Themen: GDL kündigt Wellenstreik bei der Bahn an +++ Nato-Soldaten in der Ukraine +++ So bleibt der HSV Zweitligist.

Um einen Kompromiss ringen

5. März: Kommentar: „So kann es nicht weitergehen. Tarifstreit bei der Bahn muss jetzt gelöst werden“

Der Meinung von Dominik Bath ist zuzustimmen. Er nennt zwei Lösungsoptionen für den Konflikt zwischen GDL und Bahn: Die GDL verabschiedet ihren schwierigsten Verhandler vorzeitig oder der Bund bewegt den Bahnvorstand zu größeren Zugeständnissen. Es gibt noch eine dritte Alternative: Beide Parteien – die GDL und die Bahn – erreichen doch noch einen Kompromiss. Aber nicht, indem die GDL die Bahn so lange auf dem Rücken der Bahnkunden erpresst, bis diese einknickt, sondern indem beide Seiten so lange an einem Ort in Klausur gehen, bis ein Kompromiss erreicht ist. Die Politik hat das doch in Form von Marathonverhandlungen mehrfach vorgemacht. Dieses Vorgehen erfordert den persönlichen Einsatz der Protagonisten und Herr Weselsky, der meine Sympathien vollends verloren hat, müsste so lange „im Ring stehen“, bis eine Einigung erreicht ist. Seine Position auf dem Rücken anderer, die nichts zur Lösung beitragen können, auszutragen, ist völlig inakzeptabel und mieser Stil.

Tilman Stein

Überzogene Lohnforderungen

5. März: „GDL kündigt Wellenstreik und Überraschungstaktik an. Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn macht Gewerkschaftler Claus Weselsky ernst“

Inzwischen habe ich überhaupt kein Verständnis mehr für die Streiks. Mein Mann und ich sind Rentner und wir müssen auch zusehen, dass wir über die Runden kommen. Die Lohnforderungen sind inzwischen unverschämt. Ich war und bin noch immer Mitglied bei Ver.di, dadurch war ich auch oft streiken, aber im Rahmen der Solidarität würde ich mich heute schämen auf die Straße zu gehen.

Dörte Witt, Hamburg

Ich habe Angst!

5. März: „Was machen Nato-Soldaten in der Ukraine? Die deutsche Taurus-Debatte lenkt den Blick auf Geheimeinsätze westlicher Spezialkräfte“

In zweieinhalb Jahren sind wir von „keine Waffen in Kriegsgebiete“ über „5000 Helme“ zu „Nato-Soldaten in der Ukraine“ gekommen. Die Kriegsrhetorik ist unüberhörbar, Säbelrasseln übertönt mäßigende Töne diplomatischer Lösungsansätze. Ich habe Angst.

Jürgen Rathke

Deutsche Ärzte im Ausland

4. März: „Wenn der Arzt seine Patienten nicht versteht. Ohne ausländische Mediziner geht es hierzulande nicht. Doch oft hapert es mit der Sprache – eine Gefahr für Erkrankte“

Angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr mehrere tausend deutsche Ärztinnen und Ärzte das Land verlassen, können wir uns glücklich schätzen, dass Kollegen aus dem Ausland dazu beitragen, den Ärztemangel zu dämpfen. Allerdings sollten sich die Deutschsprachkenntnisse schon auf einem gesichert hohen Niveau bewegen, um im ärztlichen Alltag höchste Sicherheit in der Kommunikation zwischen Kollegen und Patienten und in der Diagnostik und Therapie zu gewährleisten. Vielleicht sollte sich die Politik aber auch mal darüber Gedanken machen, warum es jedes Jahr mehrere Tausend ins Ausland zieht, um einer ärztlichen Tätigkeit nachzugehen. Zu den Fakten, die dazu beitragen, gehören die bessere Bezahlung und mehr Freizeit. Auch die steigende Bürokratisierung des Arztberufs, die Ärzte zu patientenfernen Papier- und Dokumentationstätigkeiten zwingt und ihnen immer mehr Reglementierungen aufdrängt, ist ein Grund für viele, Deutschland zu verlassen. Warum sich hier täglich aufreiben, Überstunden leisten, die nicht oder schlecht vergütet werden und am Ende jedes Tages feststellen, dass zu wenig Zeit zum Leben übrig bleibt, wenn es auch anders geht? Wo Überstunden doppelt vergütet werden, durchgearbeitete Nachtschichten nicht wie eine billige Rufbereitschaft abgerechnet werden, und Freizeitausgleich tatsächlich stattfindet, bleibt eben mehr Zufriedenheit, und das Gefühl, gerecht behandelt zu werden. Deutsche Ärztinnen und Ärzte, die in Norwegen praktizieren, loben vor allem das entspannte Verhältnis unter Kollegen, die guten Arbeitsbedingungen und die höheren Gehälter. Voraussetzung um erfolgreich arbeiten zu können ist dort, wie auch in anderen Ländern, allerdings die perfekte Beherrschung der Sprache.

