Lübeck (dpa/lno). Im Nationalsozialismus wurden viele Zeugen Jehovas in Konzentrationslagern inhaftiert. Die letzte bekannte KZ-Überlebende der Glaubensgemeinschaft war Hermine Schmidt. Sie wohnte zuletzt in Lübeck.

Die KZ-Überlebende Hermine Schmidt ist nach Angaben der Zeugen Jehovas am Ostersonntag im Alter von 98 Jahren in Lübeck gestorben. Schmidt sei die letzte bekannte Überlebende eines Konzentrationslagers aus den Reihen von Jehovas Zeugen in Deutschland gewesen, teilte ein Sprecher der Glaubensgemeinschaft am Mittwoch in Hamburg mit. Die gelernte Versicherungskauffrau stammte den Angaben zufolge aus Danzig, wie der Schriftsteller Günter Grass, dem sie nach dem Krieg begegnete. 1942 hatte sich Schmidt als Zeugin Jehovas taufen lassen. Im Juni 1943 wurde sie zusammen mit ihren Eltern von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) verhaftet.

Nur drei Monate nach ihrer Freilassung im Februar 1944 brachten die Nationalsozialisten sie als 18-Jährige ins KZ Stutthof bei Danzig. Anfang Mai 1945 erlebte sie die Zwangsevakuierung der Gefangenen über die Ostsee. Ihr Kahn mit 370 anderen Häftlingen erreichte die dänische Insel Møn. Ihre Rettung schilderte sie in ihrer 2001 erschienenen Autobiografie „Die geretteten Freunde“.

Im Juni vergangenen Jahres hatte der Bundestag einstimmig beschlossen, ein Mahnmal für die während der NS-Diktatur verfolgten Zeugen Jehovas zu errichten. Die Parlamentsentscheidung habe Schmidt sehr aufmerksam und mit Befriedigung verfolgt, sagte der Sprecher der Zeugen Jehovas in Norddeutschland, Michael Tsifidaris.