Hamburg (dpa/lno). Es war schon einmal deutlich besser. 2012 lag der Prozentsatz der zufriedenen oder sehr zufriedenen Hamburger Auszubildenden noch bei fast 73 Prozent. Inzwischen sind viel weniger glücklich mit ihrer Lehrstelle.

Die Zufriedenheit der Hamburger Lehrlinge mit ihrer Ausbildung nimmt ab. Zwar seien immer noch zwei Drittel der Auszubildenden zufrieden oder sogar sehr zufrieden, sagte die Abteilungsleiterin Jugend des DGB Nord, Wiebke Oetken, am Montag bei der Präsentation des DGB-Ausbildungsreports 2024. Aber die Zahlen seien rückläufig. „Sowohl langfristig als auch bundesweit betrachtet haben wir damit einen relativ niedrigen Wert erreicht.“ 2012 lag der Prozentsatz der Zufriedenen oder sehr Zufriedenen den Angaben zufolge noch bei 72,8 Prozent. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befragte für den Report von September 2022 bis Juli 2023 insgesamt 1053 Auszubildende aus 27 Berufen.

Laut dem Ausbildungsreport schwankt die Zufriedenheit der Auszubildenden zwischen den einzelnen Berufen erheblich. So waren alle angehenden Fachkräfte für Veranstaltungstechnik sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung. Bei den Hafenschiffern und Mechatronikern waren es noch 88,3 beziehungsweise 86,4 Prozent. Dem gegenüber waren aber nur 31,3 Prozent der künftigen Kaufleute für Hotelmanagement mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden. Zusammen mit den Restaurantfachleuten bildeten sie mit jeweils 25 Prozent auch die größte Gruppe der eher oder sogar sehr Unzufriedenen.

Die Gründe für Unzufriedenheit in der Ausbildung sind mannigfaltig. So hätten 14 Prozent der Auszubildenden angegeben, dass sie immer oder häufig ausbildungsfremde Dinge machen müssten - mit drei Prozentpunkten der stärkste Anstieg seit Beginn der Untersuchungen vor mehr als zehn Jahren. Oetken zählte dazu etwa ständiges Kaffee kochen, Werkstatt reinigen oder fachfremde Dinge für den Chef erledigen. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden habe zudem angegeben, regelmäßig Überstunden machen zu müssen. Neun Prozent hätten sogar angegeben, dafür weder Geld noch einen Freizeitausgleich zu bekommen. „Das ist ein klarer gesetzlicher Verstoß, den die Betriebe (...) begehen“, sagte Oetken.

Ebenfalls kritisch sieht der DGB, dass 45 Prozent der Auszubildenden auch in ihrem dritten und letzten Ausbildungsjahr nicht wüssten, ob sie von der Firma übernommen würden. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels „ist es für uns unerklärlich, warum Betriebe dann nicht den Auszubildenden ein klares Angebot, eine klare Perspektive bieten“. Das gelte auch für die nach wie vor weitverbreitete Gepflogenheit, nach der Ausbildung nur befristete Arbeitsverträge anzubieten.

Luft nach oben gebe es auch bei der Vorbereitung der Auszubildenden auf die Digitalisierung. Nur 42,1 Prozent fühlten sich dort gut oder sehr gut aufgehoben und technisches Gerät wie Laptops bekämen nur 37 Prozent der Auszubildenden immer oder häufig. „28,6 Prozent haben angegeben, dass sie die benötigten Geräte nie erhalten, sagte Oetken. Seit einer entsprechenden Gesetzesänderung 2020 ist es auch viel einfacher, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Dennoch nutzten nur 1,3 Prozent diese Möglichkeit. Zudem wussten überhaupt nur 28,7 Prozent davon, wie Oetken sagte.

Die Zahl der unterschriebenen Ausbildungsverträge sei im vergangenen Jahr zwar auf knapp 12.000 gestiegen. Gleichwohl weise Hamburg seit Jahren eine rückläufige Ausbildungsbeteiligung der Betriebe auf und „bleibt mit einer Ausbildungsbetriebsquote von 15,5 im Jahr 2021 Schlusslicht der westdeutschen Bundesländer“, sagte Oetken. Um dem entgegenzuwirken, forderte Hamburgs DGB-Chefin Tanja Chawla einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds. Die Arbeitgeber müssten wieder mehr ausbilden, verlangte sie. „Und der Staat muss dort gute Rahmenbedingungen schaffen, wo der Markt versagt.“

Unterstützung kam von der Linken-Bürgerschaftsfraktion. „Eine Fonds-Lösung, wie sie das Bundesland Bremen bereits eingeführt hat, würde auch in Hamburg positive Impulse auf dem Ausbildungsmarkt setzen“, sagte deren Ausbildungsexpertin Insa Tietjen. Überdies müsse wie vom DGB gefordert die Mindestvergütung in der Ausbildung spürbar erhöht werden.