Stefan Bick, Arzt für Allgemeinmedizin

Willenskraft und Sachverstand

4. März: „Trotz Baumgart: So bleibt der HSV Zweitligist. Nach 1:2 gegen Osnabrück macht neuer Trainer Mentalitätsproblem aus“

„Wenn Du aufsteigen willst, brauchst Du Herz und viel Mentalität. Und da müssen wir die Jungs hinkriegen“. Mit seiner treffenden Analyse macht Steffen Baumgart klar, dass beides seinem Team derzeit fehlt. Erneut demoralisieren eklatante Fehler der HSV-Abwehr den Rest des Teams und wieder fehlen den technisch und spielerisch überlegenen Rothosen charakterstarke Führungspersönlichkeiten, die in der Lage sind das Team mitzureißen. Walter hat es in seiner Zeit zum einen versäumt, solche „Typen“ in sein Team zu integrieren und war zum anderen nicht in der Lage, die Abwehr mit zweitligatauglichen Spielern zu verstärken. Doch Jonas Boldt trägt als Sportdirektor die Verantwortung für diese Verfehlungen, die er weit über die Saisonhalbzeit hinaus zugelassen und damit die Chance vertan hat in dieser Saison noch so rechtzeitig gegenzusteuern, dass der Aufstieg realistisch bleibt. Die hieraus resultierende Herkulesaufgabe verschiebt er nun in die Verantwortung von Steffen Baumgart. Mit seinem eindrucksvollen Coaching während des Spiels sowie in seinen Interviews und Analysen hat dieser bereits jetzt mehr Willenskraft, bodenständigen Sachverstand und Persönlichkeit bewiesen als der Übungsleiter Walter in seiner gesamten Zeit beim HSV. Zumindest das lässt uns Rautenherzen auf die Zukunft hoffen. Viel Glück und vor allem Erfolg Steffen Baumgart!

Dirk Petersmeier

Neuer Trainer – keine Wunder

Freude am Millerntor und in Kiel: Auch ein neuer Trainer kann offensichtlich beim Hamburger SV keine Wunder bewirken. Im Spiel gegen Abstiegskandidat Osnabrück blieb das Team zum wiederholten Mal jeden Beweis einer Erstligatauglichkeit schuldig. Die Abwehr wirkt trotz Rückkehrer Schonlau weiterhin wenig stabil. Auch die unerklärlichen und oft spielentscheidenden Aussetzer einzelner Spieler wurden noch nicht abgestellt. Eigener Anspruch und Wirklichkeit auf dem Platz klaffen nach wie vor weit auseinander. Derzeit ist kaum vorstellbar, dass der HSV mit Baumgart am Ende der Saison nicht in die siebte Zweitligasaison gehen wird.

Martin Wucherpfennig

Eine Chance für Obdachlose

2./3. März: „Ansage an Niendorfer: ,Welt ist kein Bullerbü‘. Anwohner äußern ihre Ängste vor bald 134 Wohnungslosen am Garstedter Weg“

Ich bin entsetzt über die Reaktion der Niendorfer über die angekündigte Eröffnung der Obdachlosenunterkünfte in ihrem Stadtteil. Welches Menschenbild steht dahinter? Welche „Gefahr“ oder welche „Beeinträchtigung“ befürchten die Anwohner? Was bringt sie dazu, ihre Kinder nunmehr mit dem Auto statt zu Fuß zur Schule bringen zu wollen, nur weil der Schulweg an der Einrichtung am Garstedter Weg vorbeiführt. Mir fehlt dazu jegliche Fantasie. Jeder – auch jeder Bewohner von „Bullerbü“ – kann in die Notlage der Menschen geraten, die dort nun zukünftig ein Dach über dem Kopf haben und gepflegt werden können, was bei einem Leben auf der Straße schlichtweg unmöglich ist. Bitte, liebe Niendorfer, gebt den Menschen in diesen Einrichtungen eine Chance!

Sibille Schmelke

Schreiben Sie uns gerne an oder per Post an das Hamburger Abendblatt, 20445 Hamburg
Von den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, können wir nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Teilweise müssen wir kürzen, um möglichst viele Meinungen zu veröffentlichen. Mit Ihrer Einsendung erlauben Sie uns, alle Inhalte und Ihre Kontaktdaten an die zuständigen Redakteurinnen/Redakteure und/oder an externe Autorinnen/Autoren weiterzuleiten. Sollte eine Weiterleitung Ihrer Kontaktdaten und ein Dialog mit uns nicht gewünscht sein, bitten wir um Mitteilung. Einsendungen werden sowohl in der gedruckten Ausgabe sowie den digitalen Medien vom Abendblatt veröffentlicht und geben ausschließlich die Meinung der Einsender wieder. Veröffentlichte Leserbriefe finden Sie auch auf abendblatt.de/leserbriefe.