Kindertagesstätte

Kita im Gewerbegebiet: So funktioniert die Betreuung

| Lesedauer: 5 Minuten
Thomas Heyen
Jana Koch (r.), Leiterin der Wabe-Kita Wirbelkinder im Gewerbegebiet Allermöhe, und ihre Stellvertreterin Carolin Behrens im Bällebad mit den Brüdern Levin (1, l.) und Milas Ergün (3). 

Jana Koch (r.), Leiterin der Wabe-Kita Wirbelkinder im Gewerbegebiet Allermöhe, und ihre Stellvertreterin Carolin Behrens im Bällebad mit den Brüdern Levin (1, l.) und Milas Ergün (3). 

Foto: Heyen

Das Wirbelkinder-Haus in Allermöhe war 2013 die bundesweit einzige Kita in einem Gewerbegebiet. Wie sie sich entwickelt hat.

Allermöhe.  Die Kindertagesstätte Wirbelkinder am Rungedamm 7 in Allermöhe machte vor zehn Jahren bundesweit Schlagzeilen. Sie war damals deutschlandweit die erste Kita, die in einem Gewerbegebiet eröffnet wurde. Die Idee dahinter – dort arbeitende Eltern können ihren Nachwuchs auf dem Weg zur und von der Arbeit in die Betreuung geben – entwickelte sich zu einem Erfolgsrezept. Heute, zehn Jahre später, werden 130 Wirbelkinder betreut, gibt es in mehreren Gewerbegebieten Kitas.

„Als unsere Kita gebaut wurde, fragten häufiger Spaziergänger, welche Firma sich denn hier niederlasse“, berichtet Kita-Leiterin Jana Koch. Der Wirbelkinder-Träger Wabe eröffnete nach der Kita am Rungedamm in Hessen eine weitere Kita in einem Gewerbegebiet, auch andere Träger bieten inzwischen so etwas an.

Wabe-Kita Wirbelkinder liegt im Gewerbegebiet Allermöhe

Von dem Gewerbegebiet bekomme man in der Kita kaum etwas mit, sagt Jana Koch. „Die Kita liegt ja an einer Straße zu einem Wohngebiet, auf der wenig Durchgangsverkehr herrscht und kaum Lkw fahren.“ Einen Verkehrsunfall vor der Haustür, an dem Kita-Kinder beteiligt waren, habe es zum Glück nie gegeben.

Die 51-Jährige leitet die Kita seit Beginn. Ihr Team besteht aus insgesamt 24 Mitarbeitern, darunter auch männliches pädagogisches Personal. Die Kinder – aktuell zwischen zehn Monate und sechs Jahre jung – stammen nur zu etwa einem Drittel aus Familien mit einem in dem Gewerbegebiet arbeitenden Elternteil.

Viele der Familien leben in der Nähe der Kita, auch in der Siedlung Gleisdreieck, andere in Bergedorf und Umgebung. „Im Laufe der zehn Jahre hatten und haben wir hier Kinder betreut, deren Eltern in fast allen im Gewerbegebiet präsenten Firmen gearbeitet haben“, sagt Jana Koch.

Kita-Kinder machen Ausflüge in den Schmetterlingsgarten oder die Innenstadt

Lange habe die Zahl der kleinen Besucher bei 80 bis 90 gelegen, „doch seit sieben Jahren ist sie dreistellig“, sagt Jana Koch. Das neue Angebot musste erst einmal publik gemacht werden. Der gute Ruf der Wirbelkinder habe sich dann rumgesprochen, Geschwisterkinder wurden ebenfalls angemeldet.

Es gebe viele Anfragen und eine Interessentenliste. Gelegentlich müssten Eltern einige, wenige Wochen warten, bis ihr Kind in die Betreuung übernommen werden kann. „Wir haben aber immer wieder schnell Plätze frei“, sagt die Leiterin.

Die Angebote der Kita sind vielfältig. Die Kinder machen viele Ausflüge, besuchen und besichtigen das Bergedorfer Schloss, den Eichbaumsee und den Schmetterlingsgarten in Friedrichsruh oder die Boberger Dünen ebenso wie Hotspots in der Hamburger Innenstadt. „Wir möchten, dass die Kinder den Bezirk und die Stadt kennenlernen, in dem beziehungsweise in der sich ihre Kita befindet“, sagt Carolin Behrens, stellvertretende Leiterin. Außerdem seien diese Angebote der Kita für einige Kinder eine Chance, überhaupt Ausflüge zu machen.

In einem Forscherraum werden kleine Experimente durchgeführt

Die Kinder würden altersentsprechend gefördert, berichtet Carolin Behrens. Es gibt musikalische Projekte, und bei der Sprachförderung durch zertifizierte Mitarbeiter lerne der Nachwuchs viele neue Worte kennen. „Es geht auch darum, die Kinder Fragen stellen zu lassen, ihnen die Möglichkeit zu geben, von sich aus zu erzählen. Wir wollen ja auch ihre Interessen kennenlernen.“ Melanie Schröder, pädagogische Fachberaterin, ergänzt: „Wir orientieren uns schließlich daran, was die Kinder einbringen.“

In einem Forscherraum stehen Mikroskope bereit, werden kleine Experimente durchgeführt. Unter anderem werden die verschiedenen Festigkeiten von Wasser erforscht. Das kommt gut an. Im vergangenen Jahr erhielt die Kita das Zertifikat „Kita 21 – Lernort für nachhaltige Entwicklung und Bildung“. Draußen, in dem großen, umzäunten Außenbereich finden sich Hochbeete. Die dort wachsenden Kartoffeln oder Erdbeeren würden von den Kindern mit Genuss verspeist. „Aus der Minze machen wir Tee“, sagt Carolin Behrens.

Die Vermeidung von Müll sei ein weiteres Dauerthema. Regelmäßig stoppe das Müllmobil der Stadtreinigung Hamburg am Rungedamm 7, um den Junioren den Sinn und die Handhabung von Mülltrennung zu erklären. Auch das Fuchsmobil des Naturschutzbundes Deutschland sei ein gern gesehener Gast. „Dann geht es um die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten.“

Kita Wirbelkinder: Die Rechte von Kindern sind auch Thema

Natürlich werden all diese anspruchsvollen Themen kindgerecht kommuniziert, auch wenn es um Kinderrechte geht, etwa das Recht auf Frieden oder auf gesunde Ernährung. Carolin Behrens: „Dann arbeiten wir mit Symbolen wie einer selbst gebastelten Friedenstaube oder hölzernem Obst und Gemüse.“

Während vor Jahrzehnten der Schwerpunkt in den Kindergärten auf der reinen Betreuung gelegen habe, seien Kitas längst Bildungsstandorte, betont Leiterin Jana Koch. „Die Bedürfnisse der Kinder sind ausschlaggebender geworden.“

Geöffnet ist das Haus der Wirbelkinder von 5.30 bis 18 Uhr. „Wir ermitteln regelmäßig die Bedarfe der Eltern und passen die Betreuungszeiten entsprechend an“, sagt Jana Koch.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Allermöhe