Themen: Wut und Gewalt gegen Grüne +++ Blick in ein obszönes Paradies +++ Studie: Rund 150 Missbrauchsfälle bei Pfadfindern

Eine Partei der Erzieher

29. Februar: „Wut und Gewalt gegen Grüne – was tun? Lasse Petersdotter, Fraktionschef im Kieler Landtag, über radikalen Protest und ein AfD-Verbot“

Die Verwunderung über den Unmut, der sich in verschiedenen Ausprägungen gegen die Grünen richtet, hält sich bei mir in Grenzen. Vielleicht sind die Grünen in Deutschland besonders grün, eine Partei der Erzieher. Von allen demokratischen Parteien in Deutschland verbinde ich keine andere dermaßen mit dem Begriff Bevormundung, Rede- und Denkverbote wie die Grünen, was dann unter dem Begriff verpönt euphemistisch abgehandelt wird. Wahrscheinlich ist derjenige dann automatisch rechts. Einen Zusammenhang sehe ich zwischen dem zwischenzeitlichen Anwachsen der Stimmenanteile der AFD und der Politik der Grünen, die ich weitgehend als dilettantisch empfinde. Dass die Grünen eine Partei des gehobenen Mittelstandes sind und ihre Vorhaben die meisten überfordert, trägt auch zur Spaltung der Gesellschaft bei. Was den Vergleich mit anderen Ländern der EU anbelangt, ist es auch kein Geheimnis, dass andere Mitgliedsländer über Deutschland aufgrund dessen Politik den Kopf schütteln und dass Deutschland in der Leistungsbilanz fast die rote Laterne trägt. Aber in der Moral sind wir Europameister.

Martin Prechtl, Hamburg

Der Bürger ist es leid

Es ist natürlich bequem und ignorant, die Aktionen gegen die Grünen mit Politikverdrossenheit und Überforderung der Bürger zu erklären. Der Bürger ist nicht politikverdrossen und schon gar nicht überfordert, es aber leid, wenn eine Partei, die 85 Prozent der Bevölkerung nicht wollten, mit ideologische Traumzielen die Freiheit der Bürger einschränkt, den Verkehr lahm legt, Cancel Culture zur Maxime erhebt und völlig losgelöst von den Interessen nicht Fahrrad fahrender und gehbehinderter alter Menschen außerhalb der Innenstädte eine bürgerferne Politik nur noch für junge Wohlstandsbürger in hippen Stadtvierteln macht.

Mathias Pregartbauer

Vorfreude sollte überwiegen

29. Februar: „Bei EM Nachtflüge wieder erlaubt? Lärmschutzinitiative erinnert ans Europa-League-Finale 2010.“

Da ist sie wieder! Die German Angst. Wie kann man vor Nachtflügen Angst haben? Statt sich auf eine hoffentlich großartige Sportveranstaltung zu freuen – ich denke da an 2006 – haben einige Leute Angst vor möglichem Lärm durch Nachtflüge, denn vor den Nachtflügen selbst fürchtet sich wahrscheinlich noch nicht einmal ein Deutscher. Wir leben in einer fast zwei Millionenstadt und unser Flughafen liegt mittendrin. Das hat viele Vorteile, aber eben auch einige – wenige – Nachteile. Trotzdem sollte die Vorfreude auf dieses Sportevent die mögliche, zeitlich begrenzte, Lärmbelastung überwiegen. Selbst in Deutschland – hoffentlich!

Gerhard Maack, Meiendorf

Anlieger sind genug gestraft

Nachtflüge dürfen auf keinen Fall erlaubt werden. Die Fans müssen dann eben hier übernachten und am kommenden Tag zurück fliegen. Die betroffenen Anlieger sind ohnehin schon genug gestraft, da das bestehende Nachtflugverbot ständig umgangen wird. Man kann nur hoffen, dass der Senat hier nicht umfällt und doch Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Helmut Jung

Wozu Menschen imstande sind

29. Februar: „Blick in ein obszönes Paradies. In „The Zone of Interest“ wird das Blindekuh-Spiel zum Sinnbild“

Selten hat mich die Besprechung eines Films wie „The Zone of Interest“ so emotional berührt. Der Rezensent Peter Zander hat es wahrlich auf meisterhafte Weise verstanden, diesen erschütternden Film, der die Banalität des Bösen für jeden begreiflich macht, zu besprechen. Gerade in der heutigen Zeit sollte jedem, insbesondere jüngeren Menschen, ins Bewusstsein gerufen werden, wozu Menschen infolge einer verbrecherischen Ideologie imstande sind. Rudolf Höß hatte sich dieser Ideologie verschrieben und war ihr bedingungslos gefolgt. Man kann nur hoffen, dass dieser Film am 11. März mit einem Oscar ausgezeichnet wird.

