Hamburg (dpa/lno). Nach dem Sieg gegen Eintracht Braunschweig wartet ein Zweitliga-Topspiel auf den FC St. Pauli. Am Freitag geht es zum Verfolger Holstein Kiel. Hauke Wahl trifft dabei auf die eigene Vergangenheit.

Hauke Wahl hat in dieser Saison der 2. Fußball-Bundesliga schon einige Top-Spiele für den FC St. Pauli bestritten. Nichts Ungewöhnliches für ihn und seine Mannschaft. Sie sind schließlich - bis auf den letzten Spieltag der Hinrunde - seit Monaten Tabellenführer. Doch das Gipfeltreffen am Freitag (18.30 Uhr/Sky) beim Verfolger Holstein Kiel hat für den Abwehrspieler noch einen ganz anderen Stellenwert.

„Freitagabend, Spitzenspiel. Das ist etwas, auf was man sich freut. Da müssen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagte der 29-Jährige am Sonntag nach dem 1:0 der Hamburger gegen Eintracht Braunschweig. „Natürlich ist das etwas Besonderes für mich. Das ist meine alte Heimat.“

Holstein Kiel hat in Wahls Fußball-Vita einen besonderen Stellenwert. Von Januar 2012 bis August 2015 und von Juli 2018 bis zum Ende der vergangenen Saison spielte er für die Kieler. In den letzten vier Jahren war er Holstein-Kapitän. „Ich fühle mich dem Verein noch sehr verbunden“, sagte Wahl - auch wenn er nicht mehr so viele Spiele schaue und den Fokus auf St. Pauli lege, wie er einräumt.

Dass die Paarung in dieser Saison ein Top-Spiel würde, war nicht unbedingt vorhersehbar. Doch die Kieler haben den Kaderumbruch im vergangenen Sommer besser bewältigt als erwartet. Das 1:5 von Holstein am Millerntor in der Hinrunde war einer der wenigen Ausreißer nach unten. Vor der Rückrunde standen die Schleswig-Holsteiner sogar vor dem FC St. Pauli an der Tabellenspitze. Jetzt liegen sie drei Punkte hinter dem Nordrivalen.

„Ich freue mich, dass die da oben sind, und ich freue mich auf das Spiel natürlich“, sagte Wahl. „Uns erwartet ein Stadion, das ausverkauft sein wird. Da sind solche Spiele gegen den FC St. Pauli etwas ganz Besonderes. Da wird schon eine besondere Atmosphäre in Kiel herrschen.“

Trotz der angenehmen Erinnerungen an Kiel hat der gebürtige Hamburger den Wechsel nie bereut. „Er hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich Leistungen auf sehr hohem Niveau gezeigt und kann sowohl in der Defensivarbeit als auch mit dem Ball am Fuß sehr wertvoll für uns sein“, hatte St. Paulis Trainer Fabian Hürzeler geurteilt, als der Kiez-Club im Mai vergangenen Jahres den Transfer des ablösefreien Innenverteidigers bekannt gab.

Wahl erfüllte die Erwartungen: Wie schon bei seinem Ex-Verein ist er beim FC St. Pauli schnell zur festen Größe geworden. In 22 Liga-Spielen stand er auf dem Platz, 21 Mal spielte er jeweils über die volle Distanz.

Mit 94,52 Prozent hat er die beste Passquote aller Spieler in der 2. Bundesliga. Gemeinsam mit Eric Smith und Karol Mets bildet er eine nur schwer zu überwindende Innenverteidigung. Diese hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Hamburger mit nur 19 Treffern die wenigsten Gegentore bislang kassierten.

Als er in Kiel spielte, wohnte Wahl schon in Hamburg. Dennoch ist der Kontakt zu seinen alten Holstein-Kollegen noch immer regelmäßig. „Wenn ich in Kiel bin und schreibe, dass ich in Kiel bin, da kommen schon recht viele“, sagte er.

Eines wird vor dem Spiel am Freitag aber nicht passieren. „Ich schicke nie Frotzeleien nach Kiel oder anderen Vereinen“, sagte er. „Ich finde, da ist die Fallhöhe relativ hoch. Wenn mich einer anruft, dann gehe ich vielleicht - oder vielleicht auch nicht ran.“