Themen: Was wird aus Karstadt Wandsbek? +++ Klage gegen A26-Ost +++ Parkgebühren für SUV +++ Wer stoppt die Ego-Gesellschaft?

Der Parkdruck nimmt zu

7. Februar: „Große Pläne: Was aus dem früheren Karstadt in Wandsbek wird“

Zunächst hört sich ja die Planung vielversprechend an. Jedoch wird der Parkdruck in diesem Quartier zunehmen, trotz der grün-roten Ablehnung des privaten Autobesitzes. Das Parkhaus hätte erhalten bleiben sollen als eine Art Quartiersgarage, ggf. sogar noch etwas aufgestockt, u.a. für die späteren Bewohner der rund 100 neuen Wohnungen. Auch die Vorhaltung von Parkplätzen für den gewerblichen Verkehr ist erforderlich, denn nicht jeder kann (und will) auf ein Auto verzichten. Zumindest sollten für die neu geplanten Gebäude genügend Garagenstellplätze vorgesehen werden. Ich persönlich habe in meinem Wohngebiet festgestellt, dass hier der Parkdruck zugenommen hat, nachdem in den letzten Monaten im Suhrenkamp zahlreiche Parkplätze durch das Verbot des Querparkens und einige Halteverbotszonen weggefallen sind. Zusätzlich werden Parkplätze durch Carsharing-Fahrzeuge belegt. An der Ecke Hindenburgstraße/Maienweg ist ein Quartier mit 101 Wohnungen errichtet worden, welches wohl demnächst bezogen werden wird. Tiefgarage? Fehlanzeige. Stattdessen gibt es ca. 15 bis 20 Parkplätze an der Grundstückseinfahrt. Wenn sich das Parken z.B. auf dem Maienweg etabliert, wird es hier viele Staus geben und somit den CO2-Ausstoß entgegen aller Pläne des Senats zuwider laufen.

Ulrich Hornig

Die Länge ist entscheidend

6. Februar: „Paris verdreifacht Parkgebühren für SUV – ein Modell für Hamburg?“

Um in dieser hysterischen Debatte eine Versachlichung herbeizuführen, muss zuallererst einmal der gewählte Kampfbegriff „SUV“ aufgegeben werden. Die übergroßen Fahrzeuge können selbstverständlich auch große Limousinen, Wohnmobile und Lieferwagen sein. Ferner ist es absurd, Parkgebühren an ein Fahrzeuggewicht, im Beispiel 1,6 Tonnen (das wiegt schon jedes Mittelklasseauto) zu koppeln. Sinnvoller wäre die verbrauchte Fläche, und hier speziell die Länge. Allerdings stellt sich mir so oder so die Frage, wer soll das wie kontrollieren? Abmessen durch die Ordnungskräfte würde ja vielleicht noch gehen, aber wie soll das Wiegen ablaufen? Und zur Abstimmung in Paris muss festgehalten werden, dass die Beteiligung der Bürger bei sage und schreibe sechs Prozent lag und davon knapp die Hälfte, also gerade einmal drei Prozent dafür gestimmt haben. Von einer demokratischen Entscheidung kann hier wohl in keiner Weise gesprochen werden.

Walter Ruhse

Wer will das kontrollieren?

Na dann viel Spaß. Höhere Parkgebühren ab 1,6 Tonnen, das heißt auch für VW Golf, Opel Astra, fast alle BMW, Mercedes, usw. Und die Ausmaße von SUV sind nicht zwingend größer als die normaler Pkw, also brauchen sie auch nicht mehr Parkraum. Und wer will das kontrollieren? Unausgegoren, populistisch, usw. Sorry, dazu fällt mir kein einziges positives Argument ein.

