Leder-Schüler-Haus

Hamburg verliert ein Denkmal: Höger-Bau wird abgerissen

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Das Leder-Schüler-Haus am Heidenkampsweg in Hammerbrook muss abgerissen werden.

Das Leder-Schüler-Haus am Heidenkampsweg in Hammerbrook muss abgerissen werden.

Foto: Michael Zapf

Das markante Leder-Schüler-Haus am Heidenkampsweg ist nicht mehr zu retten. Was dort in Zukunft entstehen könnte.

Hamburg verliert ein weiteres Denkmal: Das markante Leder-Schüler-Haus am Heidenkampsweg, 1928 errichtet von Chile-Haus-Erbauer Fritz Höger, ist nicht mehr zu retten. Zu diesem niederschmetternden Ergebnis kamen gleich mehrere Gutachten. Dabei hatten die Eigner, ein Joint Venture der Reiß & Co. Gruppe mit der PEG Projektentwicklungsgesellschaft Hamburg, das alte Kontorhaus eigentlich neu beleben wollen.

„Die Entwicklung hat uns in einer Phase ereilt, in der wir uns intensiv mit der angestrebten Revitalisierung beschäftigt hatten“, sagte PEG-Geschäftsführer Christian Marquardt. Ursprünglich sollte das Kontorhaus, das als eines der ersten Hochhäuser Hamburgs berühmt wurde, zu einem Hotel umgebaut werden.

Leder-Schüler-Haus wurde bereits 1943 beschädigt

Doch schon in der Machbarkeitsstudie zur geplanten Sanierung traten die Probleme zu Tage. Das Hamburger Ingenieurbüro Panta hatte die Backsteinfassade und das Gebäudetragwerk des markanten Hauses am Heidenkampsweg Ecke Nordkanalstraße untersucht. Demnach ist die Fassade des Leder-Schüler-Baus vom Erdgeschoss bis zur obersten elften Etage nahezu „vollständig abgängig“ und muss ersetzt werden.

Auch die Standsicherheit der filigranen Fassade an der Nordkanalstraße sehen die Sachverständigen als nicht mehr gegeben an. Eine Fülle von Mängeln zieht sich durch das gesamte Gebäude und stand der Revitalisierung in Wege: Die fortschreitende Rissbildung im Mauerwerk, die starke Korrosion der Stahlträger, eine zu weiche Holzpfahlgründung und die mangelhafte Aussteifung des Gebäudes. „Die bauphysikalischen Mängel führen zwangsläufig zu Schäden an der Tragkonstruktion“, sagte der Gutachter. Zudem zeigte sich, dass Teile des Anbaus in den Bombennächten der „Operation Gomorrha“ 1943 stärkere Schäden davongetragen hatte.

Denkmalschutzamt wollte Höger-Bau retten

Daraufhin wurde der expressionistische Bau durch ein Gerüst abgesichert, damit keine Fassadenteile auf Straße und Gehweg fallen. 2019 musste der Bau aufgrund massiver statischer Schäden aus Sicherheitsgründen geräumt werden.

Das Denkmalschutzamt bestätigte die angegriffene Substanz. „Wir waren zuversichtlich, das Denkmal erhalten zu können“, sagte nun Katrin Hotop. Die Behörde gab ihrerseits eine ingenieurtechnische Überprüfung in Auftrag, um Erhalt und Instandsetzung zu überprüfen und zu beleuchten. Das Ergebnis fiel so klar wie schmerzlich aus: „Das Denkmal ist nicht zu halten“, sagt Hotop. „Der baulicher Zustand ist desolat.“ Eine Sanierung käme aufgrund der Vielzahl der Schäden einem Neubau gleich. Die Denkmaleigenschaft aber beziehe sich auf die Originalsubstanz, sodass ein Denkmalstatus danach verloren gehe. Ulrich Meyer von WP Ingenieure hält den Bau für „nicht sinnvoll sanierbar“.

Höger-Hochhaus wird 2022 abgerissen

Nun wird das Höger-Hochhaus im kommenden Jahr abgerissen. In einem Werkstattverfahren wollen die Investoren mit dem Denkmalschutzamt und der Stadt ausloten, was an der markanten Stelle am Heidenkampsweg in Zukunft entstehen soll. Die Vorhabenträger zeigten sich offen, dort ein Gebäude zu errichten, das die „identitätsstiftende Wirkung“ des Leder-Schüler-Hauses aufgreift.

Auch ein Wiederaufbau des Kontorhauses mit seiner markanten Klinkerfassade ist denkbar. Ein originalgetreue Rekonstruktion aber scheitere schon an der Bauphysik. „Die filigrane Fassade war nur durch das Nichteinhalten der Bauphysik möglich“, sagt Christian Marquardt von PEG. Anna Joss, Leiterin des Denkmalschutzamtes ergänzt: „Ich bedaure sehr, dass wir das Denkmal nicht erhalten können und würde es begrüßen, wenn wenigstens der Neubau die Baugeschichte des historischen Kontorhauses aufgreifen könnte.“

„Leder-Schüler“ war ein Hamburger Traditionsunternehmen, das 1838 in Ochsenwerder gegründet wurde. Noch in den Siebzigerjahren hatte der Hersteller von Koffer und Lederwaren 20 Geschäfte, allein neun davon in Hamburg, etwa in Wandsbek, Harburg und der Spitaler Straße. Im Dezember 1986 musste die Firma Konkurs anmelden. Die großen Buchstaben „Leder Schüler“ erinnern bis heute an den früheren Eigner, der Zusatz „Werke“ verschwand.

Im den Kellerräumen des Gebäudes mit der dunklen Klinkerfassade und grünen Sprossenfenstern waren jahrzehntelang bekannte Musik-Clubs beheimatet, darunter der „Cotton Club“ und das „Danny’s Pan“.

( ike )

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