Hamburg. Knapp sieben Jahre mussten die Fans auf das sechste Studioalbum der Hamburger Indie-Rockband Kettcar warten. Nun erscheint die neue Platte „Gute Laune ungerecht verteilt“ - und es geht wieder auf Tour.

Intelligente Texte, rockiger Sound: Fast sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum veröffentlicht die Hamburger Band Kettcar am Freitag (5.4.) ihre neue Platte „Gute Laune ungerecht verteilt“. Die zwölf Songs drehen sich vor allem um politische Fragen und persönliche Krisen. Sie berühren, stimmen nachdenklich und weisen mit Wucht auf gesellschaftliche Missstände hin. Noch stärker als auf der vorherigen Scheibe „Ich vs Wir“ von 2017 setzen die Musiker dabei auf Sprechgesang, begleitet vom typischen kraftvollen Kettcar-Sound.

Lange haben die Fans auf das sechste Studioalbum warten müssen. „Geplant war das natürlich nicht, dass wir so lange pausieren“, sagte Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch der Deutschen Presse-Agentur. „Verschiedene Sache sind dazwischengekommen - wie die Corona-Pandemie, die mich künstlerisch wie gelähmt hat, und eine persönliche Krise.“ Sie hätten aber immer wieder an Songs gearbeitet.

Die Pandemie, der Angriffskrieg gegen die Ukraine - viel ist in den vergangenen Jahren passiert und das hatte deutlichen Einfluss auf die Platte. „Ein Überthema des Albums könnte sein, dass es eine „Überforderung“ gibt auch bei mir als Mensch - das merkt man gleich im ersten Song „Auch für mich 6. Stunde““, sagte Wiebusch. „Dieses Gefühl, dass man sich von Krise zu Krise hangelt. Darauf haben wir versucht, künstlerisch eine Antwort zu finden.“

Der Grund für den verstärkten Einsatz von Sprechgesang ist, dass die Texte immer länger geworden sind, wie Wiebusch erklärt. „Wenn wir politische Texte schreiben, sind die Themen auch sehr komplex und wir versuchen schon, die Komplexität abzubilden und dadurch entstehen halt längere Texte.“ Sprechgesang helfe, diese in eine kürzere Zeit zu bekommen. „Für uns ist das ganz natürlich. Auch vor Kettcar in meiner Punk-Band gab es Texte, die ich halb gesprochen habe.“

Die Indie-Rockband setzt sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus ein. In dem Lied „München“ geht es um Diskriminierungserfahrungen von Deutschen mit ausländischen Wurzeln. Ein sehr persönlicher Song ist „Ein Brief meines 20-jährigen Ich (Jedes Ideal ist ein Richter)“ geworden, in der das junge dem älteren Ich in einem anklagend klingenden Ton unangenehme Fragen stellt. Fern düsterer Gedanken findet sich auf dem vielschichtigen Werk aber auch Schönes und Hoffnungsvolles, wie in der Ballade „Zurück“.

Bereits 2001 wurde die Band ins Leben gerufen, zu der neben Marcus Wiebusch derzeit Erik Langer (Gitarre), Reimer Bustorff (Bass), Lars Wiebusch (Keyboard) und Christian Hake (Schlagzeug) gehören. Die Musiker haben viel vor in den kommenden Monaten: An diesem Freitag reist Kettcar von Hamburg aus mit der FRS Helgoline Music-Cruise zum Release-Konzert zu „Gute Laune ungerecht verteilt“ auf die Insel Helgoland.

Danach geht Kettcar auf Tour, einige Konzerte sind bereits ausverkauft. „Wir werden ein paar Songs vom neuen Album spielen, aber es sind natürlich auch die Hits der anderen Platten und einige Überraschungen dabei“, sagte Sänger Wiebusch. „Wir sind voller Vorfreude. Wir haben gerade einen richtig guten Vibe in der Band.“