Lothar Knebel

Sondersteuer für SUV

Es gibt Bewegung im Kampf gegen den Klimawandel. Erschreckend ist jedoch, dass in Paris nur sechs Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung teilgenommen haben. Es wird jetzt in Paris wohl weniger Besucher mit großen SUV geben als vor der Abstimmung, aber noch ist u.a. die Erfassung nicht geklärt. Warum können wir nicht einfach eine Sondersteuer für SUV einführen? Sie verschwenden unnötig Platz. Sie sind alles andere als umweltfreundlich und dienen überwiegend als Statussymbol. Warum gibt es in den Kreisen der Automobilindustrie immer noch das Motto: „Größer, schwerer und teurer?“ Die Antwort ist recht einfach: Der Gewinn mit diesen „Ersatz-Panzern“ auf Rädern ist zu gut um ihn zu vernachlässigen. Der Kleinwagen, der eigentlich für den Weg zur Arbeit reichen würde, wurde in Sachen Kostenoptimierung über Jahrzehnte, vielleicht den Golf ausgenommen, stiefmütterlich behandelt. Und jetzt sehen wir gerade in Europa, wie China uns zeigt, dass es möglich ist, günstig E-Autos herzustellen. Sogar Tesla hat seine Preise gesenkt. Das Ziel der Bundesrepublik Deutschland bis 2030 zehn Millionen E-Autos auf den deutschen Straßen zu erreichen, ist in große Ferne gerückt. Die deutsche Automobilindustrie versagt bei der Produktion von günstigen E-Autos. Und wenn man statt eines SUV zwei Kleinwagen produzieren könnte, wäre nicht nur der Umwelt geholfen. Aber wie heißt es so schön: „Allen Menschen ist das Denken erlaubt, nur vielen bleibt es verwehrt.“

Axel Pabst

Exorbitante Kosten

6. Februar: „Umweltverbände klagen gegen A26-Ost. BUND und Nabu wollen Hamburger Hafenverbindung stoppen“

Dass Nabu und BUND gegen die A26 klagen würden, stand nie außer Frage, wie denn ja auch so ziemlich jedes Infrastrukturprojekt in der heutigen Zeit von Verbänden oder Initiativen beklagt wird. Am Ende entscheiden in Deutschland nicht mehr die gewählten Volksvertreter über solche Maßnahmen, sondern nur noch Verwaltungsrichter – unsere Regierungen werden zusehends zur lame duck. Wenn jetzt aber auch das Thema „Erhalt der Köhlbrandbrücke“ wieder auf den Schild gehoben wird, und der Denkmalverein eine Online-Petition startet, dann ist das schon mehr als nur ärgerlich. Die Kosten für eine Sanierung dürften exorbitant sein. Wie die Stadt das stemmen soll, ist mir nicht klar, Denn immerhin steht ja in jedem Fall der Bau einer neuen Querung an, egal ob Tunnel oder zweite Brücke. Dies ja insbesondere, wenn Nabu und BUND mit ihrer Klage gegen die A26 Erfolg haben sollten, denn deren erklärtes Ziel ist es aktuell ja, den Verkehr, der diese Hafenquerspange benötigt, auf die Achse Köhlbrandbrücke/Veddeler Damm zu verlegen. Dass die Problematik der mangelnden Durchfahrtshöhe für Schiffe zum Containerterminal Altenwerder mit einer Sanierung der Bestandsbrücke nicht gelöst wird, steht außer Frage. Wir schneiden damit in Zeiten des Klimawandels den bislang saubersten Terminal Hamburgs von der Erreichbarkeit für Großschiffe ab. Diese Entscheidung dann auch noch, wie es zuletzt mehrfach erwähnt wurde, auf Basis der neuen Allianz zwischen Hapag-Lloyd und Mærsk und der damit diskutierten Strategie des Einsatzes von kleineren Zubringerschiffen treffen zu wollen, ist sehr kurzsichtig. Jeder, der sich in dieser Branche einigermaßen auskennt, weiß, dass solche Bündnisse immer nur über einige Jahre halten. Danach werden die Karten neu gemischt und es kommt zu neuen strategischen Überlegungen. Ach ja, und das romantische Bild der Brücke im Abendlicht, das das Abendblatt neulich auf seiner Titelseite veröffentlicht hat und das wahrscheinlich alle, die jetzt so vehement für eine Zwei-Brücken-Lösung eintreten, vor Augen haben, das wäre dann natürlich auch Vergangenheit. Last but not least ist wohl sicher, dass Nabu und BUND zu gegebener Zeit, wenn sie denn in Sachen Verhinderung der A26 erfolgreich waren, auch den Bau einer neuen Köhlbrandquerung beklagen werden. So würgen wir langsam aber sicher unsere Wirtschaft ab. Nur gut, dass Frau Leonhard sich bereits deutlich gegen eine Zwei-Brücken-Lösung positioniert hat. Hoffen wir, dass sie das durchhält.

