Themen: Obdachlose in Niendorf +++ Mehrwertsteuererhöhung in der Gastronomie +++ Signal-Iduna-Chef glaubt an Elbtower.

Mit Vorsicht zu genießen

8. März: „Wo die meisten Frauen auf Chefsesseln sitzen. Aufstiegschancen in Bezirksämtern besser als in Behörden“

Die im Artikel veröffentlichte Statistik ist mit Vorsicht zu genießen: Sie setzt beim Einstieg der Laufbahngruppe 2 an, was nicht unbedingt Chef- oder Chefinsessel bedeutet und blendet damit aus, dass Frauen oft in den Einsteigepositionen überdurchschnittlich vertreten sind, aber nicht zwingend in den Weichenstellungspositionen weit oben. Unabhängig davon ist festzuhalten, dass bei einer Addition aller Behörden Frauen in dieser Laufbahngruppe mittlerweile die Mehrheit stellen, nämlich 1681 von 3141 Stellen bzw. 53,5 Prozent. Auch wenn das Thema im Detail nach wie vor Bedeutung besitzt, empfiehlt es sich meines Erachtens, bei der Besetzung von Leitungspositionen neben dem Geschlecht nun auch noch andere Kriterien zu betrachten wie Alter, Migrationshintergrund und Ausbildung (technisch, sozial, wirtschaftlich, juristisch) der Führungskräfte. Die aktuellen Probleme wie überbordende Bürokratie und fehlende Verwaltungseffizienz sind sicherlich nicht durch einen unausgewogenen Geschlechterproporz in der Laufbahngruppe 2 entstanden und sie werden sich auch nicht durch mehr Frauen in Führungspositionen lösen lassen.

Holger Mossakowski

Tendenziöse Berichterstattung

8. März: „Obdachlose in Niendorf: Ärzte warnen. 118 kranke Wohnungslose ziehen an Garstedter Weg“

Ich finde es wirklich unglaublich, wie die Berichterstattung über die geplante Aufnahme von pflegebedürftigen Menschen ohne Obdach in der Pflegeeinrichtung im Garstedter Weg stattfindet und vor allem, wie tendenziös diese ist. Eltern wollen ihre Kinder in anderen Schulen anmelden oder diese auf dem Schulweg künftig begleiten? Irgendwelche Ärzte, die nicht mal ihren Namen in Gänze nennen, sorgen sich um die medizinische Versorgung? Da werden Menschen aufgenommen, die krank, pflegebedürftig und bisher ohne ein Dach über dem Kopf lebten. Wen sollen diese denn in Bullerbü-Niendorf in deren satter Beschaulichkeit überhaupt stören? Und die klagenden Ärzte ohne Namensnennung könnten ja dort mal ehrenamtlich mitarbeiten. Ich biete das jedenfalls gerne an.

Dr. Gyde Wegmann

Gästebeteiligung ausgesessen

8. März: „Teure Speisen, weniger Gäste. Viele Gastronomen legen die höhere Mehrwertsteuer auf die Menüpreise um“

Sie haben schon mehrfach darüber berichtet, wie sehr die Mehrwertsteuererhöhung die Restaurants trifft. Das will ich nicht in Abrede stellen, aber für mich gehört zu einer sachlichen Berichterstattung dazu, dass die Mehrwertsteuerabsenkung damals eben nicht an die Gäste weitergegeben wurde, sondern bei den meisten Gastronomen als zusätzlicher Umsatz in deren Kassen floss.

Karin Geiger

Wer das glaubt, wird selig

7. März: „Signal-Iduna-Chef glaubt an Elbtower. Die ,Hamburger Community‘ werde zusammenhalten, um eine Lösung für das Projekt zu finden“

Ist Cannabis denn schon legal? Der Bericht über die Äußerungen des Vorstandschefs der Signal-Iduna machen einen das glauben. Er sei „ganz entspannt“, dass der Elbtower fertiggestellt wird und von den vier Milliarden in Immobilien steckt ja nur eine bei Benko, womit er „ruhig schlafen kann“. Etwas weniger gut schlafen können möglicherweise die Versicherten der Signal-Iduna soweit sie dort Lebens-, Renten- oder private Krankenversicherungen abgeschlossen haben. Denn deren Beiträge und deren finanzielle Zukunft steht gerade im Feuer. Wer entspannt ruhig schläft und glaubt, dass getätigte Investitionen in den Elbtower oder ähnliche Projekte am Ende noch positive Renditen bringen werden, der ist praktisch schon selig.

