Kreuzfahrten Hamburg

So lief die Premierenfahrt der „AidaCosma“

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Georg J. Schulz
Das Kreuzfahrtschiff "Aidacosma" verlässt den Hamburger Hafen zu seiner Jungfernfahrt.

Das Kreuzfahrtschiff "Aidacosma" verlässt den Hamburger Hafen zu seiner Jungfernfahrt.

Foto: dpa

3000 Passagiere waren dabei. Was das brandneue Kreuzfahrtschiff der Trendsetter-Reederei des Carnival-Konzerns auszeichnet.

Hamburg. „Schön, Sie endlich alle begrüßen zu können, hier in meiner wunderbaren Zeitmaschine. Mein Name ist Tempus, Professor Tempus, und ich habe Sie alle eingeladen, um meine Augen und Ohren zu sein auf dieser Reise. Wann immer Sie etwas Außergewöhnliches da draußen in den Fenstern entdecken, lassen Sie es mich wissen. Es könnte für uns alle noch sehr nützlich sein.“

Mit diesem Hinweis beginnt auf der brandneuen „AidaCosma“ ein Besuch im Erlebnisrestaurant Time Machine, nachdem sich die Gäste zuvor in Zehnergruppen mit einem absichtlich etwas rumpelnden Fahrstuhl in die imaginäre Unterwelt des Ozeanriesens begeben haben. Das dunkle Ambiente dort erinnert an die Maschinenräume der ersten Dampfschiffe oder an ein altes U-Boot. Doch es gibt etwas mehr Platz: Bis zu 180 Personen können in der Zeitmaschine ein Drei-Gänge-Menü genießen und zugleich eine Mischung aus Sprechtheater, Tanzeinlage und Videoanimation erleben. Ohne zu viel über die im Vergleich zum Schwesterschiff „AidaNova“ modifizierte Story zu verraten: Vor allem für Kinder ist die Show ein großer Spaß.

Kreuzfahrten Hamburg: „AidaCosma“ feiert Premiere

Eine echte Reise durch die Zeit machen zu können, das haben sich viele Kreuzfahrtfans in den vergangenen Monaten gewünscht. Hinein in eine neue Epoche, in der weder das Coronavirus noch anderes globales Ungemach wie Kriege oder die Erderwärmung eine große Rolle spielt. Gleiches gilt, in potenziertem Maße, natürlich auch für alle, die auf diesen Schiffen arbeiten, sie bauen und betreiben.

Aida Cruises aus Rostock hat sich im Laufe der Jahre innerhalb des Carnival-Konzerns – zu dem auch Marken wie Cunard und Costa gehören – auf vielen Gebieten zum Trendsetter entwickelt. Erst ging es nach dem Motto „Clubtanz statt Captains Dinner“ um die Entstaubung des Kreuzfahrt-Erlebnisses an sich, dann geriet die Reduktion von Emissionen in den Fokus. Früher und konsequenter als Mitbewerber setzte ­Aida das Thema Landstrom auf die Agenda, man testet Akku-Packs und Brennstoffzellen, zudem vergab die Reederei an die Meyer Wert in Papenburg den Auftrag, die weltweit ersten Flüssiggas-Kreuzfahrtschiffe zu konstruieren.

Deren wesentlicher Vorteil: Sie verbrauchen durch zahlreiche Modifikationen und ihre höhere Kapazität pro Passagier bis zu 55 Prozent weniger Energie, und sie stoßen fast keine Partikel mehr aus, weil verflüssigtes Erdgas (Liquid Natural Gas, kurz: LNG) viel sauberer verbrennt als Schiffsdiesel oder gar Schweröl. Kapitän Tommy Möller, der sich das Kommando mit dem Taufkapitän Vincent Cofalka teilt, schwärmt aber nicht nur wegen des Treibstoffs fürs neue Schiff: „Wir haben auch bei der Wärmerückgewinnung viel erreicht. Das klappt so gut, dass wir das jetzt woanders nachrüsten werden.“ Übrigens: Da man LNG, laut Aida „eine Brückentechnologie“, auch synthetisch herstellen kann, wäre bei ausreichend großem Angebot von Ökostrom irgendwann sogar ein komplett klimaneutraler Betrieb möglich.

Bis zur Taufe sechsmal ab/bis Hamburg im Einsatz

Hätte es Corona nicht gegeben, wären bald vier LNG-Schiffe für Aida im Einsatz gewesen. Doch weil der Markt zwischenzeitlich einbrach, wurde nach der Premiere der „AidaNova“ der zweite Neubau an Costa abgegeben, Schiff Nummer vier soll der Carnival-Konzern für seine US-Eigenmarke übernehmen. Also bleibt für Aida neben Nummer eins nur noch die Nummer drei. Und die hat am 26. Februar unter dem Namen „AidaCosma“ zum ersten Mal Gäste an Bord genommen.

