Sicherheit

Regel-Chaos verwirrt Radfahrer

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Jasmin Grünig

Bergedorf. Seit dem Umbau 2007 ist die Situation an der Wentorfer Straße unübersichtlich – und gefährlich. Erst kürzlich kam es zu einem Unfall.

An der Wentorfer Straße verletzten sich zwei Radfahrer bei einem Frontalzusammenstoß schwer. Sie waren auf dem einzigen Radweg in entgegengesetzter Richtung unterwegs.

Für die Polizei war die Schuldfrage sofort klar. Der 16-jährige Börnsener hatte auf dem Radweg nichts zu suchen, weil er links der Fahrbahn Richtung Wentorf unterwegs war. „Er hätte rechts auf dem Fußweg oder auf der Fahrbahn fahren müssen“, sagt Karsten Tode von der Bergedorfer Verkehrspolizei.

Tatsächlich ist das Radfahren auf der Straße selbst erlaubt, obwohl täglich mehr als zehntausend Autos und Lkw hier unterwegs sind. Eine Regelung, die seit dem Umbau der Wentorfer Straße vor zwei Jahren gilt. Denn damals wurde aus Platzmangel auf den Radweg Richtung Wentorf verzichtet.

„In der Bevölkerung herrscht teilweise noch Unkenntnis über die Vorschriften“, gibt Karsten Tode zu, „aber es besteht keine Beschwerdelage“. Entsprechend sei nie über eine Beschilderung nachgedacht worden, die das Befahren des rot abgesetzten einzigen Radwegs in beide Richtungen zugelassen hätte. Also gilt in beide Richtungen die sogenannte Service-Lösung: Radler können Richtung Bergedorf frei zwischen Fahrbahn und Radweg, Richtung Wentorf zwischen Fahrbahn und Fußweg wählen.

„Egal, wo man fährt, beides ist schlecht“, findet Hubert Willeitner. Der 77-jährige Reinbeker nutzt die Wentorfer Straße zwar selten, hielte die Öffnung des Radwegs in beide Richtungen aber für sinnvoll. Radfahrer Hendrik Hanewinkel (25) aus Lüneburg zieht in der derzeitigen Situation auf dem Weg nach Wentorf notgedrungen die Konfrontation mit den Fußgängern vor: „Da besteht bestimmt geringeres Konfliktpotenzial als mit den Autofahrern“, meint der Student.

Am Mohnhof werden die Regelungen dann noch komplizierter: Wer aus Richtung Wentorf kommt, wird hier nun per Schild zum Benutzen des Radwegs verdonnert, darf also nicht mehr auf die Straße ausweichen. Auf der Gegenseite dürfen Radler hingegen in beiden Richtungen den Fußweg nutzen. Ein Kuddelmuddel, das wohl nicht jeder versteht.

Nur wenige meinen wie Jonna Rieck (22) aus Börnsen, dass die Situation an der Wentorfer Straße „schon ganz gut geregelt ist“. Anders eine Radlerin, die lieber nicht genannt werden will: „Obwohl ich es besser weiß, benutze ich Richtung Wentorf manchmal den Radweg auf der linken Seite.“ Ihr würde es helfen, wenn das Fahren Richtung Wentorf erlaubt würde: Denn das Benutzen des Radwegs in falscher Richtung kann mit 15 Euro Ordnungsgeld bestraft werden.

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