Themen: Nicht einschüchtern lassen +++ Eine Truppe vor dem Burn-Out +++ Obdachlose für neue Bleibe handverlesen

Russlandkrieg wird befeuert

14. März: „Nicht einschüchtern lassen. Europa braucht im Umgang mit Putin Stärke, Mut und Konsequenz“

Es ist dieser Tage sehr schmerzhaft zu sehen, wie sich einst nicht sehr bekannte, wenig populäre und vor allem bis heute recht uncharismatische B-Politiker an die Pulte und Mikrofone drängen und den unglückseligen Krieg Russlands befeuern. Schon fast reflexartig reagieren sie mit dem Drang, ihren Kommentar hinauszurufen, sobald sie einen Reporter oder Journalisten auch nur schemenhaft in ihrer Nähe wähnen. Mir kommt es so vor, als erlebte ich in den Talkshows die Umkehr der Schwarm-Intelligenz. Nicht nur in unserem Lande, auch bei unseren Nachbarn. Aber hier tut es mir besonders weh, weil die leichtsinnigen Kriegstreiber von mir einmal gewählt worden sind. Putin hingegen, ich möchte überhaupt nichts entschuldigen, redet nicht, hält keine Maulaffen feil, meidet Mikrofone. Er macht. Hätten wir unter unseren 735 Bundestagsabgeordneten wenigstens einen einzigen Volksvertreter solchen Zuschnitts, dann wäre noch ein wenig Hoffnung erlaubt, dass sich die beiden einmal tatkräftig und ohne viel zu reden um eine alsbaldige Beilegung des Krieges wirklich bemühen. Es braucht nicht viel Geist, um in der Geschichte einmal zurückzugehen und zu sehen, zu was es die ach so schönredenden Politikversteher gebracht haben, zu nichts. Am Ende jedenfalls versagte ihr Latein, verpufften die hohlen Äußerungen, bestenfalls kam noch ein Schulterzucken mit entschuldigendem, retrograd entlarvend naivem Gesichtsausdruck. Mittlerweile aber hatten unsere Eltern schon Krieg.

Wilhelm Baack, Norderstedt

Es war eine Hilfsmaßnahme

8. März: „Teure Speisen, weniger Gäste. Viele Gastronomen legen die höhere Mehrwertsteuer auf die Menüpreise um. Ein Betreiberpaar aus Hamburg meint: Das muss nicht sein“

Wie schon mehrfach zuvor, wurde in einem Leserbrief beklagt, dass die Gastronomen die seinerzeitige Mehrwertsteuersenkung nicht an ihre Gäste weitergegeben hätten. Hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Die Mehrwertsteuer wurde nicht gesenkt, damit dadurch die Preise verringert werden können. Es handelte sich ausdrücklich um eine Hilfsmaßnahme für die durch Corona gebeutelten Gastwirte, die durch die diversen Lockdowns über Wochen und Monate keine oder nur sehr geringe Einnahmen erzielt haben. Und Gastronomen leben nun mal nicht von Luft und Liebe, sondern müssen auch Miete und andere Rechnungen zahlen und gelegentlich etwas essen. Viele von ihnen haben dabei einen Großteil ihrer Ersparnisse und Rücklagen eingebüßt. Insofern haben sie mit voller Berechtigung diese zusätzlichen Einnahmen kassiert. Und genauso hat es der Gesetzgeber auch vorgesehen.

Dieter Carl Lade, Hamburg

Verstümmelung der Sprache

11. März: „Bürgerschaft bremst Gendergegner aus. SPD, Grüne und Linkspartei verweigern erstmals Fristverlängerung: Nun fällt das Volksbegehren in die Sommerpause“

Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet die Parteien, welche nicht müde werden, sich als Gralshüter der Demokratie zu inszenieren, sich unverblümt undemokratisch verhalten, sobald es um ihnen nicht genehme Meinungen geht. Jeder weiß, dass mindestens 66 Prozent der Bevölkerung die Verstümmelung der Sprache durch das Gendern ablehnt. Der Wille der Mehrheit soll aber offensichtlich auf unfaire Weise unterdrückt werden.

Arnd-Joachim Westphalen

Krieg wurde früher nur gespielt

13. März: „Eine Truppe vor dem Burn-out. Die Bundeswehrsoldaten sind an der Belastungsgrenze – auch mental. Die Wehrbeauftragte sorgt sich um die Gesundheit und fordert psychologische Hilfe“

Die Wehrbeauftragte Eva Högl beklagt, dass die Bundeswehr zu wenig Personal habe. Ich war 18 Monate bei der Bundeswehr – eine verlorene Zeit. Damals hatte die Bundeswehr keine Personalprobleme. Männer mit Abitur oder abgebrochenem Studium haben sich für ein paar Jahre verpflichtet und haben gutes Geld verdient, Krieg wurde damals nur gespielt. Heutzutage wählen diese Männer (und Frauen) lieber den Weg in den Bundestag. Fragen Sie doch mal die Vorsitzenden der Jugendorganisationen der Grünen, SPD, FDP oder der CDU, ob sie sich eine Karriere bei der Bundeswehr auch vorstellen können. Frau Högl, Sie werden reihenweise Absagen erhalten.

Siegfried Pietsch

Ängste sind nachvollziehbar

14. März: „Obdachlose für neue Bleibe „handverlesen“. Initiative befürchtet Probleme mit Unterkunft. Staatsrätin Lotzkat nimmt Stellung bei hochemotionaler Infoveranstaltung“

Ich kann die Ängste der Niendorfer sehr gut nachvollziehen. Wer einmal osteuropäische Trinkergruppen vor seiner Haustür hatte, weiß was ihn erwartet. An unsere Regeln hält sich da leider niemand. Warum müssen die Bewohner handverlesen werden, wenn es keine Probleme gibt. Wozu Sicherheitsdienste, die aufpassen. Tut mir leid, das verstehe ich nicht. Die andere Gruppe soll überzeugt werden, wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren, natürlich mit schönen Geldgeschenken. Das spricht sich schnell rum. Da muss sich doch grundlegend etwas ändern, um Trinkergruppen davon abzuhalten, nach Hamburg zu kommen. Immer mehr Angebote bewirken leider das Gegenteil.

Peter Meyer

Wasser auf die Mühlen der AfD

13. März: „Streit um AfD-Auftritt: Schule sagt Podiumsdiskussion ab. Gymnasium Corveystraße: Eltern protestierten gegen Teilnahme von Fraktionsvize Alexander Wolf – Flugblatt rief zu lautstarker Störung auf“

Ein Aufruf zu Störung und Gewalt und einige empörte Briefe von Eltern reichen aus, um eine politische Podiumsdiskussion absagen zu müssen. Der Grund: Ein Politiker der AfD ist dabei. Das hätte eine (positive) Lehrstunde zum Thema Demokratie am Gymnasium Corveystraße werden können. Eine verbale Auseinandersetzung mit politisch strittigen Themen – auch mit der AfD. So ist die abgesagte Diskussionsveranstaltung auch eine Lehrstunde: Demokratie 2024 in Hamburg -- Gewalt und Ausgrenzung, Verhinderung einer Diskussion, um gegen eine Partei vorzugehen, die andere Menschen ausgrenzt. Auf jeden Fall ist dies Wasser auf die Mühlen der AfD. Meinen Ärger über diese Wahlkampfhilfe für die Partei würde ich gerne den Tätern und ihren Unterstützern mitteilen – allein dem haben sich die Akteure ja mutig entzogen.

Petra Müller

Verschiebung ist ein Fehler

Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Da werden Gymnasialschülerinnen und -schüler, die wahlmündig sind, also auch an Kommunalwahlen und einige auch an Bundestagswahlen teilnehmen dürfen, die wohl überwiegend nichts gegen eine Teilnahme eines AfD-Vertreters einzuwenden hatten, von ihren Eltern überstimmt. Da hat man in diesem Forum die Möglichkeit, den AfD-Vize mit konkreten Fragen zu triezen und bloßzustellen, aber einige Eltern halten ihre Sprösslinge wohl für zu unreif. Wie soll sich eine Diskussionskultur entwickeln, wenn man nur Protagonisten der richtigen Seite zu Worte kommen lässt? Die Entscheidung, die Veranstaltung zu verschieben, halte ich für einen großen Fehler. Ich warte auf die Proteste der betroffenen Schülerinnen und Schüler ob dieser Entscheidung. Was bezweckt man mit der Verschiebung, will man die betroffenen Eltern für eine AfD-Teilnahme überzeugen oder die Schüler für eine Absage derselben? Die Schulleitung soll eine klare Haltung zeigen, entweder Teilnahme aller Parteien oder Schluss mit den „Lokstedter Gesprächen“.

Manfred Frühwald

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