Die Premierenfahrt ab und bis Hamburg war mit rund 3000 Passagieren ausgebucht – mehr als 60 Prozent lässt das mit dem Flaggenstaat Italien abgestimmte Corona-Konzept, zu dem auch eine Maskenpflicht in Innenräumen gehört und eine doppelte Test-Pflicht vor dem Boarding, bislang nicht zu. Vor allem Wiederholer wollen das neue Schiff vor seiner offiziellen Taufe am 9. April kennenlernen. Insgesamt sechsmal fährt die „AidaCosma“ die von der „AidaPrima“ – sie ist gerade in der Werft – übernommene Metropolenroute mit Anläufen in England (Southampton), Frankreich (Cherbourg), Belgien (Zeebrügge) und den Niederlanden (Rotterdam).

„AidaCosma“: 17 Restaurants, 23 Bars und Cafés

„Jetzt sind schon elf unser 13 Schiffe wieder in Betrieb“, freut sich Steffi Heinicke, die als Senior Vice President bei Aida vor allem für den Hotelbetrieb an Bord zuständig ist. Sie kann die auffälligsten Unterschiede zwischen der ­„AidaNova“ und der neuen „AidaCosma“ schnell erklären: „Wir haben hier noch etwas mehr Kabinen. Deshalb haben wir auf das Kochstudio verzichtet und den Platz für das neue Spezialitäten-Restaurant Beach House genutzt. Dort kommen Gerichte auf den Tisch, die wir so noch nicht hatten.“ In der Tat: Ceviche mit Maracuja, Cajun-Calamari oder Hähnchenkeulen mit Schoko-Chili-Sauce findet man sonst nicht, und auch das weiße Interieur sticht heraus.

Aufgerüstet wurde das Brauhaus, dort gibt es jetzt zusätzlich einen Außengrill. Das Italo-Restaurant Casa Nova ist durch eine Trattoria namens Mamma Mia ersetzt worden, die nun offener und mit ihren rotkarierten Tischdecken auch rustikaler und einladender wirkt. Insgesamt gibt es 17 Restaurants sowie 23 Bars und Cafés, die fast alle Geschmäcker bedienen. Selbst Labskaus steht auf der Karte, das an sich matschige Leibgericht der Norddeutschen, hübsch angerichtet mit Rollmops, Ei und Gurke.

Seenotrettungsübung per App absolvieren

Wie immer gilt eine Dreiteilung: Es gibt Büfettrestaurants wie das Marktrestaurant (diesmal noch gesperrt als zusätzlicher Crewbereich) und Yachtclub, in denen neben dem Essen auch die ­gängigen Tischgetränke inklusive sind, dann Bedienrestaurants wie Beach House, Brauhaus, Mamma Mia und Co, in denen nur die Getränke extra gezahlt werden, sowie Spezialitätenrestaurants wie den Teppanyaki Asia Grill, das Rossini oder die Churrascaria, wo auch für das Essen ein Aufpreis fällig wird. Eine Besonderheit ist der Besuch der Time Machine, er kostet pro Erwachsenen inklusive Getränke 19,90 Euro, für Kinder 9,90 Euro.

Ein baulicher Unterschied betrifft die Gestaltung des Hecks. Da die „AidaCosma“ nach dem Start im Norden künftig in wärmeren Gefilden (Mittelmeer/Orient) unterwegs sein soll, ist der Activity-Bereich offener gestaltet worden. Hinten, am Ocean Deck auf Ebene 16, befindet sich ein Infinity-Pool. Und die Aida Lounge für Suiten-Gäste hat einen größeren Außenbereich mit Liegen und Pool bekommen. Noch ein Novum ist die Möglichkeit, die Seenotrettungsübung an Bord per App zu absolvieren: Hat der Gast nach dem Check-in zu einem passenden Zeitpunkt alle Schritte erfolgreich mit dem Smartphone erledigt, muss er sich nur noch einmal kurz mit Schwimmweste an der Musterstation zum digitalen Abhaken melden. Das entzerrt diese vorgeschriebene Maßnahme erheblich.

Endlich wieder zusammen tanzen gehen

Wann alle Corona-Einschränkungen obsolet sind und die Schiffe wieder unter Vollauslastung fahren, kann heute noch niemand ohne Zeitmaschine sagen. „Manches wird vielleicht schon in den nächsten Wochen gelockert, der Rest ist dann hoffentlich spätestens im Sommer wieder so wie früher“, sagt General Managerin Heidi Rothe. „Und dann können wir endlich auch wieder alle zusammen tanzen gehen.“

(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch Aida Cruises.)

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