Dr. Thomas Koch

Dänischer Sinn für Gemeinwohl

3./4. Februar: Hamburger KRITIken: „Wenn das Land nicht mehr richtig funktioniert. Wer stoppt die Ego-Gesellschaft?“

Herr Iken trifft den Nagel auf den Kopf: Ohne Gemeinsinn können wir als Gesellschaft einpacken. Es gibt allerdings gute Beispiele, wie es funktioniert. Für die Mobilitätswende und Verkehrspolitik wird gerne die dänische Hauptstadt Kopenhagen als Vorbild herangezogen. Auch wenn es um den Gemeinsinn geht, lohnt der Blick über die Grenze nach Norden. Als im Juli 2022 die Tour de France in Dänemark startete, konnte ich die zweite Etappe in einem kleinen Ferienort auf der Insel Seeland verfolgen. Der sonst sehr ruhige Ort verwandelte sich an diesem Tag in eine Partymeile: Kleine, private Tribünen wurden aufgestellt, in den Gärten gab es Bier vom Fass, Musik, und an der Straße wurde ausgelassen gefeiert. Es war eine tolle Stimmung und mehr Menschen hat der Ort sicher noch nie gesehen. Zwei Stunden, nach dem das Feld der Radrennfahrer vorbeigezogen war, war alles wieder ruhig wie zuvor. Ich habe keinen Müll auf der Straße gesehen, nicht ein Becher lag herum und es brauchte auch keinen Räumdienst, um diese Ordnung wieder herzustellen. Dies fand ich bemerkenswert, weil ich diesen Sinn für das Gemeinwohl hierzulande leider vermisse. Mir scheint es, dass wir uns in Deutschland sehr bequem auf den Staat verlassen, der bitteschön ein Rundum-sorglos-Paket für den Bürger schnüren soll. Tut er es nicht, sind wir wütend. Dinge, die gut funktionieren, werden entweder als normal hingenommen oder kritisiert. Für ein gelingendes Gemeinwohl ist aber nicht der Staat verantwortlich, sondern wir alle, ein jeder für sich mit seinem Beitrag. Das Gute daran ist, dass jeder sofort und überall dabei mitmachen kann, es braucht keine Erlaubnis und kein Gesetz. Ich glaube, diese Einstellung ist es, welche die Dänen zum glücklichsten Volk der Erde macht. Und das können wir auch.

Dr. Stephan Risse

Gewaltige Herausforderungen

Die Kolumne macht nachdenklich. Wo driften wir hin in einer Welt, die sich dramatisch verändert? Die Kriege, die dramatischen Naturkatastrophen, die Fehlentwicklungen in der Globalisierung, die notwendigen Transformationen in der Energiewende und letztendlich auch unsere marode Infrastruktur, kosten viele zig Milliarden. Dagegen sind die Gefälligkeits- und Wohlfühltaten in den Merkel-Jahren geradezu lächerliche Peanuts, die allerdings ausreichten, um die Gesellschaft zufriedenzustellen. Jetzt sind Herausforderungen zu meistern, die für eine Regierung in der Tat gewaltig sind. Gelassene Entschlossenheit und Geschlossenheit wären gute Attribute dafür. Aber leider Fehlanzeige. Stattdessen verheddern sich die kleinen Ampel-Parteien in Profilneurosen und im eingeschränkten Klienteldenken. Es wäre die Zeit des Kanzlers, mit Richtlinienkompetenz ausgestattet, der „Unruhe-Bevölkerung“ zu erklären, dass die sich verändernde Welt ein verändertes Verhalten aller Bürger erfordert, weil der Konsumladen Bundesregierung eben nicht mehr alles liefern kann. Die Kanzler Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt haben gezeigt, dass Handeln im Denken über den Tellerrand hinaus die Gesellschaft auf breiter Ebene mitnehmen kann.

