Im Winter ein Dach über dem Kopf

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Kim Nadine Meyer

Ein Tisch, zwei Stühle, drei Betten, dazu drei Schränke - und das alles auf etwa acht Quadratmetern. Es ist nicht viel Platz, den ein Container des Hamburger Winter-Notprogramms für Obdachlose drei ausgewachsenen Menschen bietet. Doch genug, um über die kalte Jahreszeit zu kommen.

Bergedorfs Kirchen bieten 19 Hamburger Obdachlosen jetzt wieder Platz. Der Bedarf ist weit größer.

Neun Obdachlose beziehen am Montag die Container, die nun wieder bis März auf dem Parkplatz der Friedenskirche am Ladenbeker Furtweg aufgestellt sind. Hier können sie schlafen und sich vor der Kälte schützen. Tagsüber allerdings müssen sie die Container verlassen.

"Es ist ein Balanceakt. Wir möchten ihnen helfen, vor dem Frost Schutz bieten. Gleichzeitig sollen sie aber motiviert bleiben, sich Wohnung und Arbeit zu suchen", sagt Pastorin Gyburg Beschnidt (51). Die kleine Lohbrügger Gemeinde hat 71 Mitglieder. Hinzu kommen Kinder und Jugendliche, denn in der Freikirche wird erst im Erwachsenenalter getauft. "Die Obdachlosenarbeit ist das zentrale diakonische Projekt bei uns", sagt Beschnidt. Seit 13 Jahren werden im Winter Container aufgestellt. Acht Betreuer helfen mit, schließen morgens auf und abends ab. Zum Gottesdienst und zu Weihnachtsfeiern sind die Obdachlosen eingeladen. Zuweilen soll auch gemeinsam gekocht werden.

Auch bei der Franz-von-Assisi-Kirche der Gemeinde Bergedorfer Marschen am Grachtenplatz in Neuallermöhe ist Platz für zehn Obdachlose. Sieben sind hier bereits in die Container eingezogen. Das Konzept ist ein anderes als am Ladenbeker Furtweg: "Wir sehen den Container als neue Wohnung des Obdachlosen an, deshalb bekommt jeder einen Schlüssel und kann kommen und gehen, wann er will", sagt Organisator Frank Müller-Kleßmann. Die Container haben auch eine Kaffeemaschine und eine Herdplatte. Abends sind immer zwei Gemeindemitglieder in der Kirche. Die Container-Bewohner können zum Klönen vorbeischauen. Auch Ausflüge und in Kooperation mit der Fachstelle für Wohnungsnotfälle eine Beratung werden angeboten.

Addi Schollenberger hat den Schritt aus der Wohnungslosigkeit geschafft. Vor zehn Jahren wohnte der 47-Jährige noch selbst in einem Container der Lohbrügger Freikirche. Heute hat er einen Job und eine Wohnung, baut die Container aber noch ehrenamtlich mit auf.

Über die Nachfrage unter den Obdachlosen brauchen sich die Organisatoren keine Sorgen zu machen: Die Betten sind in fast jeder Nacht belegt, wobei die meisten Obdachlosen extra aus Hamburg anreisen. "Wir hätten gerne weitere Container-Standorte", sagt Georg Schumacher, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Bezirksfraktion und langjähriger Leiter der Sozialstation Bergedorf-Vierlande.

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