Ärger um Baugebiet am Dorfanger

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Kim Nadine Meyer

Wo derzeit noch Schafe weiden, sollen Reihenhäuser entstehen. Anwohner sind auf der Zinne.

Wenn Heike Ochs aus ihrem Schlafzimmerfenster schaut, blickt sie auf eine Wiese, wo Schafe weiden. Ein idyllisches Bild, das kaum zwanzig Autominuten von Hamburgs Innenstadt nicht oft zu finden ist. Dieser Ausblick war ein Grund für die 39-Jährige und ihren Mann, das Haus an der Bockhorster Höhe im Dorfanger Boberg vor acht Jahren zu kaufen. Die schöne Aussicht ist jedoch bald Geschichte, denn auf dem 2,1 Hektar großen Gelände im Norden des Bezirks Bergedorf, unmittelbar hinter dem Blumenhof Kehr, sollen etwa 40 Wohneinheiten entstehen. Ihrem Ärger über die geplanten Neubauten machten etwa 40 Anwohner am Dienstagabend bei einer öffentlichen B-Plan-Diskussion Luft.

Viel Kritik kam dabei von den Anwohnern der Bockhorster Höhe. Nur eine Pappelreihe und ein schmaler Sandweg liegen zwischen ihren Gärten und der Neubaufläche. "Gemäß des bisherigen Entwurfs gehen 50 Prozent der Baumasse auf dem Gelände zu unseren Lasten", sagt Heike Ochs. Die Architektin spielt auf die Reihenhäuser an, die auf dem nördlichen Teil der Fläche entstehen sollen - ein Bereich, der bisher im B-Plan als private Grünfläche ausgewiesen ist. Im südwestlichen Teil, um das Wohnhaus des Grundeigentümers Kehr herum, ist indes eine lockere Einzelhausbebauung vorgesehen. Die Anwohner fürchten nun eine Wohnwertminderung. "Unsere Häuser werden stärker beschattet werden, zudem wird auch der Verkaufswert sinken", meint Ochs. Beim Kauf sei der Ausblick angepriesen worden. Dazu Klaus Wittmann vom Bergedorfer Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung: "Es gib kein Recht auf einen unverbaubaren Ausblick." Ein B-Plan könne außerdem immer geändert werden, wenn sich zum Beispiel Erfordernisse oder der Bedarf verändern.

Im Falle des Gebiets am Dorfanger verkauft Grundeigentümer Kehr an einen Investor: "Das Gebiet wird dadurch betriebswirtschaftlich veredelt", gibt Harald Kehr offen zu. Er verspricht, dass es eine qualitativ hochwertige Bebauung geben werde: "Alle Häuser werden verkauft, nichts vermietet. Es werden schöne Doppel- und Einzelhäuser entstehen, zum Teil in einer Toskana-Bauweise", so Kehr, der selbst in seinem Haus auf dem Gelände wohnen bleiben möchte.

Anwohnerin Bettina Brümmer hat grundsätzlich nichts gegen die Wohnbebauung: "Aber warum so nah und so hoch?" Nach derzeitiger Planung sollen zweigeschossige Reihenhäuser mit Staffelgeschoss entstehen, ebenso hoch wie die Häuser an der Bockhorster Höhe. Da der Boden allerdings stellenweise bis zu drei Meter höher liegt, steigt auch die Firsthöhe. "Die Häuser werden etwa 21 Meter auseinander liegen", sagt Wittmann. "Das ist ein normal großer Abstand. Im Dorfanger gibt es zum Teil geringere Abstände, zum Beispiel am Anfang der Bockhorster Höhe."

Doch das ist nicht der einzige Grund für den Ärger der Anwohner. Diskussionsstoff liefert unter anderem auch die Zufahrtsstraße, die vom Reinbeker Redder aus zum Neubaugebiet führen soll - ebenso wie eine Notüberfahrt von der Straße Ober Boberg, die zu Lasten eines Knicks gebaut werden soll. Die Einwände der Anwohner werden jetzt geprüft und der Bauplan in einem der nächsten Stadtplanungsausschüsse diskutiert.

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