Dr. Claus Rabe

Poppenbüttel auch abgehängt

1. März: „Langenhorn fühlt sich von Moia-Fahrdienst abgehängt. Stadtrand wird nicht bedient – auch ein Problem für Menschen mit Behinderung, die sonst kostenlos fahren. Behörde machtlos“

Ich wäre schon einige Male gerne mit Moia gefahren, aber auch Poppenbüttel ist abgehängt. Für Moia ist die Grenze der Ring 3, aber es wohnen auch noch Mitbürger weiter nördlich. Moia fährt hauptsächlich in den Stadtteilen, die mit dem ÖPNV ohnehin gut angebunden sind.

Werner Kämmerer

Wann begreift die Politik?

1. März: „Frei finanzierter Wohnungsbau bricht ein. Im vergangenen Jahr wurden kaum noch neue Immobilienprojekte in Hamburg begonnen.“

Es ist durchaus kein Wunder, dass die gestiegenen dem Klimaschutz geschuldeten Bauvorschriften den Wohnungsbau verteuern und ausbremsen. Langfristig wird aber auch noch eine bedeutende Zahl an Wohnraum in Bestandsbauten verloren gehen, wenn nämlich auch dort die geforderten Sanierungen (wie Solar- und Gründach, Heizungstechnik, Dämmung etc.) aus Geldmangel nicht erfolgen können. Vermieter müssen dann ihren Mietern kündigen, auch kleine Haus- und Wohnungsbesitzer verlieren ihr Zuhause und müssen ihren Besitz an Investoren verkaufen, die diesen im Idealfall durch klimafreundliche Neubauten ersetzen. Wo aber bleiben die bisherigen Bewohner, die sich weder Sanierung noch hohe Mieten leisten können? Wer schon einmal versucht hat, die wenigen Fördermittel zu beantragen, weiß, dass die Anforderungen und Hürden dort so speziell und verklausuliert sind, dass kaum ein juristisch nicht gebildeter Normalbürger in deren Genuss kommen kann. Wann begreift die Politik, dass die ambitionierten Klimaziele nicht auf dem Rücken der Bürger zu erreichen sind, sondern auf Dauer zu gravierender Wohnraumknappheit mit den entsprechenden sozialen Verwerfungen führen werden? Die Bauvorschriften müssen dringend gelockert werden. Es sollte mehr Anreize geben und weniger Verbote.

Annelie Kirchner

Stand Ergebnis vorher fest?

1. März: „Studie: Rund 150 Missbrauchsfälle bei Pfadfindern. Jahrzehntelang ignoriert Verband sexualisierte Gewalt“

Ich habe mir die über 400 Seiten dieser Studie durchgelesen. Aus 26 anonymen Personen, die sich selbst als Betroffene definiert haben, sind von den Autoren (vom Hörensagen dieser Mini Gruppe) 149 Taten rekonstruiert worden. Diese stehen einer Gruppe von Hunderttausenden Pfadfinderinnen und Pfadfindern in den betrachteten 30 Jahren gegenüber. Daraus erschütternde Zustände abzuleiten ist nicht nur unwissenschaftlich, es ist schlicht nicht sachgerecht. Jede Jugendorganisation ist ein Spiegel ihrer Zeit. Das gilt auch für die Pfadfinder in den letzten drei Dekaden des letzten Jahrhunderts. Natürlich wird es auch hier Missbrauch gegeben haben, wie in der gesamten Gesellschaft. Die Intention der Autoren dieser Studie, die Organisation und den Spirit der Pfadfinderbewegung als Ursache dafür darzustellen, ist konstruiert und man bekommt beim Lesen unwillkürlich den Eindruck, dass dieses Ergebnis schon vor Studienbeginn feststand. Aus meiner Sicht ist der koedukative Raum in dem Pfadfinderei in dieser Zeit stattfand, eher im Gegenteil ein Faktor gewesen, der Kinder gestärkt und damit Missbrauch verhindert hat, ohne ihn damit gänzlich verhindern zu können.

Dr. Philip Düwel, Stamm Inka Ahrensburg, 1976-1989

Schreiben Sie uns gerne an oder per Post an das Hamburger Abendblatt, 20445 Hamburg
Von den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, können wir nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Teilweise müssen wir kürzen, um möglichst viele Meinungen zu veröffentlichen. Mit Ihrer Einsendung erlauben Sie uns, alle Inhalte und Ihre Kontaktdaten an die zuständigen Redakteurinnen/Redakteure und/oder an externe Autorinnen/Autoren weiterzuleiten. Sollte eine Weiterleitung Ihrer Kontaktdaten und ein Dialog mit uns nicht gewünscht sein, bitten wir um Mitteilung. Einsendungen werden sowohl in der gedruckten Ausgabe sowie den digitalen Medien vom Abendblatt veröffentlicht und geben ausschließlich die Meinung der Einsender wieder. Veröffentlichte Leserbriefe finden Sie auch auf abendblatt.de/leserbriefe.