Active City Arena

Wie Hamburgs neues mobiles Sportstadion entsteht

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Die mobile Tribüne bietet 700 Menschen Platz. In den Skyboxen können auf drei Etagen weitere 300 Fans so nah am Center-Court sitzen wie in kaum einem anderen Stadion.

Die mobile Tribüne bietet 700 Menschen Platz. In den Skyboxen können auf drei Etagen weitere 300 Fans so nah am Center-Court sitzen wie in kaum einem anderen Stadion.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

In der Multisportarena auf dem Heiligengeistfeld gibt es bis zum 10. Juli Action. Das Abendblatt begleitete den Aufbau.

Hamburg.  Im dritten Stock, mit Blick auf Bunker, Michel und Fernsehturm, kommt Wilco Nijland ins Schwärmen. „Die Übersicht von hier oben ist wirklich klasse“, sagt der 41-Jährige. „Wenn ich mir vorstelle, was für eine Atmosphäre hier herrschen wird, dann würde ich am liebsten sofort mitspielen.“ Seine aktive Zeit im Beachvolleyball ist zwar längst vorbei, mittendrin aber wird der Niederländer dennoch sein, wenn von diesem Donnerstag an auf dem Heiligengeistfeld die Premiere eines neuen Hamburger Sportevents ansteht.

Nijland ist Geschäftsführer der Agentur Sportworx aus Utrecht und in dieser Position federführend für das Format, das bis zum 10. Juli Wettkämpfe in den Sportarten Beachvolleyball, Badminton, 3x3-Basketball und Tischtennis bietet. Interessant ist dabei vor allem der Austragungsort. Seit Mitte vergangener Woche wird auf Hamburgs größter Veranstaltungsfläche im Herzen von St. Pauli auf einem 10.000 Quadratmeter großen Areal die „Active City Arena“ aufgebaut; ein mobiles Stadion mit einem Fassungsvermögen von 1000 Sitzplätzen.

Active City Arena: Nijland musste hart um Idee kämpfen

Der Name soll die gute Beziehung zur Stadt würdigen, die mit ihrem Breitensportkonzept seit Oktober 2018 im Rang einer „Global Active City“ geführt wird. Sportsenator Andy Grote (SPD) verspricht sich von dem neuen Format „eine Erweiterung des Hamburger Sportsommers, die perfekt in unser Konzept passt“.

Tatsächlich musste Wilco Nijland, der im vergangenen Jahr erstmals als Veranstalter in Hamburg in Erscheinung trat, als er das von ihm erfundene Beachvolleyballformat „King of the Court“ am Rothenbaum präsentierte, um seine Idee hart kämpfen. Mehrere Monate dauerte es, bis alle Partner die notwendigen Verträge unterzeichnet hatten. Allein zehnmal mussten die Baupläne geändert werden, um den strikten Bestimmungen auf dem Heiligengeistfeld Rechnung zu tragen.

Durch Corona gab es einige Probleme

Das größte Problem entstand aber infolge der Corona-Pandemie. Sowohl Personal als auch Baumaterial sind extrem knapp und entsprechend teuer. „Ich habe die Bauarbeiter vor sieben Monaten gebucht, als noch gar nicht klar war, ob wir überhaupt veranstalten dürfen. Das war ein hohes Risiko, deshalb bin ich sehr froh, dass wir nun hier stehen“, sagt Nijland, während er die Abendblatt-Reporter über das Veranstaltungsgelände führt.

Mehr als 300 Menschen werden in den kommenden Wochen in die Durchführung involviert sein. 40 davon arbeiten für die Agentur Sportworx, die in Hamburg mit der Agentur Faktor 3 kooperiert. Für den Aufbau des Stadions ist die Firma ­StageCo verantwortlich, die diese Arbeiten 2018 in Utrecht erstmals erledigte und in Hamburg nun zum siebten Mal Hand und Werkzeug anlegt, erstmals allerdings außerhalb der Niederlande. Das gesamte Material für die Tribünen musste, da in Deutschland nichts zu bekommen war, aus Holland geliehen werden.

Aufbau des Grundstadions dauert knapp zwei Tage

„Das Gute ist, dass die Abläufe gelernt sind. So braucht es für den Aufbau des Grundstadions nur zweieinhalb Tage“, sagt Wilco Nijland. Zwei Tage vor dem Start des Programms mit dem „King of the Court“-Turnier (Donnerstag bis Sonntag) waren rund 80 Prozent der Arbeiten abgeschlossen. „Damit liegen wir sogar vor dem Zeitplan“, sagt Nijland, der mit einem Gesamtetat zwischen 2,5 und drei Millionen Euro plant, von denen er rund 1,8 Millionen über Ticketverkäufe und Sponsoringgelder finanzieren muss. 50 Prozent der verfügbaren Eintrittskarten wurden im Vorverkauf abgesetzt.

Seinen speziellen Charme zieht das Stadion aus den dreistöckigen Tribünen an einer Längs- und einer Stirnseite des Center-Courts. Im Erdgeschoss ist auf der Längsseite der VIP-Bereich untergebracht. An der Stirnseite und im gesamten zweiten Geschoss gibt es 35 Skyboxen, voneinander abgetrennte Räume, die zwischen vier und zehn Personen Platz bieten. Dort können sich die Gäste per QR-Code Speisen und Getränke an ihren Platz liefern lassen.

Tribünen bieten Platz für 300 Menschen

„So muss man lediglich aufstehen, um auf Toilette zu gehen, und kann die Action so nah am Court wie sonst nirgendwo erleben“, sagt Nijland. Im dritten Geschoss werden große Sonnenschirme aufgestellt, unter denen weitere Sitzplätze mit optimalem Überblick angeboten werden. Insgesamt bieten diese Tribünen 300 Menschen Platz. Auf der zweiten Längsseite steht zudem eine Stahlrohrtribüne mit 700 Plätzen.

Für den Center-Court und den für die German Beach Tour (30. Juni bis 3. Juli) nötigen zweiten Matchcourt wurden 700 Tonnen Sand angeliefert. Am 6. und 7. Juli wird dieser Untergrund ausgetauscht, da für 3x3-Basketball (8. und 9. Juli) und Tischtennis (10. Juli) Betonboden benötigt wird. Zusätzlich wird dann ein auf vier Pfeilern stehendes Zeltdach installiert, das als „Magic Sky“ in neun Metern Höhe den gesamten Court vor Nässe schützt.

Active City Arena – langfristig ein Teil von Hamburg?

Die Elektronik dagegen – unter anderem zwei Bildschirme (siebenmal drei und fünfmal drei Meter groß) – kann Regen problemlos standhalten. Sportworx produziert das TV-Signal, das für Livebilder in 40 Ländern und Highlightsendungen in 125 Ländern weltweit genutzt wird, selbst.

„Ich freue mich sehr, dass wir unsere Arena den Menschen in Hamburg präsentieren dürfen“, sagt Wilco Nijland, der die Premiere als Appetitmacher betrachtet. „Im kommenden Jahr möchte ich mit Tribünen an allen vier Seiten 2500 Plätze schaffen und auch kulturelle Events einbauen. Wir wollen langfristig ein Teil des Hamburger Sommers werden.“

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