Folkert Bildhauer

Verordnung ist nicht einzulösen

3./4. Februar: „Gerät kaputt: Verbraucherschützer fordern Bonus für Kunden“

Blauäugiger geht es wohl bei den Unterhändlern des Europaparlamentes und der Ministerialbürokratie kaum, wenn sie innerhalb der EU einen Reparaturanspruch für defekte Elektrogeräte verordnen wollen. Schon heute gibt es nicht genügend Betriebe, die für einen solchen Service zur Verfügung stünden. Und wer heute ein Gerät zur Reparatur gibt, weiß, wie lange auf den häuslichen Kundendienst gewartet werden muss, eine Werkstattreparatur dauert und wie teuer beides ist, so dass die Differenz zum Neupreis allzu häufig davon abhält. Verbraucherschützer wie Parlamentarier und Ministeriale scheinen auch die Obsoleszenz und damit Funktionsprinzipien kapitalistischer Wirtschaft außer Acht zu lassen, wonach im Interesse des Wachstums und der Bedingungen der Massenproduktion selbst höherwertiger Konsumgüter eine begrenzte Lebensdauer haben sollen, die bekanntlich bereits eingeplant und nicht selten mitgebaut ist. Was hilft dann schließlich ein „Reparaturbonus“, der keine Reparaturressourcen schafft und nur ein „Trostpflaster“ für den Konsumenten ist, das vor allem für die Gerätewerbung gut sein mag, nicht aber für den Kunden, der auf einen Erfüllungsanspruch setzt?

Ulrich Reppenhagen

Auf Kosten der Verbraucher

Endlich bewegen wir uns etwas mehr in Richtung Nachhaltigkeit und können Dank der Verpflichtung der Hersteller zur Reparatur unseren täglichen Lebenshilfen ein zweites Leben schenken, wenn sie defekt sind. Es sollte aber nicht nur ein „Recht auf Reparatur“ für den Verbraucher geben, sondern auch ein Verbot der Hersteller zur Obsoleszenz in ihren Produkten. Obsoleszenz ist der vorsätzliche Einbau von Abschaltelementen in ihren Produkten, die zum Neukauf zwingen, wenn Zeit oder Zahl der Nutzung überschritten wird. Dann ist das Gerät einfach kaputt und nicht mehr zu reparieren. So ein krasses Beispiel ist die Vakuumpumpe PICO7 von Smith Nephew, eine elektronische Vakuumpumpe zur Behandlung offener Wunden, die nur ganze sieben Tage zu einem Preis von knapp 400 Euro funktioniert und danach auch nach Batteriewechsel nicht mehr zu gebrauchen ist, weil die Funktion intern abgeschaltet wurde. Da die Behandlung ggf. monatelang fortgesetzt werden muss, wandern wöchentlich 400 Euro in die Taschen des Herstellers und der Verkäufer. Was würden Sie sagen, wenn Sie eine CD nur in Verbindung mit einem CD-Player kaufen könnten, weil dieser nach vier Wochen durch einen eingebauten Mechanismus kaputt geht? Würden Sie es akzeptieren, wenn die Packung Tee nur in Verbindung mit einem teuren Heißwasserkocher verkauft wird und dieser nur drei Wochen hält? Das Umweltbundesamt hat sich – wenn man den Veröffentlichungen Glauben schenken darf – der zunehmenden Obsoleszenz angenommen und möchte diese zurückdrängen. In Frankreich stellt die geplante Obsoleszenz in Produkten eine Straftat dar? In Deutschland ist es ein einträgliches Geschäftsmodell auf Kosten der Verbraucher und Patienten unter den Augen der Aufsichtsbehörde.

Heino von Osten, Arzt und Apotheker

Praktikumssuche aufgegeben

3./4. Februar: „Praktikum im Berufsleben: Darauf kommt es an. Wer sich umorientieren will oder muss, wird womöglich noch mal Praktikant“

