Hamburg. Die Bundeswehr sucht dringend neue Soldatinnen und Soldaten. Doch im Norden ist das Interesse rückläufig.

Die Zahl junger Hamburgerinnen, die im vergangenen Jahr ihren Dienst bei der Bundeswehr angetreten haben, ist deutlich gesunken. Wurden 2022 noch 232 Soldaten und 59 Soldatinnen aus der Hansestadt neu eingestellt, waren es im vergangenen Jahr insgesamt nur 276, wie das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage mitteilte. Während die Zahl der Männer mit 232 unverändert blieb, entschieden sich nur 44 Hamburgerinnen für Ausbildung und Dienst an der Waffe.

Die Zahl der bei der Einstellung noch minderjährigen Hamburgerinnen und Hamburger ging demnach noch deutlicher zurück: von 28 männlichen und zwei weiblichen 17-Jährigen im Jahr 2022 auf nur noch 17 junge Männer im vergangenen Jahr. Nicht volljährige Frauen meldeten sich den Angaben des Verteidigungsministeriums zufolge 2023 gar nicht zum Bund.

Minderjährige in der Bundeswehr: Hamburg entwickelt sich gegen den Trend

Mit einem Anteil von nur noch gut sechs Prozent entwickelte sich Hamburg bei den 17-Jährigen, die sich für einen Dienst bei der Bundeswehr entschieden, gegen den Bundestrend. Denn insgesamt stieg ihre Zahl im vergangenen Jahr: Von 18.802 neuen Soldatinnen und Soldaten aus dem gesamten Bundesgebiet (Vorjahr: 18.775) waren 1996 noch keine 18 Jahre alt – ein Anteil von mehr als zehn Prozent und 1,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

In der Bundesregierung dürfte man die Entwicklung kritisch sehen. SPD, Grüne und FDP hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Ausbildung und Dienst an der Waffe volljährigen Soldatinnen und Soldaten vorbehalten sein sollen.

Das Verteidigungsministerium erklärte nun, dass 17 Jahre alte Bewerber nur dann eingestellt würden, „wenn sie ein umfassendes physisches und psychologisches Eignungstestverfahren bestehen“. Die militärische Ausbildung berücksichtige zudem umfangreiche Schutzregelungen für die Minderjährigen: „Konkret heißt das: keine Teilnahme an Wachdiensten oder Auslandseinsätzen, Gebrauch der Waffe nur für Ausbildungszwecke.“

Bundeswehr: Frauenanteil singt auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Auch die Zahl der Soldatinnen und Soldaten aus Niedersachsen, die ihren Dienst bei der Bundeswehr angetreten haben, ging im vergangenen Jahr zurück. 1895 Männer und 379 Frauen aus dem Bundesland wurden neu eingestellt, insgesamt also 2274 Rekruten. Ein Jahr zuvor waren noch 2463 Rekruten aus Niedersachsen gezählt worden.

Während der Frauenanteil im Vergleich zum Vorjahr leicht von 18 auf 17 Prozent zurückging, legte der Anteil Minderjähriger etwas zu – von sieben auf acht Prozent. Im Jahr 2023 waren 181 niedersächsische Rekruten erst 17 Jahre alt. Damit liegt Niedersachsen unter dem bundesweiten Wert: Insgesamt war jeder zehnte neue Soldat noch nicht volljährig.

Ähnlich ist die Entwicklung in Schleswig-Holstein. 2023 hat die Bundeswehr 823 Männer und 155 Frauen aus dem nördlichsten Bundesland als Rekruten angeworben. Das waren weniger als 2022 mit 920 Männern und 187 Frauen. 2021 lagen die Zahlen bei 679 Männern und 144 Frauen.