Hamburger Bildhauer

Fritz Fleer: So will seine Tochter die Künstler-Villa retten

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Friederike Ulrich
Thekla Müller-Fleer und ihr Mann Rembert Müller wollen die Künstler-Villa von Bildhauer Fritz Fleer in Hamburg erhalten.

Thekla Müller-Fleer und ihr Mann Rembert Müller wollen die Künstler-Villa von Bildhauer Fritz Fleer in Hamburg erhalten.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Das Denkmalschutzamt durchkreuzte die Pläne der Familie, das Haus des verstorbenen Bildhauers umzubauen. Jetzt gibt es eine Strategie.

Hamburg. Hochzeitstür, Taufbecken und Kanzelreliefs von St. Nikolai am Klosterstern, Dietrich Bonhoeffer zu Füßen von St. Petri an der Mönckebergstraße, der Junge mit der Möwe zwischen Kennedy- und Lombardsbrücke, der Has’-und-Igel-Brunnen in Buxtehude oder das Bronzeportal von St. Nicolai auf Helgoland – der Hamburger Bildhauer Fritz Fleer ist mit zahlreichen Kunstwerken im ganzen Norden vertreten.

Entsprechend wurde er gewürdigt. Zum 70. Geburtstag, noch zu seinen Lebzeiten, gab es eine große Ausstellung in Schloss Gottorf. Am gestrigen 21. November wäre Fritz Fleer 100 Jahre alt geworden. Dieses Mal konnten sich geladene Gäste seine Figuren und Reliefs dort ansehen, wo er gelebt und gearbeitet hat: in seinem Wohn- und Atelierhaus in Wohldorf-Ohlstedt.

Villa in Hamburg: Bildhauer hinterließ sie sanierungsbedürftig

Der 1962 erbaute Bungalow spielt an diesem Tag eine mindestens ebenso große Rolle wie der Künstler – geht es doch um seinen Erhalt. Der Backsteinbau mit großem Garten zur Alster hin und abwärts führender Zufahrt stand bei Hochwasser und Starkregen schon unter Wasser, die Feuchtigkeit kriecht die Wände hoch und in den Fußboden. Nachdem Erika Fleer, die als Fotografin sämtliche Werke ihres Mannes abgelichtet hatte, 2017 starb, wird nur noch ein Teil des Hauses von ihrer ehemaligen Mitarbeiterin bewohnt. Im anderen ließen Tochter Thekla Müller Fleer und ihr Mann Rembert Müller alles so, wie es war. Und überlegten lange, was mit dem Haus passieren soll, das dringend einer Sanierung bedurfte.

Schließlich beschlossen sie, durch Teilabriss und Aufstockung ein Haus mit zwei Wohneinheiten zu schaffen. Sie stellten einen Bauantrag – und erhielten keine 24 Stunden später eine Nachricht vom Denkmalschutzamt, das bei geplanten Baumaßnahmen in Erhaltungsgebieten automatisch befragt werden muss. Der Bungalow stehe ab sofort unter Denkmalschutz, denn er sei in Kooperation zweier bedeutender Künstler entstanden. Fritz Fleer hatte ihn gemeinsam mit Otto Andersen, einem bedeutenden Kirchenbauer, entworfen und gebaut.

„Alle fühlen sich mit dem Haus sehr verbunden"

„Wir waren zunächst überhaupt nicht begeistert von dieser Wendung“, sagt Thekla Müller-Fleer, die in ihrem Elternwohnzimmer – noch immer ausgestattet mit dem 1960er-Jahre-Mobiliar – Tee serviert. Mittlerweile sei die Familie aber sehr stolz auf ihr Kulturdenkmal. „Meine Mutter hätte sich besonders darüber gefreut. Sie war immer darauf bedacht, hier alles in seinem Ursprung zu belassen.“ Tatsächlich fühlt man sich in dem Haus in eine andere Zeit versetzt: Die Waschbetonplatten, über die man auf das Haus geht, ziehen sich durch den Flur und weiter hinaus auf die Terrasse. Die Wände bestehen teils aus Backstein, teils sind sie mit Holz vertäfelt, dessen Farbton an dunklen Honig erinnert und von Türen und Wohnzimmermöbeln aufgegriffen wird. Überall sieht man Reliefs, Figuren und Bronzen des früheren Hausherrn.

Im eisern verkleideten Kamin brennt ein Feuer, auf einem Regal liegen Steine eines Dominospiels neben einem aufgebauten Schachspiel. Nach dem Tod von Erika Fleer sei die ganze Familie in eine Art Schockstarre verfallen, sagt Thekla Müller-Fleer, die außer ihrer im Ausland lebenden Schwester Franziska vier Kinder sowie mehrere Enkel hat. „Alle fühlen sich mit dem Haus sehr verbunden und wollen die Initiative, die wir jetzt starten, mit aller Kraft unterstützen.“

Ein Netzwerk soll beim Erhalt des Hauses helfen

Denn der gut besuchte Empfang anlässlich des 100. Geburtstags von Fritz Fleer diente nicht nur dem Zurschaustellen von Wohnhaus und Atelier. „Wir wollen ein Netzwerk schmieden aus Menschen, die sich mit uns für den Erhalt einsetzen“, sagt die Künstler-Tochter. Denn die mit dem Denkmalamt abgesprochene Sanierung des Bungalows wird teuer. Das Gebäude wird ringsherum aufgegraben und isoliert, danach folgt die Instandsetzung von Dach, Fassade und Fenstern. „Wir sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen und hoffen, dafür Denkmal- oder Kulturstiftungen gewinnen zu können.“

Dass das Haus nicht erweitert werden kann, schränkt auch dessen Nutzungsmöglichkeiten ein. Doch auch hier haben sich die Fleer-Tochter, die als Keramikerin und Kunsttherapeutin arbeitet, und ihr Mann, Rechtsanwalt und Mediator, Konzepte für eine Lösung überlegt.

„Eltern-Trakt“ könnte vermietet werden

So könnte der überwiegend noch im Originalzustand erhaltene „Eltern-Trakt“ mit Wohn- und Schlafzimmer, Bad, Gäste-WC und noch einzubauender kleiner Küche mitsamt dem angrenzenden Atelier an einen Künstler oder Artist in Residence vermietet werden. Im Atelier sollen darüber hinaus kunsttherapeutische Angebote für Kinder und Jugendliche stattfinden. Durch die Miete könne ein Teil der Sanierungskosten finanziert werden. „Der Künstler bräuchte natürlich ein Stipendium“, so Thekla Müller-Fleer. „Auch hier sind wir auf der Suche nach Einrichtungen, die so etwas vergeben.“

Da dieses Konzept eine „feste Begleitung“ benötige, will auch sie zurück in ihr Elternhaus. Im „Kinder-Trakt“ des Künstlerhauses wollen sie und ihr Mann eine kleine Wohnung einrichten und künftig dauerhaft dort leben. Bald werden die Sanierungsarbeiten beginnen. „Wir Kinder und Enkel von Fritz Fleer haben uns wirklich viel vorgenommen, um das zu bewahren, was uns Eltern und Großeltern hinterlassen haben“, sagt Thekla Müller-Fleer. „Wir würden uns freuen, wenn sich Menschen finden, die sich an der Umsetzung dieses Projekts beteiligen würden.“

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