Norderoog (dpa/lno). Für Menschen waren erhöhte Wasserstände an der Nordsee am Sonntag ungefährlich. Doch auf die Seevogelwelt hatte sie zum Teil große Auswirkungen.

Ein hoher Flutwasserstand am Sonntag hat nach Angaben des Vereins Jordsand auf Halligen und in Vorländern viele Nester von Küstenvögeln zerstört. Für Menschen seien die Wasserstände von bis zu einem Meter über dem mittleren Hochwasser nicht dramatisch gewesen, für den Nachwuchs der Küstenvögel auf den kleinen Halligen und in den Vorländern hingegen schon, teilte der Naturschutzverein am Dienstag mit. Demnach wurden noch bebrütete Eier und mehrere Tage alte Küken überflutet oder weggespült beziehungsweise sie sind ertrunken oder unterkühlt.

„Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter sein können“, sagte der Vorsitzende des Vereins Jordsand, Veit Hennig. „Die meisten Brutvögel hatten schon kleine Küken, oder sie waren kurz vor dem Schlupf.“ Ob so spät in der Brutzeit eine Ersatzbrut begonnen habe und erfolgreich sein werde, sei äußerst fraglich.

Auf der Hallig Südfall stand das Wasser bis an die Warft heran. Die Halligen Süderoog, Nordstrandischmoor und Norderoog wurden den Angaben zufolge zu sehr großen Teilen überspült. Auch auf Hallig Gröde waren wichtige Brutkolonien von dem Landunter betroffen. In Dithmarschen standen demnach bis in die Elbmündung hinein die großen Kolonien der Küstenvögel wie Säbelschnäbler oder Lachmöwe fast zwei Stunden unter Wasser. Im hamburgischen Wattenmeer waren vor allem die Vorländer der Insel Neuwerk betroffen.

Die einzige schleswig-holsteinische Brutkolonie der Brandseeschwalben auf Hallig Norderoog war nur in Teilen betroffen. Bei einem Wasserstand von 65 Zentimeter über dem mittleren Hochwasser waren jedoch die Lachmöwen, Flussseeschwalben und Austernfischer in Not, da die Hallig weit über die Hälfte überschwemmt war, wie die Jordsand-Vogelwartin auf Norderoog, Nele Waltering, sagte. „Es tut sehr weh, mit ansehen zu müssen, wie diese Vögel auf einen Schlag alles verlieren. Ich habe ihre Balz und Brut in den vergangenen Wochen verfolgt und muss nun hilflos zusehen, wie die Flut Eier und Küken mit sich reißt.“

Die gerade schlüpfenden Küken der Küstenseeschwalben kamen demnach unbeschadet davon, da ihre Kolonie etwas höher nahe den Pfahlbauten auf Norderoog liegt. Sie und die Hauptkolonie der Brandseeschwalben können auf der Internetseite www.klimahallig.de live über drei Webcams beobachtet werden. Das vom Land Schleswig-Holstein geförderte Projekt „Klimahallig Norderoog“ des Vereins Jordsand verfolgt das Ziel, die Auswirkungen des Klimawandels auf das sensible Ökosystem Wattenmeer zu veranschaulichen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren.