Themen: Weiße Fahne hissen - Papst verstört mit Ukraine-Appell +++ KV dreht den Geldhahn zu +++ Der Ukraine-Plan des Kanzlers.

Er wollte ein Zeichen setzen

11. März: „„Weiße Fahne hissen“ – Papst verstört mit Ukraine-Appell. Politiker aus mehreren Ländern weisen Ruf nach Verhandlungen mit Putin zurück. Strack-Zimmermann: „Schäme mich als Katholikin““

Ich glaube, dass sich Frau Strack-Zimmermann (FDP) als Katholikin für ihre Äußerung des Heiligen Vaters nicht schämen sollte. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben sich unzählige Staatsoberhäupter und Institutionen auf der Welt bemüht, Präsident Putin zur Umkehr aufzufordern, damit der Krieg endlich beendet wird. Nun wollte Papst Franziskus mit Worten ein Zeichen setzen und erwähnte die „weiße Friedensfahne“. Selbst der türkische Präsident Erdogan (70) bot sich erneut als Friedensstifter zum Gespräch mit Präsident Putin an. Auch wenn immer zu hören ist: Man kann mit Putin nicht verhandeln, könnte der kleinste Strohhalm etwas Positives bewirken. Egal von wem er kommt, man muss ihn nur annehmen. Friedensgespräche von vornherein auszuschlagen, wäre eine Unterlassungssünde. Beide Präsidenten, sowohl Erdogan als auch Putin, sind über 70 Jahre alt und haben dreiviertel ihres Lebens erfüllt. Wer braucht im 21. Jahrhundert neue Drohungen und Machtstreben mit militärischen und atomaren Waffen? Niemand möchte vorsätzlich andere Nationen ins Unglück stürzen. Ein friedliches Nebeneinanderunter den Völkern ist immer noch die beste Grundlage

Rita Humpke, Hamburg

An biblischen Worten orientiert

Die Anregung von Papst Franziskus orientiert sich an den biblischen Worten, dass wer auf die eine Wange geschlagen wird, auch die andere hinhalten soll. Folglich ist seine Einstellung nachvollziehbar, ebenso wie die allgemeine Empörung verständlich ist. Also sollten wir Europäer hinterfragen, wie weit der Einzelne noch hinter unseren christlichen Werten steht. Dabei fällt mir auf, dass diese in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft kaum noch Platz haben. Wer nicht kämpft, gilt als Feigling und muss untergehen. Vielleicht erklärt dieses die Zunahme von Gewalt und Hass im Netz und auf der Straße. Schon wenn nur einige Menschen anfangen, darüber nachzudenken, hat Papst Franziskus mit seiner Aussage viel erreicht.

Christiane Mielck-Retzdorff

Es ist die Aufgabe des Papstes

Herr Selenskyj sollte wissen, dass es Aufgabe des Papstes ist, für Frieden in der Welt, natürlich auch in der Ukraine, zu sorgen. Es ist nicht Aufgabe der Kirchenvertreter, insbesondere nicht des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche, noch Öl ins Feuer zu gießen. Nicht nur Putin, auch Selenskyj ist mitverantwortlich dafür, dass jeder Tag der Verlängerung des Krieges zu Toten auf beiden Seiten führt.

Uwe Pankel, Hamburg

Wie lange soll das noch dauern

Da hat man sich aber viel Mühe gemacht, den Papst misszuverstehen. Drei bis vier Tage nach Kriegsbeginn war ich der Meinung, dass die Völkergemeinschaft diesen Angriffskrieg beendet durch Bombardierung Moskaus und der Lagerstätten der Atomwaffen Russlands, Tötung von Putin. Dann käme keiner der anderen Autokraten von Erdogan bis Xi Ping auf ebensolche dummen Gedanken. Seit Jahrhunderten wissen wir, wie zerstörerisch diese Ideen solcher Machthaber sind, zuletzt durch Hitler-Deutschland. Und es hat lange genug gedauert und Millionen Menschenleben gefordert bis es eine Allianz gab. Jetzt ist aber ein großer Teil der Ukraine zerstört, die Menschen haben den zweiten Winter gefroren, viele Staaten unterstützen die Ukraine, doch entscheidende Veränderungen gibt es nicht. Wie lange soll das denn noch dauern, wie viele Menschenleben fordern und das Leid der Hinterbliebenen. Die weiße Fahne steht für Verhandlungen, die schon lange zu Ende geführt hätten sein können.

Manfred Stöckling

Skandalös geschichtsvergessen

8. März: „Der Ukraine-Plan des Kanzlers. Olaf Scholz verfolgt gegen Putin eine Doppelstrategie. Unbedingt vermeiden will er eine Eskalation. Experten sind skeptisch“

Ich gehöre zu denen, von denen Scholz sagt: „Viele Menschen hoffen, dass der Kanzler die Nerven behält“ und keine Taurus-Raketen an die Ukraine liefert. Der Skandal an dem veröffentlichten Gespräch der hochrangigen Luftwaffenoffiziere ist doch nicht nur, dass sie sich abhören ließen von wem auch immer, sondern weitaus skandalöser ist meiner Ansicht nach doch der Inhalt ihres Gesprächs. Es werden durch Taurus-Raketen ermöglichte Angriffe auf russische Infrastruktur diskutiert mit mehr oder weniger verdeckter deutscher Beteiligung. Zwar erwähnen die Offiziere mehrfach den Vorbehalt der Politik, aber solche Planungen halte ich dennoch für äußerst gefährlich und eskalationsfördernd, außerdem für skandalös geschichtsvergessen. Wollen wir wirklich ein weiteres Mal einen Angriff gegen Russland durchführen? Wollen wir wirklich in diesen Krieg hineingezogen werden? Ich als Ärztin, die weiß, wie Tote und Verwundete aussehen, will das auf keinen Fall und hoffe, dass die deutsche Bevölkerung ebenfalls solche Pläne verurteilt.

Dr. Sigrid Klose-Schlesier, Hamburg (Mitglied der IPPNW, Ärzte und Ärztinnen zur Verhütung des Atomkrieges)

Mehr als unwürdig

9. März: „Notfallpraxen in zwei Krankenhäusern vor dem Aus? Kassenärztliche Vereinigung dreht den Geldhahn zu wegen zu geringer Patientenzahl. Auch das Marienkrankenhaus ist betroffen“

Die vergangenen Monate als Maßstab für die Inanspruchnahme der KV-Notfallambulanz im Marienkrankenhaus zu nehmen, verkennt, dass der Osten Hamburgs durch den U-Bahn-Ersatzverkehr fast abgeschnitten ist von Borgfelde. Ich würde erwarten, dass die Stadt und alle Krankenkassen der KV noch für ein weiteres Jahr die finanzielle Unterdeckung abzufedern helfen. Ein bundesweit bekanntes Vorzeigeobjekt so einfach still und leise eingehen zu lassen, halte ich für mehr als unwürdig! Aus dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift weiß ich von der dortigen KV-Notfallambulanz, dass Eltern mit ihren Kindern selten vor 8 Uhr und kaum noch nach 23 Uhr kommen. Statt eines 24-Stunden-Dienstes könnte eine etwas kürzere Öffnungszeit der Notfallambulanz eventuell auch Kosten senken. Ich frage mich, zu welchen Tages- und Nachtzeiten Menschen die Notdienste tatsächlich wegen subjektiv empfundener Notfälle nutzen und nicht nur, weil sie bei einem niedergelassenen Arzt keinen zeitnahen Termin bekommen können. Feuerwehr/fahrender Notdienst und bestehende Notfallpraxen sollten hier rasch einen Überblick ermöglichen.

Dr. med. Andreas Biebl Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Billstedt

Trifft die Bedürfnisse vieler

9. März: „Günstig wohnen mit Gemeinschaftsküche. Hamburgs größte Genossenschaft will erstmals sogenannte Cluster-Wohnungen bauen. Es ist nicht das einzige Projekt. Mieter gesucht!“

Es freut mich sehr, dass das Thema der Gemeinschaftswohnungen Fahrt aufnimmt, in diesem Konzept steckt so viel Potenzial

für verschiedene Zielgruppen! Im Oktober 2015 ging der Vorhang zum ersten Mal in Hamburg auf, sieben Cluster-Wohnungen wurden in der HafenCity eröffnet als inklusives Wohnprojekt für Menschen mit und ohne Assistenzbedarf. Für dies Projekt hatte ich für Leben mit Behinderung Hamburg das Cluster-Konzept entwickelt und gemeinsam mit der Otto Wulff-Gruppe realisiert. Die Erfahrungen sind so gut, dass dies Wohnkonzept seitdem vier weitere Nachfolger für die Zielgruppe Menschen mit Behinderungen fand, in St. Georg, im Pergolenviertel, in Bergedorf und in Marienthal. Die Gleichzeitigkeit von individuellem Rückzugsort im eigenen Apartment und sozialem Miteinander in der Wohnküche trifft die Bedürfnisse vieler.

Stephan Peiffer, Hamburg

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