Hamburg (dpa/lno). Bleibt Boldt Sportchef? Wer wird Trainer? Welche Stars gehen? Nach dem erneuten Scheitern des HSV sind viele Fragen offiziell noch offen. Seit Montag ist ein weiterer bekannter Name im Gespräch.

Der Hamburger SV blieb sich auch am Ende seiner sechsten Zweitliga-Saison treu. Der ersehnte Aufstieg wurde schon wieder verpasst. Einen ergebnis-unabhängigen Jubel im Volksparkstadion gab es nach dem 4:1 (3:1) im letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Nürnberg trotzdem. Es deutet auch immer mehr darauf hin, dass personell im siebten Zweitligajahr alles so weitergeht wie bisher.

Denn auf die Frage, ob er im Amt bleibe, sagte der umstrittene Sportvorstand Jonas Boldt am Sonntagabend: „Davon gehe ich aus.“ Und das, obwohl mit Jörg Schmadtke und Felix Magath schon zwei namhafte Alternativen bereitstanden. Am Montagabend kam dann mit Stefan Kuntz der nächste bekannte Name ins Gespräch. Der frühere Nationalspieler und deutsche U21-Coach traf sich nach übereinstimmenden Berichten von „Bild“ und „Hamburger Abendblatt“ in der vergangenen Woche mit Aufsichtsräten zum Gespräch.

Boldt: „Werden alles in Ruhe besprechen“

Boldt selbst hat einen Fehler aus dem Vorjahr diesmal nicht wiederholt. Der 42-Jährige stellte nicht noch einmal das Ergebnis vor die Analyse. Vor einem Jahr hatte er den damaligen Trainer Tim Walter schon wenige Minuten nach der verlorenen Relegation gegen den VfB Stuttgart für unantastbar erklärt. Ein solch klares Bekenntnis zu dem Nachfolger Steffen Baumgart gab es diesmal nicht.

„Ich kann mir vorstellen, dass er sich das eine oder andere anders vorgestellt hat. Weder er noch ich sind zufrieden“, sagte Boldt über Baumgart. „Deshalb werden wir jetzt alles in Ruhe besprechen und das Gesamte übereinander legen.“ Das sei „ein ganz normaler Prozess. Ich denke, es ist in Ordnung, nach so einer Saison nicht vorschnelle Statements 'rauszuhauen'. Der Abstand nach oben war letztlich zu groß und es waren zu viele Spiele, die nicht so funktioniert haben.“

Dennoch spricht beim HSV einiges dafür, dass nicht nur der Aufsichtsrat an Boldt, sondern auch Boldt an Baumgart festhalten wird. „Es gibt schon ein paar Tendenzen“, bestätigte der Sportchef. Und der Trainer sagte nach dem Nürnberg-Spiel sogar noch klarer: „Jonas und ich befinden uns jeden Tag im Austausch. Für uns geht es weiter, aus meiner Sicht geht es auch mit ihm weiter. Das ist auch genau das Richtige.“

Bleibt Glatzel in Hamburg?

Mehr Spannung verspricht die Frage, mit welcher Mannschaft der HSV den siebten Anlauf Richtung Bundesliga-Rückkehr nehmen wird. Robert Glatzel, Ludovit Reis und Laszlo Benes können den Club dank einer Ausstiegsklausel in ihren Verträgen allesamt verlassen. Und dass Glatzel und Reis wie im vergangenen Jahr trotzdem in Hamburg bleiben werden, ist längst nicht klar.

„Ich kann die Entscheidung noch nicht jetzt treffen“, sagte Glatzel, nachdem er die Torjägerkanone der abgelaufenen Zweitliga-Saison überreicht bekam. Er teilte sie sich allerdings mit dem Düsseldorfer Christos Tzolis und Hertha-Angreifer Haris Tabakovic.

„Ich bin unglaublich traurig, dass wir es jetzt dreimal nicht geschafft haben, aufzusteigen“, bedauerte Glatzel. Einerseits hat er mit 30 Jahren nicht mehr unbegrenzt Zeit, um sich seinen Bundesliga-Traum zu erfüllen. Andererseits betonte der Stürmer auch am Sonntag wieder: „Der HSV ist mein Verein und Hamburg mein Zuhause geworden. Ich kann es mir auf jeden Fall vorstellen, dass es weitergeht.“