seiner Bank-Karte kein Bargeld mehr. "Das hat dann die Botschaft geregelt. In Island selbst ist der normale Geldfluss für den täglichen Bedarf aber immer gesichert gewesen." Allerdings sei der Wechselkurs der isländischen Krone erheblich gefallen, statt 130 wie vor der Krise müssten heute über 200 Kronen für einen Euro bezahlt werden. "Das treibt die Inflation an, die heute schon 20 Prozent erreicht hat."

Seine Tätigkeit als Honorarkonsul macht Norbert Deiters trotz Krisenzeiten gern: "Natürlich gibt es mit Blick auf die Lage in Island laufend Erklärungsbedarf. Aber es ist ruhiger, als das Presse-Echo vermuten lässt." In der Wirtschaft genieße der nördlichste Staat Europas trotz Bankenkrise weiterhin einen guten Ruf. Deiters: "Die isländische Regierung hat immer solide gewirtschaftet. Sie wird die Krise meistern."

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