Corona Hamburg

Inzidenz auf Rekordkurs – aber Verwirrung beim Boostern

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Jens Meyer-Wellmann
Peter Tschentscher (SPD) sowie Katharina Fegebank (Grüne).

Peter Tschentscher (SPD) sowie Katharina Fegebank (Grüne).

Foto: Georg Wendt / dpa

Bisher weisen viele Ärzte Jüngere wegen Stiko-Empfehlung ab – trotz Empfehlung von Spahn. Bald weitere Einschränkungen für Ungeimpfte.

Hamburg. Im zweiten Winter der Pandemie sind die Corona-Infektionszahlen auch in Hamburg auf Rekordkurs. Am Sonnabend und Sonntag meldete die Sozialbehörde 1028 Neuinfektionen. Die 7-Tage-Inzidenz stieg von 160,8 am Freitag auf 176,5 am Sonntag. Das ist der zweithöchste Wert der gesamten Pandemie. Nur Heiligabend 2020 hatte die Inzidenz mit 179,6 noch höher gelegen.

Angesichts der aktuellen Entwicklung könnte dieser Wert schon heute oder in den kommenden Tagen übertroffen werden. In Hamburgs Kliniken werden derzeit 178 Corona-Infizierte behandelt, 44 auf den Intensivstationen. Zum Vergleich: Zu Heiligabend lagen 419 Corona-Patienten in den Hamburger Krankenhäusern, 77 auf Intensivstationen. Der Höchststand bei den Klinikpatienten wurde knapp zwei Wochen nach Heiligabend am 6. Januar mit 476 Erkrankten erreicht, von denen 90 auf Intensivstationen behandelt werden mussten.

Corona Hamburg: Lage in Kliniken beherrschbar

Laut DIVI-Register ist die Lage in Hamburgs Kliniken im Vergleich zu den südlichen Bundesländern noch gut beherrschbar. Derzeit sind 9,5 Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. In Thüringen, Sachsen oder Bayern sind es um die 25 Prozent oder mehr. Allerdings schlagen sich hohe Infektionszahlen auch erst mit einer Verzögerung von etwa zwei Wochen in den Kliniken nieder.

„In Hamburg haben wir gute Schutzkonzepte, eine hohe Impfquote und schon seit August 2G in infektionsriskanten Bereichen“, schrieb Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei Twitter. „Anders als im Süden ist die Lage in unseren Krankenhäusern dadurch noch stabil. Damit es so bleibt, entscheidet der Senat am Dienstag über eine Ausweitung von 2G.“ Rot-Grün will die Verbreitung des Virus wohl dadurch bremsen, dass die 2G-Regel in vielen Bereichen verpflichtend wird. Denkbar ist das etwa in der Gastronomie, in Fitnessstudios oder bei Veranstaltungen. Dort dürften dann nur Geimpfte und Genesene eingelassen werden.

Fegebank fordert Impfpflicht für bestimmte Berufe

Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) forderte am Sonntag eine Impfpflicht für bestimmte Berufe, etwa im Gesundheitsbereich – und appellierte noch einmal energisch an bisher nicht Geimpfte. „Alle, die sich impfen lassen können, sollten mit sich selbst hart ins Gericht gehen, ob ihre Entscheidung vor dem Hintergrund der Lage angemessen ist“, so Fegebank. „Und klar ist auch: Kinder und Jugendliche dürfen nicht wieder die Leidtragenden sein.“

Verwirrung hatte es zuletzt über die Auffrischungsimpfungen gegeben, das sogenannte Boostern. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat diese sechs Monate nach der zweiten Impfung bisher nur für Menschen ab 70 Jahren empfohlen, außerdem für Vorerkrankte und Personal aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dagegen hatte gesagt, jeder solle sich boostern lassen, es sei genug Impfstoff da – so wollte es auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder umsetzen.

Hamburger Ärzte halten sich an Stiko-Empfehlung

In Hamburg aber halten sich die meisten niedergelassenen Ärzte an die Stiko-Empfehlung und weisen jüngere an einer Drittimpfung Interessierte derzeit ab. Das sei auch richtig, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), Walter Plassmann, dem Abendblatt. „Wir stehen auf dem Standpunkt, dass die Stiko sich ihre Empfehlung, zunächst nur Menschen ab 70 zu impfen, gut überlegt hat“, so Plassmann. „Die Stiko hat in dieser Pandemie mit ihren vernünftigen Empfehlungen auch bei Beginn der Impfkampagne schon mehr Leben gerettet als alle Gesundheitsminister zusammen.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Auch Sozialbehördensprecher Martin Helfrich verteidigte Hamburgs Entscheidung, sich an der Stiko zu orientieren. Wer die Bedingungen erfülle, könne sich an seinen Hausarzt wenden oder bei einem der öffentlichen Impfangebote eine Booster-Impfung bekommen. Derzeit müsse es aber „vorrangig darum gehen, möglichst alle impffähigen Menschen mit einer Grundimmunisierung gegen das Coronavirus zu schützen“.Möglichkeiten für eine schnelle Impfung ohne Termin und oft mit freier Impfstoffwahl gibt es unter der Adresse
www.hamburg.de/corona-impfstationen.

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