Ihr Beitrag suggeriert, dass ein Praktikum für „seniore“ Bewerber, also Menschen, die schon mitten im Leben stehen sollten und eigentlich keine Praktika mehr machen sollten, leicht zu erlangen sind oder zumindest, dass die Schwierigkeit weniger ist, sich erfolgreich zu bewerben, sondern vielmehr, hinterher die Stolpersteine im laufenden Alltag zu meistern. Getreu dem Motto: „Kanzler werden ist nicht schwer, Kanzler bleiben um so mehr.“ Das ist aber Unfug. Ich habe eine schwere chronische Erkrankung und bin deswegen 2018 aus meinem erlernten Beruf unfreiwillig ausgeschieden. Seit 2020 suche ich händeringend ein solches Praktikum wie Nicole Herrmann, Ihr Testimonial, es beschrieb. Hierzu besuchte ich zahlreiche Jobmessen, schrieb noch „unzähligere“ Bewerbungen und wärmte mein berufliches und privates Netzwerk fast bis zur Lächerlichkeit auf. Vergeblich. Die Hamburger Betriebe haben kein Interesse an einem gesundheitlich angeschlagenen Bewerber. Allerspätestens im Vorstellungsgespräch ist Schluss. Wir leben in einer Hochleistungsgesellschaft, und wenn ein Betrieb sich jemanden einhandelt, der nur 70 oder 80 Prozent bringen kann, reicht das nicht. Da hilft auch kein nervöses Winken mit dem Schwerbehindertenausweis oder mit Eingliederungszuschüssen. Es gibt schließlich einen Grund, warum Schwerbehindertenquoten in Deutschland permanent verfehlt werden. Und wenn ich mich im Bekanntenkreis umsehe, bin ich auch kein trauriger Einzelfall. Ich jedenfalls habe aufgegeben und sehe keinen Sinn mehr darin, mich auf irgendetwas zu bewerben, weil es nachgewiesenermaßen sinnlos ist. Es wäre schön gewesen, wenn diese Perspektive in dem Beitrag auch deutlich geworden wäre.

Bastian Jacobsen

Risikobereich Familientreffen?

2. Februar: „Missbrauchsbeauftragte warnt: ,Jede Kita ist ein Risikoraum‘. Kerstin Claus beschreibt, wie Täter vorgehen – und sagt, wann Eltern alarmiert sein sollten“

Nein. Die Kita ist kein Risikoraum, sondern ein geschützter. Engagierte Erzieherinnen und Erzieher sorgen – nicht nur bei SterniPark – dafür, dass Eltern und Kinder sicher sein können vor Gewalt oder gar Missbrauch und – genauso wichtig – dass Kinder, die außerhalb der Kita missbraucht oder misshandelt werden, Vertrauenspersonen haben, an die sie sich in der Not wenden können. Die Schlagzeile „Jede Kita ist ein Risikoraum“, schürt Misstrauen in die Kita und beeinträchtigt die Grundlage der Erziehungspartnerschaft zwischen Kita und Elternhaus. Alle Kitas freier Träger haben gute Schutzkonzepte. Und es ist gut, wenn in der Kita das Krippenkind, wenn es denn will, genauso von einer männlichen Fachkraft gewickelt wird wie zu Hause vom Papa. Im Übrigen ist nachgewiesen, dass die Gefahr von Gewalt und Missbrauch in erster Linie im Nahbereich der Verwandt- und Bekanntschaft besteht. Gleichwohl kommt niemand auf die Idee, nunmehr Familientreffen zum Risikobereich zu erklären. Die Aussage der Missbrauchsbeauftragten der evangelischen Kirche, jede Kita sei ein Risikoraum „egal, ob kirchlich, staatlich oder in freier Trägerschaft“ versucht wenige Tage nach Erscheinen der Studie über den Missbrauch im Bereich der evangelischen Kirche diese zu relativieren mit der Behauptung, anderswo sei es auch nicht besser. Aus der leidvollen Geschichte der Heimerziehung und der Verschickungskinder wissen wir, dass es freie Träger außerhalb der Kirchen waren, die Kinderschutz vor Gewalt und Missbrauch praktiziert und durchgesetzt haben, während in den kirchlichen Heimen Kinder und Jugendliche bis weit in die siebziger Jahre nach dem biblischen Motto „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“ verfahren wurde, wobei Rute stellvertretend für vielfältige Formen der Gewalt und Erniedrigung steht. Astrid Lindgren hat auf diese Wurzel in ihrer Friedenspreisrede 1978 „Niemals Gewalt“ hingewiesen. Die evangelische Kirche hat nach dieser Rede noch 45 Jahre gebraucht, um vor der eigenen Haustür zu kehren. Da sollte die Missbrauchsbeauftragte besser erst einmal bleiben, statt andere Träger zu diskreditieren – und im Übrigen auch die eigenen Erzieherinnen und Erzieher, die unter Generalverdacht gestellt werden.

Leila Moysich, SterniPark