Dr. med. Steffen Wahler

Leere Versprechen

7. März: „Der Tag, der alles in ein Davor und ein Danach geteilt hat. Am 9. März 2023 wurden sieben Mitglieder der Zeugen Jehovas getötet. Sechs Überlebende berichten, wie es ihnen ein Jahr danach geht“

Nach diesen völlig unnötigen Morden wird eine Zeit lang seitens der Behörden Besserung gelobt. Allerdings geändert hat die Politik nichts. So hat fast genau ein Jahr später ein Soldat aus Seedorf mit seinen privat erworbenen Waffen (Sturmgewehr, halbautomatisches Gewehr, SIG Pistole) insgesamt vier Personen aus dem Bekanntenkreis im Landkreis Rotenburg getötet. Warum können in Deutschland solche Waffen privat gehortet werden – völlig legal? Und trotz einer Gefährderansprache hat man ihm die Waffen nicht weggenommen! Ein Skandal. Ja, er hätte ja nicht gedroht und war ganz ruhig. Da zeigen wir ständig mit dem Finger auf die waffenaffinen US-Amerikaner – und hier ist es nicht anders. Bitte, liebe (Justiz-)behörden: Durchforsten Sie alle Waffenbesitzer und sammeln Sie freiwillig oder auch durch Zwang alle Waffen ein, falls der Besitzer Rauschgift oder entsprechende Medikamente nimmt, psychisch krank/labil ist, zu alt oder wie im obigen Fall eine Gefahr darstellt. Und: In solchen Fällen muss die Waffe sofort entzogen werden, notfalls nach umgehenden Änderungen von Gesetzen. Neben den menschlichen Katastrophen ließen sich so auch Millionen an Folgekosten einsparen. Und viel Arbeit für Polizei, Justiz, Krankenhäuser und Gefängnisse.

Volker Posselt

Kindergeld ist keine Belohnung

7. März: „Mit 50 Euro im Monat die Rente des eigenen Kindes absichern“

Die elterliche oder großelterliche Vorsorge, dem lieben Nachwuchs den Eintritt ins verdiente Rentenalter in 60 Jahren absichern zu wollen, mag womöglich etwas weitgehen, zumal eine solche Versicherung wie berichtet nicht unbedingt die lukrativste Geldanlage sein dürfte. Wenn es sich Eltern allerdings leisten können, das gesamte Kindergeld in Höhe von 250 Euro/Monat in eine Kinderrente zu investieren, bekommt eine derartige Anlage einen mehr als fatalen Beigeschmack. Schließlich ist das Kindergeld eine subsidiäre staatliche Leistung, die dafür gezahlt wird, die Kosten für das Großziehen der Kinder zu vermindern. Wer das auch ohne Unterstützung durch die Gesellschaft bewerkstelligen kann, sollte sie auch nicht in Anspruch nehmen (können), da das Kindergeld eben nicht als Belohnung wofür auch immer gedacht ist, auch nicht zur Finanzierung eines kostspieligen Cluburlaubs herhalten oder gar Grundstock für einen Vermögensaufbau sein sollte.

Ulrich Reppenhagen

Nur nicht ungeduldig werden

6. März: „Wetter auf Seite eins: Der Frühling ist sicher“

Der Frühling ist „sicher“? Ja, natürlich, ab 20. März zumindest vom Kalender her, wenn auch noch nicht garantiert mild oder gar warm. Die neue Mode der Meteorologen, unsere Jahreszeiten einfach um einen Monat vorzuziehen, bringt bei manchen Lesern/Hörern regelmäßig nichts als Enttäuschung und die falsche, nämlich ganz unpassende Bekleidung. Es ist richtig absurd: Wenn uns in der Adventszeit (im Herbst) durch ein Hoch ausnahmsweise schon frostig-kaltes Wetter beschert wird, freuen sich die Medien, dass es „endlich Winter wird“ – aber jetzt (im Winter) fantasieren plötzlich alle vom „Frühling“ – bei genau gleichen Temperaturen! Übrigens: Letztes Jahr schneite es vom 4. bis 12. März und das war nicht ungewöhnlich. Aber warum ist es denn so vermeintlich verquer? Das allerdings müssten die Meteorologen ja am besten wissen: Nord- und Ostsee brauchen lange, um die gespeicherte Sommertemperatur wieder abzugeben und noch viel länger, sich dann mit der steigenden Sonne im Frühjahr erneut zu erwärmen. Und wir Nordlichter sitzen eben „mittenmang“! Das kann man auch mit Ungeduld und Wunschdenken nicht ändern!

Julia Berendsohn, Hamburg-Altona

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