"Wir bewirken viele kleine Dinge"

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Christine Stanke

Nach zehn Jahren verlässt Vorstandsmitglied Herbert Vetter die Bergedorf-Bille-Stiftung, verabschiedet sich in den Ruhestand. "bz"-Mitarbeiterin Christine Stanke sprach mit dem Mitbegründer der Stiftung und der neuen Geschäftsführerin Marita Ibs über Aufgaben und bereits Erreichtes.

Herr Vetter, ihre Zeit bei der Bergedorf-Bille-Stiftung ist nun zu Ende. Wird Ihnen Ihr Schreibtisch fehlen?

Vetter: Nein, zehn Jahre an der Spitze der Stiftung sind genug, nun müssen neue Ideen her. Und meine Nachfolgerin Marita Ibs hat diese Ideen.

Ibs: Wobei es keine harten Brüche in der Arbeit der Stiftung geben soll. Herr Vetter hat etwas Tolles aufgebaut und hinterlässt große Fußstapfen. Ich werde seine Arbeit weiterführen. Im Unterschied zu meinem ehrenamtlichen Vorgänger bin ich aber fest angestellt und möchte zunächst mein Team in der Verwaltung der Stiftung organisieren. Eine Mitarbeiterin wird weiter für die persönliche Betreuung hilfsbedürftiger Genossenschaftsmitglieder zuständig sein. Eine weitere ist für die Nachbarschaftstreff, für Veranstaltungen und Konzepte zuständig.

Wo liegt der Schwerpunkt der Stiftung?

Vetter: Wir wollen in erster Linie eine gute und sichere Nachbarschaft in der Genossenschaft fördern. Dem ordnet sich alles unter. Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen die Stiftung bei ihren Nachbarschafstreffs. Wir haben Krabbelgruppe und Singkreis, Gitarrengruppe und Computerkursus im Programm. Natürlich fördern wir auch noch viele andere Projekte.

Ibs: Seit Herbst 2007 läuft zum Beispiel ein Box-Projekt für benachteiligte Jugendliche in Neuallermöhe. Den Sport begleiten wir mit pädagogischen Angeboten wie zum Beispiel einem Anti-Gewalt-Training und dem Lernen von Fairness-Regeln.

Ist für all diese Projekte denn genug Geld im Stiftungstopf?

Ibs: Ja. Wir sind zwar eine kleine Stiftung. Aber wir können durch kleine Dinge viel bewirken.

Vetter: Wir unterstützen die Projekte, die bei den großen Stiftungen häufig keine Chance haben, zum Beispiel ermöglichen wir einen Laternenumzug, indem wir die noch fehlenden hundert Euro dazusteuern.

Herr Vetter, worauf sind Sie rückblickend besonders stolz in der Geschichte der Stiftung?

Vetter: Das ist natürlich der Stiftungspreis, den wir von der Stadt Hamburg erhalten haben. Das Preisgeld, insgesamt 10 000 Euro, haben wir übrigens zur Hälfte für unser Box-Projekt eingesetzt. Außerdem bin ich stolz auf die Reihe "Literatur pur". Für diese Lesungen konnten wir einige renommierte Schriftsteller wie die Krimi-Autorin Petra Oelker gewinnen.

Und was planen Sie für die Zukunft?

Ibs (lacht): Herr Vetter ist im Büro natürlich jederzeit willkommen.

Vetter: Ich habe mir heute Morgen eine Laubsäge gekauft. Denn gerade baue ich mit meinem Enkel ein Flugzeug-Modell. Außerdem gehe ich ins Fitnessstudio und mache Nordic Walking.

Und wie halten Sie sich fit, Frau Ibs? Brauchen Sie einen Ausgleich zum Job?

Ibs: Ich bin begeisterte Läuferin und starte diese Jahr erstmals bei einem Triathlon. Beim Training entspanne ich mich. Allerdings ist die Stiftung auch eine wunderbare Aufgabe und ich gehe deshalb abends mit dem Gefühl nach Hause, dass ich etwas Vernünftiges getan habe.

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